Eine Krankschreibung reiht sich an die nächste. Doch nur bei Neuerkrankungen muss der Arbeitgeber länger als sechs Wochen Lohnfortzahlung leisten.
Foto: nmann77 - stock.adobe.com
Eine Krankschreibung reiht sich an die nächste. Doch nur bei Neuerkrankungen muss der Arbeitgeber länger als sechs Wochen Lohnfortzahlung leisten.

Urteil

Dauerkranke Mitarbeiter – wann entfällt die Lohnfortzahlung?

Wer dauernd neue Erkrankungen beim Arbeitgeber meldet, muss seine Krankenakte offenlegen. Sonst kann der Arbeitgeber die Zahlungen einstellen, entschied das Bundesarbeitsgericht.

Der Fall: Der Mitarbeiter eines Flughafens brachte es auf zahlreiche krankheitsbedingte Fehltage. Er fehlte 2019 ab Ende August an 68 Tagen, im Jahr 2020 waren es bis Mitte August weitere 42.

Im vorliegenden Fall erkrankte der Mitarbeitende erneut und legte Erstbescheinigungen seines Arztes vor. Die Arbeitgeberin vermutet eine Folgeerkrankung und forderte einen Einblick in die Krankheitsdaten. Der Mitarbeitende weigerte sich mit Hinweis auf den Datenschutz. Der Arbeitgeber zahlte nicht, der Mann klagte.

Streitfall Krankheit: 10 Urteile, die Sie kennen sollten!

Manche Mitarbeiter täuschen ihre Krankheit nur vor, andere fallen längerfristig aus – beides kann zu Streit im Betrieb führen. 10 Urteile zum Thema Krankheit im Überblick.
Artikel lesen

Hintergrund: Arbeitgeber müssen wegen einer Erkrankung bis zu sechs Wochen Lohnfortzahlung leisten. Neue Ansprüche entstehen nur, wenn der Mitarbeitende an einer anderen Krankheit leidet. Es gibt allerdings zwei Ausnahmen, bei denen nicht gezahlt werden muss:

  • Der Mitarbeitende war in den vorangegangenen sechs Monaten schon einmal wegen dieser zweiten Krankheit krankgeschrieben.
  • Der Mitarbeitende war in den zwölf Monaten vor der ersten von mehreren Krankschreibungen schon einmal an dieser Krankheit erkrankt.

Das Urteil: Das Bundesarbeitsgericht entschied im Sinne des Arbeitgebers. Wenn der Arbeitgeber im Streit um eine Lohnfortzahlung eine neue Erkrankung bezweifelt, müsse der Arbeitnehmer seine Erkrankungen schildern und seine Ärzte von der Schweigepflicht entbinden. Eine ärztliche Erstbescheinigung reiche nicht aus, vor allem wenn sie von einem anderen Arzt ausgestellt wurde. Andernfalls könne sich der Arbeitgeber zu dem Sachverhalt nicht äußern. Der Datenschutz müsse in diesem Fall zurückstehen. (Urteil vom 18. Januar 2023, Az. 5 AZR 93/22)

Tipp: Sie wollen keine wichtigen Infos zum Thema Arbeitsrecht  verpassen? Dann abonnieren Sie hier den handwerk.com-Newsletter. Jetzt hier anmelden!

Auch interessant:

5 Fehler: Darum bleiben Ihre Mitarbeiter im Zweifel lieber krank zu Hause

Viel zu tun und dann meldet sich auch noch jemand krank. Vermeiden Sie 5 typische Fehler und Sie senken Ihre Krankheitsquote.
Artikel lesen

Krankenstände im Betrieb analysieren und abbauen

Fallen Mitarbeiter oft krank aus, stört das die Arbeitsabläufe. Doch gegen einen hohen Krankenstand können Betriebe etwas tun, wenn sie die Gründe für die Ausfälle kennen.
Artikel lesen

Krank wegen Mückenstich! „Wir bluten Bargeld“

Eine Woche fehlt ein Mitarbeiter wegen einer Mücke, dann zweieinhalb Wochen mit Fußpilz. Thomas Salz muss es ausbaden. Er ist sauer. Auch auf manchen Arzt.
Artikel lesen

Frustriert von der Mitarbeitersuche?

handwerk.com und die Schlütersche helfen Ihnen Ihre offenen Stellen einfach, zeit- und kostensparend mit den richtigen Kandidaten zu besetzen! Mehr als 500 Betriebe vertrauen uns bei der Mitarbeitersuche!

Jetzt Bewerber finden!

Wir haben noch mehr für Sie!

Praktische Tipps zur Betriebsführung und Erfahrungsberichte von Kollegen gibt es dienstags und donnerstags auch direkt ins Postfach: nützlich, übersichtlich und auf den Punkt.
Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an - schnell und kostenlos!
Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter. Die Übermittlung erfolgt verschlüsselt. Zu statistischen Zwecken führen wir ein anonymisiertes Link-Tracking durch.
Sie beschäftigen eine schwangere Minijobberin? Dann bekommen Sie zum Beispiel den Zuschuss zum Mutterschaftsgeld erstattet.

Personal

Lohnfortzahlung für Minijobber: Erstattung ist möglich

Krank oder schwanger: Wenn Minijobber ausfallen, übernimmt Ihre Arbeitgeberversicherung bis zu 100 Prozent der Kosten. Allerdings kommt es auf die Betriebsgröße an.

    • Personal, Personalführung
Attest bis zum Ende des gekündigten Arbeitsverhältnisses: In diesem Fall war das laut Landesarbeitsgericht Niedersachsen unproblematisch, weil der Mitarbeiter schon vorher krankgeschrieben war.

Recht

Krank nach Kündigung: Was gilt für die Lohnfortzahlung?

Wenn sich ein Mitarbeiter nach der Kündigung krank meldet und wochenlang ausfällt, ist das verdächtig. In diesem Fall muss der Betrieb Lohnfortzahlung leisten.

    • Recht, Arbeitsrecht
Ein Arbeitszeugnis muss zugleich wahr und wohlwollend sein. Dass Arbeitnehmende Änderungen verlangen, ist kein Einzelfall.

Urteil

Nach Zoff um Arbeitszeugnis Schlussformel gestrichen – zu Recht?

Mitarbeiter haben kein Recht auf gute Wünsche im Arbeitszeugnis. Ob Chefs sie nachträglich streichen dürfen, entschied das Bundesarbeitsgericht.

    • Personal, Recht, Arbeitsrecht
Privater Chat mit Kollegen bei Whatsapp: Laut Bundesarbeitsgericht ist die Kommunikation nicht immer vertraulich.

Personal

Hetze gegen den Chef im Whatsapp-Chat: Kündigung möglich

Wie privat ist der Austausch von Mitarbeitenden in einer Whatsapp-Chatgruppe? Das Bundesarbeitsgericht hat diese Frage jetzt mit einem Grundsatzurteil beantwortet.

    • Personal, Recht, Arbeitsrecht