Malermeister Sven Opitz musste "Überzeugungsarbeit" leisten.
Foto: Heiner Siefken

Panorama

Handwerkeralltag skurril: Mangel um Punkt 18 Uhr

Neue Anekdote aus der Welt der besonders kritischen Auftraggeber: Ein niedersächsischer Kunde hat eine „kleine Macke“ in der Arbeit eines Malermeisters entdeckt, der Mangel ist allerdings nur unter speziellen Bedingungen reproduzierbar. Unter ganz speziellen Bedingungen.

Auf einen Blick:

  • Malermeister Sven Opitz berichtet über die skurrile Beschwerde eines Kunden.
  • Damit der Makel im Anstrich sichtbar wird, müssen fünf Faktoren gegeben sein.
  • Durch „Überzeugungsarbeit“ konnte Opitz den Kunden dennoch zufriedenstellen.

Sven Opitz ist der junge Chef einer alteingesessenen Firma, den Malerbetrieb Klockenbrink gibt es seit mehr als 100 Jahren. 9 Mitarbeiter bedienen im niedersächsischen Melle vor allem Stammkunden. Die Frage nach schrägen Erlebnissen mit Auftraggebern beantwortet der Malermeister zunächst mit einem Achselzucken: „Die Leute wissen, was sie an uns haben.“

Aber dann fällt es ihm wieder ein. Doch, es gab diesen einen Fall, der ihn tatsächlich Nerven gekostet hat.

Makel nur aus den Augenwinkeln wahrnehmbar

Opitz und sein Team hatten eine Wohnung gestrichen, die komplett neu renoviert worden war. Nach einigen Wochen rief der Auftraggeber an, es gäbe ein Problem mit der Decke des Wohnzimmers. Was für ein Problem? Das sei schwer zu erklären, Opitz müsse sich das ansehen.

Es stellte sich heraus, dass der Mann den Makel nur sehen konnte, wenn

  • er abends um 18 Uhr auf dem Sofa lag
  • die Jalousie halb heruntergelassen war
  • der Deckenfluter angeschaltet war
  • er den Kopf in einem bestimmten Winkel zum Fernseher gedreht hatte
  • und er dann aus den Augenwinkeln die Decke betrachtete

Als Opitz den Kunden das erste Mal nach dem Telefonat aufsuchte, war es 16 Uhr, das Malheur war nicht sichtbar: „Kommen Sie bitte in zwei Stunden wieder.“ Also hat sich der Malermeister um Punkt 18 Uhr auf das Sofa des Auftraggebers gelegt: „Es stimmte, da war etwas, eine ganz kleine Stelle, eine Delle.“

Womöglich hatte der Trockenbauer die Decke nicht hundertprozentig gespachtelt, sagt Opitz, so sei dieses „Streiflichtproblem“ wahrscheinlich entstanden: „Kaum wahrnehmbar – und überhaupt nur unter den speziellen Faktoren.“

Handwerk ist immer noch von Hand gemacht

„Es gibt Maschinen, die uns bei unserer Arbeit unterstützen, aber wir sind keine Maschinen.“ Das ist der Satz, den Opitz dem Kunden näherbringen musste: „Wir haben uns diverse Male darüber unterhalten, das war echte Überzeugungsarbeit – irgendwann hat er mich verstanden.“

„Handwerk ist immer noch von Hand gemacht“, sagt Opitz, „nicht jede Arbeit kann tausendprozentig perfekt sein, das liegt in der Natur der Sache.“ Die meisten Kunden wüssten das.

Allerdings gäbe es auch immer mal wieder die Kandidaten, die nur einen Polo bezahlen wollten oder könnten, aber einen Mercedes erwarteten. Und wie würde Opitz seinen Wunschkunden beschreiben? „Das ist jemand, der einerseits weiß, was er will, der sich andererseits aber auch beraten lässt und Lust auf etwas Neues hat, auf Farben, auf Spachteltechniken, auf Kreativität.“

So etwas hat natürlich seinen Preis. „Das stimmt“, sagt Opitz, „ein Wunschkunde freut sich über gute und ungewöhnliche Arbeit, sie ist ihm etwas wert.“ Und das seien die Kunden, die auch gleich ganz anders mit den Mitarbeitern umgehen würden – die Stimmung aller Beteiligten sei dann einfach viel besser.

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