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Panorama

„Der sitzt!“: 5 Tipps für Schlagfertigkeit im Geschäftsleben

Mit Schlagfertigkeit zeigen Sie unfairen Angreifern gekonnt „Flagge“. Das ist wichtig für Ihr Geschäft: 5 Tipps, wie Sie sich Respekt verschaffen.

Auf einen Blick:

  • Schlagfertigkeit ohne Hektik: Sie können sich Zeit für Ihre Antwort nehmen.
  • Auch Schweigen ist eine Schlagfertigkeits-Technik.
  • Harte Konter belasten die Beziehung zum Gegenüber.
  • Bei der „Schreiben Sie’s auf-Methode“ von Dieter Hallervorden kommt es auf die Körpersprache an.
  • Das „komische Theater“ verwirrt den Gegner, erfordert aber Schauspieltalent.

Inhaltsverzeichnis

Wenn Ihnen bei unfairen Angriffen öfter mal die Worte fehlen, bietet Schlagfertigkeit Abhilfe. Merken Sie sich zwei bis drei Antworten. Zwei Rhetorik-Trainer geben Tipps, die garantiert funktionieren: Uwe Hermannsen, Inhaber des Weiterbildungsinstituts „Hermannsen-Concept“ aus Münster und der Idsteiner Redner, Autor und Coach Gero Teufert.

Tipp Nr. 1: Sie haben alle Zeit der Welt

Die meisten Menschen denken, Schlagfertigkeit habe etwas mit Schnelligkeit zu tun. Uwe Hermannsen sieht das ganz anders: „Der britische Staatsmann Winston Churchill war sehr wortgewandt. Bevor er jedoch antwortete, nahm er immer einen tiefen Zug aus der Zigarre.“ Er fügt hinzu: „Nehmen auch Sie sich die Reaktionszeit, die Sie benötigen.“ Wichtig ist in der Redepause der feste Blickkontakt zum Angreifer. Hermannsen: „Senken Sie auf keinen Fall den Blick. Das ist eine Unterwerfungsgeste.“

Auch Gero Teufert bevorzugt bei Angriffen eine ruhige, gelassene Reaktionsweise: „Häufig nehmen wir Kritik an unserer Arbeit persönlich.“ Plötzlich stehe etwas anderes im Blick als die Leistung. „Die Diskussion wird hitzig. Denken Sie vor einer unbedachten Antwort daran, dass es um die Sache geht.“ So sei es einfacher, gelassen auf die Punkte zu reagieren, die in der Kritik genannt wurden.“

Tipp Nr. 2: Eine schlagfertige Antwort kann auch ohne Worte erfolgen

Neben mündlichen schlagfertigen Antworten gibt es auch Varianten ohne Worte, unterstreicht Hermannsen. „Das Schweigen ist eine wirkungsvolle Schlagfertigkeits-Technik.“ Hinzu komme nämlich noch die passende Körpersprache, insbesondere die Mimik. „Unser Gesichtsausdruck setzt sich aus unzähligen kleinsten Muskelbewegungen zusammen. Ergänzt wird alles durch Gestik und Körperhaltung. Damit können wir ohne Worte extrem viel ausdrücken.“

Als Beispiel nennt er einen Elektro-Installateur, dessen Kunde immer wieder von „Wucherpreisen“ spricht. „Der Handwerker blickt daraufhin dem Kunden ruhig in die Augen, zuckt die Achseln und wendet sich wieder seinen Strippen zu.“ Weitere Kunden-Angriffe seien damit wahrscheinlich unterbunden.

Tipp Nr. 3: Ob Sie zart oder hart kontern, hängt vom Gegenüber ab

Es gibt unterschiedlich harte Techniken für Schlagfertigkeit. Als Beispiel für eine weiche Reaktion nennt Rhetorik-Spezialist Gero Teufert die Bitte um mehr Informationen. „Behauptet ein Kollege, Sie würden auf der Baustelle nur Dreck machen, fragen Sie, worauf genau er sich bezieht.“ Dann sei der andere wieder am Zug. „Bei unfairer Kritik können Sie klare Kante zeigen. Das ist dann eine harte Reaktion.“

Teufert sieht jedoch bei solchen Wortgefechten Streit-Gefahr. Das sei insbesondere vor und mit Kunden ein Risiko. „Für den Auftragsverlauf ist gute Stimmung auf beiden Seiten ein Vorteil. Deshalb schauen Sie besser, dass Sie schnell auf die sachliche Basis zurückkehren.“ Auch Hermannsen gibt zu bedenken: „Sie verletzen den Angreifer mit einem harten Konter. Dann ist zwar Ruhe, doch die Beziehung ist nachhaltig geschädigt.“

Hermannsen empfiehlt: "Fragen Sie sich jeweils, wer der Angreifer ist. Spielt er in Ihrem Umfeld eine wichtige Rolle, gehen Sie besser auf die Sachebene." Von harten Wortgefechten mit Chefs oder Auftraggebern rät er ab. Anders sieht er es bei unfairen Angreifern, zu denen kein Abhängigkeitsverhältnis besteht. „Es geht bei fieser Kritik darum, Sie herabzusetzen. Dagegen sollten Sie sich mit einer passenden Antwort wehren.“

Tipp Nr. 4: Eine Dieter-Hallervorden-Technik: „Schreiben Sie’s auf!“

Eine von vielen Schlagfertigkeitstechniken, die immer funktioniert, geht auf den Komiker Dieter Hallervorden zurück. Sie bitten den Kritiker nach seinem Angriff: „Schreiben Sie's auf, ich beschäftige mich später damit.“

Hermannsen betont, bei diesem Kniff komme es auf die körpersprachlichen Signale an. Durch sie werde die Wirkung gesteuert. „Sagen Sie es lächelnd und mit einem Augenzwinkern, geht es in Richtung Humor. Ganz anders schlägt die Antwort natürlich durch, wenn Sie den anderen arrogant mustern und eine abfällige Geste dazu machen.“

Tipp Nr. 5: Das „komische Theater"

Eine Reaktion, mit der Sie Ihren Angreifer garantiert verwirren, ist das „komische Theater“. Dazu gehört Schauspieltalent. Sie müssen in der Lage sein, einen todernsten Gesichtsausdruck zu wahren. Uwe Hermannsen: „Merken Sie sich irgendein bekanntes Zitat.“ Komme es zu einer Kritik – vielleicht vor versammelter Mannschaft – sei zunächst eine selbstbewusste Körperhaltung gefragt.

Dann komme die Einleitung mit fester, lauter Stimme: „Dazu will ich Ihnen ganz klar etwas mit auf den Weg geben.“ Wahrscheinlich herrsche nach dieser Ansage gespannte Stille. Dann komme der krönende Abschluss – Ihr Zitat oder ein Satz wie: „Auch in Ulm fallen die Blätter von oben nach unten.“ Hermannsen: „Dem anderen fällt dann wohl der Kiefer nach unten, weil er keinen Zusammenhang erkennt. Den gibt auch nicht. Sie tun nur so, als gebe es einen.

Hermannsen hat noch einen Hinweis: Reagiere der Angreifer mit: „Das hat doch mit meinem Einwand nichts zu tun“, so sollten Sie antworten: „Ich habe mir gedacht, dass Sie den Hinweis nicht verstehen.“ Oder der andere frage: „Was hat denn das mit meiner Kritik zu tun?“ Hier sei die passende Reaktion: „Denken Sie mal scharf nach.“ Er fügt hinzu: „Anschließend gehen Sie wieder zum Inhalt Ihres Gesprächs zurück. Als wenn nichts passiert wäre.“

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