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Traurig und antriebslos ist jeder mal: Das ist aber noch keine Depression. Eine Psychologin verrät, was typische Warnsignale für die psychische Erkrankung sind.

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Depressionen: Wie man sie erkennt und richtig handelt

Eine Depression ist eine ernsthafte Erkrankung. Psychologin Sandra Jankowski verrät im Interview, was typische Symptome sind und was Betroffene tun können.

  • Es gibt verschiedene Warnzeichen, die auf eine Depression hinweisen können. Dazu gehören zum Beispiel gedrückte Stimmung, Schlafstörungen und Suizid-Gedanken.
  • Professionelle Hilfe können sich Betroffene bei Hausärzten holen. Aber auch Psychiater, ambulante Psychotherapieeinrichtungen oder die telefonische Seelsorge können in Krisen weiterhelfen.
  • Kollegen und Angehörige können die Erkrankten unterstützen, indem sie sich solidarisch zeigen, die Krankheitssymptome ernst nehmen und bei der Suche nach einer Lösung helfen.
  • Es bedarf vieler Faktoren, damit eine Depression ausbricht. Auslöser ist in der Regel eine besondere oder länger anhaltende Stressbelastung.

Eine Depression kann jeden treffen – auch Handwerksunternehmer, die erfolgreich einen Betrieb führen. Doch welche Symptome sind typisch für diese Krankheit, was ist der Auslöser für eine Depression und was können Betroffene im Krisenfall tun? Antworten kennt Psychologin Sandra Jankowski. Sie führt eine Therapiepraxis in Eichwalde bei Berlin und ist Mitglied im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen.

Depression oder nicht? Das sind typische Symptome!

Was sind typische Anzeichen, die auf eine Depression hindeuten?

Sandra Jankowski: Eine Depression entsteht schleichend. Es fängt meist mit trauriger, gedrückter Stimmung an. Und Betroffene ziehen sich mehr und mehr zurück. Typische Warnsignale sind auch Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, Denkstörungen, Suizid-Gedanken sowie gesteigerter oder geminderter Appetit. Depressive verlieren zudem häufig ihr Selbstvertrauen, neigen zu Scham- oder Schuldgefühlen und fühlen eine große innere Leere.

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Wie sich Betroffene professionelle Hilfe holen können

Traurig ist jeder mal: Wann besteht aus Ihrer Sicht Handlungsbedarf?

Jankowski: Mal ein, zwei Tage in gedrückter Stimmung sind ganz normal. Wenn eine solche Phase aber mehr als zwei Wochen andauert, sollten Betroffene professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Eine gute erste Anlaufstelle sind Hausärzte, weil die ihre Patienten in der Regel gut kennen und die Situation daher meist gut einschätzen können.

Zudem können sie auch abklären, ob es eine körperliche Ursache für das Stimmungstief gibt. Denn das ist durchaus möglich. Zum Beispiel können bei einer Schilddrüsenfehlfunktion ähnliche Symptome auftreten wie bei einer Depression.

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Gibt es auch Situationen, in denen sofortiges Handeln notwendig ist?

Jankowski: Ja. Bei Suizidgedanken oder wenn die Betroffenen extrem unter der Situation leiden, sollte umgehend professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden. Mögliche Ansprechpartner sind auch hier Hausärzte, aber auch Psychiater, ambulante Psychotherapieeinrichtungen oder die telefonische Seelsorge können Betroffenen weiterhelfen.

Psychologin Sandra Jankowski
Foto: Sandra Jankowski
Laut Psychologin Sandra Jankowski bedarf es vieler Faktoren, damit eine Depression ausbricht.

Termine bei Psychologen und Psychiatern fallen meist in die Arbeitszeit, was Betroffene oft nicht möchten. Gibt es Alternativen?

Jankowski: Die Krankenkassen bieten für Menschen mit Depressionen inzwischen Online-Kurse an, zum Beispiel auf der Plattform selfapy.com. Voraussetzung für die Teilnahme ist ein Rezept von einem Arzt oder einem Psychotherapeuten. Es gibt aber auch noch andere Angebote, daher lohnt es sich für Versicherte bei der Krankenkasse nachzufragen.

So können Angehörige und Kollegen den Erkrankten helfen

Was können Chefs, Kollegen und Angehörige tun, um depressive Kollegen zu unterstützen?

Jankowski: Aussagen wie „Ist doch alles nicht so schlimm!“, „Das wird schon wieder.“ oder „Stell dich nicht so an.“ werden oft benutzt, um aufzumuntern. Doch das hilft Betroffenen nicht, im Gegenteil: Depressive Menschen leiden so schon unter ihrer Krankheit. Durch solche Aussagen fühlen sie sich meist noch zusätzlich unter Druck gesetzt. Besser ist es daher, wenn Angehörige, aber auch Kollegen und Chefs, Solidarität zeigen, die Krankheitssymptome ernst nehmen und bei der Suche nach einer Lösung helfen.

Wie kann das konkret aussehen?

Jankowski: Wenn Sie merken, dass es jemanden nicht gut geht, thematisieren Sie das und fragen Sie konkret nach, wie Sie unterstützen können. Schafft es jemand nicht, alleine zum Arzt zu gehen, können Sie zum Beispiel eine Begleitung anbieten.

Zusammenhang zwischen Depressionen und der Corona-Pandemie

Wie kommt es zu einer Depression?

Jankowski: Psychische Störungen entstehen in der Regel, wenn Menschen mit einer genetischen Disposition [Veranlagung für bestimmte Krankheiten, Anm. der Redaktion] einer besonderen oder länger andauernden Stressbelastung ausgesetzt sind und sie diesen Zustand nicht mehr bewältigen können.

Was ist mit Corona: Gibt es durch die Pandemie mehr psychische Erkrankungen?

Jankowski: Durch die Pandemie ist vieles neu für uns. Ständig ändert sich etwas und wir müssen uns immer wieder auf neue Regeln einstellen. Manche Menschen empfinden das als ständige Bedrohung. Diese Belastung kann eine Depression auslösen. Es bedarf aber vieler Faktoren, damit eine Depression ausbricht. Corona kann daher nur ein Auslöser aber nicht die Ursache für eine Depression sein.

Wie kann man sich vor einer Depression schützen?

Jankowski: Es gibt einige Schutzfaktoren. Dazu gehört guter sozialer Rückhalt durch Familie, Freunde, und die Arbeit. Schutz bieten aber auch Hobbies, eine gute Finanzlage und nicht zu hohe moralische Anforderungen an sich selbst. Durch all diese Faktoren bauen Menschen Resilienz auf und das kann ihnen helfen, Krisen im Leben standzuhalten.

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