6.000 Euro weniger: Bei Wärmepumpen beträgt die maximale Förderung jetzt 24.000 Euro.
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6.000 Euro weniger: Bei Wärmepumpen beträgt die maximale Förderung jetzt 24.000 Euro.

Politik und Gesellschaft

Die 5 wichtigsten Fakten zur Reform der Gebäudeförderung

Der Bund will künftig vor allem Sanierungen fördern. Doch dafür gibt es ab sofort weniger Geld. Warum macht der Bund das und was sagt das Handwerk dazu?

Auf einen Blick:

  • Der Bund will mehr Bauherrn dazu bewegen, energetisch zu sanieren. Angesichts knapper Kassen soll das durch die Kürzung der Fördersätze gelingen.
  • Die neuen Förderregeln werden stufenweise eingeführt. Zum 28. Juli wurde bereits die Förderung für Komplettsanierungen geändert, ab Mitte August kommen die neuen Förderbedingungen bei Einzelmaßnahmen.
  • Manche Förderungen hat der Bund komplett gestrichen. Dazu gehört zum Beispiel die EH-100-Sanierung oder den Einbau von hybriden Gasheizungen.
  • Das Handwerk sieht die neue Gebäudeförderung kritisch: Sie setze falschen Anreize.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) richtet die Gebäudeförderung neu aus und legt damit den Fokus auf die energetische Sanierung: Bis zu 14 Milliarden Euro pro Jahr will dafür künftig bereitstellen. Für Immobilienbesitzer und Handwerker sind das keine guten Nachrichten: Sowohl bei Einzelmaßnahmen wie auch bei Komplettsanierungen sollen die Fördersätze deutlich sinken.

1.    Warum das neue Förderprogramm?

Mit dem neuen Förderprogramm möchte das Bundeswirtschaftsministerium (BMWK) möglichst viele Menschen erreichen, damit „sie Energiefresser wie alte Fenster, Türen und Gasheizungen austauschen, Häuser und Wohnungen sanieren“.

Diesen Schritt begründet das Ministerium mit der angespannten Lage bei der Energieversorgung sowie der Zuspitzung der Klimakrise. „Beides erhöht die Dringlichkeit, auch im Gebäudebereich fossile Technologien zügig zu ersetzen und einen höheren Fokus auf erneuerbare Energien und Energieeffizienz zu legen“, sagt Wirtschaftsminister Robert Habeck.

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2.    Was ändert sich?

Die neuen Förderrichtlinien sind Ende Juli im Bundesanzeiger veröffentlicht worden. Sie treten in gestufter Reihenfolge in Kraft:

  • Stufe 1: Seit dem 28. Juli 2022 greifen die neuen Förderbedingungen für Anträge auf Komplettsanierungen bei der staatlichen Förderbank KfW.
  • Stufe 2: Vom 15. August an gelten die neuen Förderregeln für die Antragsstellung bei Einzelmaßnahmen. Sie müssen dann beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) eingereicht werden.
  • Stufe 3: Die Neubauförderung soll zu einem späteren Zeitpunkt umgestaltet werden. Bis Jahresende soll das Programm EH 40 vorerst weiterlaufen.

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3.    Was bedeutet das finanziell?

Mit der Reform werden alle Fördersätze um 5 bis 10 Prozentpunkte gesenkt. Die Absenkung sei laut BMWK notwendig, um möglichst vielen Bürgern „den Zugang zu Förderung zu ermöglichen“. Aus Sicht des Ministeriums „bleiben die Fördersätze weiterhin auf einem hohen Niveau“. Zudem machten steigende Energiepreise Investitionen in höhere Effizienz grundsätzlich schneller rentabel.

Das BMWK liefert drei Beispiele, was die Neuerungen für Immobilienbesitzer finanziell bedeuten:

  • Beispiel Komplettsanierung: Früher gab es bis zu 75.000 Euro, jetzt liege die maximale Förderung für eine Komplettsanierung bei 67.500 Euro.
  • Beispiel Wärmepumpe: Früher hätten Bauherren ein Förderung von bis zu 30.000 Euro bekommen, nach der Reform seien es bis zu 24.000 Euro.
  • Beispiel Fenstertausch: Bislang gab es für den Fenstertausch eine Förderung von bis zu 15.000 Euro. Mit der geänderten Förderrichtlinie seien bis zu 12.000 Euro an Förderung möglich.

4.    Was wird nicht mehr gefördert?

Mit der Neuausrichtung des Förderprogramms fallen laut BMWK auch einige Förderungen weg. Das treffe zum Beispiel:

  • die EH-100-Sanierung
  • den Einbau von hybriden Gasheizungen (Förderung von Renewable-Ready- und Gashybridheizungen)
  • den iSFP-Bonus für Anlagen zur Wärmeerzeugung

Zudem werde die Kreditförderung für Einzelsanierungsmaßnahmen bei der KfW gestrichen. Grund dafür sei die geringe Nachfrage.

5.    Was sagt das Handwerk zur Reform?

Das Handwerk reagiert mit Kritik auf neuen Förderbedingungen. „Es ist zwar richtig, angesichts von Energiekrise und Klimawandel auf die Sanierung des Gebäudebestands zu setzen“, sagt Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer vom Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB). Doch der eingeschlagene Weg sei falsch: Eigentümer bräuchten eine höhere Förderung anstelle einer niedrigeren. Die bisherige Sanierungsquote von rund einem Prozent sei zu niedrig, so Pakleppa. Er prognostiziert, dass mit den neuen Förderbedingungen künftig weniger saniert wird.

Der Zentralverband des Dachdeckerhandwerks (ZVDH) sieht das ähnlich. Die Änderungen bei der Gebäudeförderung gingen in die „komplett falsche Richtung“. Mit Blick auf die steigenden Bauzinsen, die unkalkulierbaren Lebenshaltungskosten und die Unsicherheit bei den Energiepreisen, sieht der Verband in den sinkenden Fördersätzen für energetische Sanierungsmaßnahmen wenig Anreiz für Bauherren.

Kritik im kommt auch vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH): „Die kurzfristigen Änderungen der Gebäudeförderung bedeutet für Handwerksbetriebe und Auftraggeber eine erhebliche Verunsicherung“, sagt Generalsekretär Holger Schwannecke. Ohne Not werde das Vertrauen in Förderangebote beschädigt, die für die Umsetzung der Energiewende wichtig sind.

Der ZDH sieht das Handwerk vor einer Herkulesaufgabe: Es müsse die Transformation des Landes umsetzen – trotz großer Fachkräftelücke, Materialengpässen und Lieferkettenstörungen sowie enormer Energiepreissteigerungen. „Das kann nur funktionieren, wenn wir die volle Rückendeckung der Politik haben“, betont Schwannecke. Dazu gehöre auch Verlässlichkeit und Planbarkeit in der Förderpolitik.

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