Schützen können Sie sich durch Einsicht.
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Strategie

Achtung Denkfehler: Diesen Fallen sollten Sie als Chef ausweichen!

Menschen neigen zu falschem Denken, auch Chefs im Handwerk: Ein junger Nachfolger neigt zur Selbstüberschätzung? Und ein Meister gilt als Experte, weil er beim Billigeinkauf Glück hatte? Denkfehler! Und vor denen können Sie sich schützen!

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Häufige Denkfehler wie Selbstüberschätzung, Konservatismus, Mitläufereffekt oder auch Ergebnisverzerrung können negative Auswirkungen auf Ihre Entscheidungen, Ihr Image und die Existenz Ihres Betriebes haben.
  • Gegen fast jeden dieser Denkfehler können Sie sich bewusst wappnen, wenn Sie ihn kennen und seine Folgen verstehen.
  • Vorsorge: Wenn Ihnen bewusst ist, dass auch Sie Denkfehler machen können, ist das der erste Schritt in die richtige Richtung.

Denkfehler heißen in der Wissenschaft “kognitive Verzerrungen“. Wir sind davon regelmäßig betroffen, ohne es zu merken. Wichtige „blinde Flecke“ und wie Sie sich davor schützen können, beschreiben zwei Psychologie-Professoren: Eva Lermer von der FOM Hochschule für Oekonomie und Management und Peter Fischer von der Universität Regensburg. Beide geben gleich zu Anfang einen beruhigenden Hinweis: Am besten hilft gegen Denkfehler die Einsicht, dass man selbst von ihnen betroffen sein kann.

# Denkfehler Nr. 1: Selbstüberschätzung - der Star im eigenen Film

Nach Ansicht von Eva Lermer gehört die Selbstüberschätzung zu den verbreiteten Denk-Fehlern: „Nahezu jeder Mensch hält die eigene Sicht der Dinge für richtig. Problematisch ist es jedoch, wenn wir unsere Kompetenzen überschätzen und keinerlei Infragestellung der eigenen Ansichten zulassen.“

Als Beispiel nennt sie einen jungen Meister, der einen Betrieb übernimmt. „Er glaubt, ein sicheres Gespür für die unterschiedlichsten unternehmerischen Entscheidungen zu haben. Die Erfahrungen des Ex-Chefs oder auch die der Mitarbeiter zählen nicht für ihn.“ Die Psychologin warnt: „Es drohen schlimme Fehler durch diese Art der Selbstüberschätzung.“ Und die treffen dann auch die Belegschaft.

Selbstüberschätzung sei jedoch keine allgemeine Persönlichkeitseigenschaft, sondern meist auf bestimmte Bereiche bezogen. Zur Selbstüberschätzung komme es insbesondere bei Aufgaben, die einer Person leicht erschienen, wie etwa das Autofahren. „Auch das kann schlimm in einem Graben enden.“

Ein Entkommen aus der Denkfalle ist nur durch selbstkritisches Nachdenken möglich. Doch genau daran hapert es, wenn es zur Selbstüberschätzung kommt. Denn Menschen haben laut Lermer wenig Antrieb, sich selbst oder die eigene Meinung zu hinterfragen. Was dagegen hilft? Lermer: „Wer einkalkuliert, dass er selbst trotz fester Überzeugung auch falsch liegen kann, geht den ersten Schritt in die passende Richtung.“

# Denkfehler Nr. 2: Ergebnisverzerrung - gerade noch mal gutgegangen

Peter Fischer erklärt, was sich hinter dem Begriff „Ergebnisverzerrung“ verbirgt: „Es geht darum, einen Sachverhalt vor allem nach seinem Resultat zu bewerten. Der Weg dahin bleibt vollkommen außen vor.“ Als Beispiel nennt er einen Handwerker, der besonders günstiges Material einkauft, in der Hoffnung, es werde schon halten.

Wenn der Werkstoff als Ergebnis tatsächlich diese ungewisse Erwartung erfüllt, klopft sich der Handwerker selbst auf die Schulter. Fischer: „Auch vor anderen steht er als Experte in der Einschätzung der Material-Güte oder als besonders pfiffiger Einkäufer da.“ Dass er vielleicht nur Glück gehabt hat und dass die Entscheidung für Billig-Material in vielen Fällen falsch ist, sieht weder er selbst, noch bemerken es andere in diesem Moment.

Auch im Fall, dass das Material schlecht ist und zu Mängeln bei der Auftragserfüllung führt, greift die Ergebnis-Verzerrung. „Tritt dieses Ergebnis ein, steht der Handwerker zum Beispiel beim Kunden oder vor seinen Mitarbeitern als inkompetent da. Dieselbe Entscheidung führt dann aufgrund des abweichenden Ausgangs zu einer vollkommen anderen Bewertung des Handwerkers“, sagt Fischer.

Der Professor empfiehlt bei riskanten Fragestellungen: Die Entscheider sollten überlegen, was im schlechtesten Fall das Ergebnis ihrer Wahl sein könnte. Zum Handwerker-Beispiel sagt Fischer: „Er muss dann auf dieser Basis eine vernünftige Risikoabwägung treffen. Was passiert, wenn der Werkstoff hält? Und was ist, wenn der Kauf zu Mängeln führt?“ Und genau das wäre ein Merkmal, das einen guten Einkäufer auszeichnet – statt das Glück oder das Pech im Einzelfall.

# Denkfehler Nr. 3: Mitläufereffekt – unbedingt gemocht werden wollen

Unter „Mitläufereffekt“ versteht man die Neigung, besonders erfolgversprechende Dinge prinzipiell für gut zu halten. Eva Lermer nennt ein Beispiel: „Der Inhaber eines Handwerksbetriebs interessiert sich eigentlich gar nicht für Fußball. Doch plötzlich schießt die Mannschaft seines Wohnortes ein Tor nach dem anderen. Alle reden darüber.“ Um dazuzugehören, verfolgt er alle Spiele und jubelt mit.

Lermer: „Seine Bezugsgruppe besteht vielleicht aus Kollegen auf einer Baustelle, Mitarbeitern oder Kunden. Deren Verhalten nimmt er als Leitschnur für den eigenen Außenauftritt.“

Eine andere Art Mitläufer fürchte sich davor, durch Abweichung von Normen unangenehm aufzufallen. „Sie machen ohne Überprüfung das, was alle tun.“ Auch das Stillschweigen bei der Wahrnehmung von Unrecht gehöre dazu. „Der Mitläufer hält den Mund. Er hat Angst, selbst in die Schusslinie zu geraten.“

Eine besondere Gefahr für Führungskräfte wie die Inhaber von Handwerksbetrieben sieht die Psychologin im Verlust von Glaubwürdigkeit, Anerkennung und Respekt. „Wenn Sie häufig ohne weitere Überprüfung die Meinung der Mehrheit übernehmen, gelten Sie bei Ihren Mitarbeitern und vielleicht über ihre Belegschaft hinaus als Mensch ohne Rückgrat.“ Ihr Tipp: „Stellen Sie sich selbst öfter einmal die Frage, weshalb genau Sie eine Meinung vertreten.“

# Denkfehler Nr. 4: Konservatismus – „Das haben wir immer so gemacht!“

Wenn ein Chef stets nur das tut, was früher funktioniert hat, fährt der Betrieb irgendwann gegen die Wand. Eine Ursache für dieses Verhalten kann so genannter „Konservatismus“ sein. Fischer: „Er gibt neuen Informationen zu wenig Gewicht. Stattdessen verfestigt er seine vorher gefasste eigene Meinung.“

Dahinter steckt dem Psychologen zufolge oft die Angst vor Unbekanntem. „Entscheidungen mit ungewissen Konsequenzen sind unangenehm. Man möchte lieber in seiner Sicherheits-Zone bleiben. Das aber kann gefährlich werden.“ Er nennt ein Beispiel: „Medien und Arbeitsprozesse ändern sich durch die Digitalisierung.“ Deshalb berge etwa das Festhalten an alten Vorgehensweisen die Gefahr, abgehängt zu werden.

Noch mehr Denkfehler, die Ihrem Betrieb schaden können finden Sie hier:

https://www.handwerk.com/so-vermeiden-sie-denkfehler-als-chef

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