Foto: Denny Gille

Digitalisierung + IT

Digitalisierung: Mehr Zeit für Handarbeit

Digitale Prozesse und lockere Mitarbeiterführung sind bei Artfischer selbstverständlich. So schafft das Unternehmen die Freiräume für seine wichtigste Aufgabe: individuelle Möbel für exklusive Kunden bauen.

Auf einen Blick

  • Digitalisierung im Büro, Handarbeit in der Werkstatt. So arbeitet die Tischlerei Artfischer.
  • Für ortsunabhängige Einblicke in alle Projekte sorgen digitale Pinnwand, Cloud und Server.
  • Effizient arbeitet das Unternehmen auch, weil das Team viele Freiheiten genießt und eigenverantwortlich handelt.

Nur ein paar Handgriffe, dann läuft der große Bandschleifer. Björn Fischer manövriert eine massive Eichentischplatte in ruhigen Bewegungen unter dem laufenden Schleifband, variiert immer wieder den Druck auf das Holz, bis er eine ebenmäßige Oberfläche herausgearbeitet hat.

Mit alten Maschinen kennt sich der Tischlermeister aus. Und er setzt bei der Fertigung ganz gezielt auf Handarbeit. Vor drei Jahren hat sich Björn Fischer mit der Tischlerei Artfischer selbstständig gemacht. Heute zählt das Unternehmen sechs Mitarbeiter. Spezialität: maßgefertigte Möbel wie Küchen, Schränke und Tische. „Wir verzichten bewusst auf computergesteuerte Maschinen“, erzählt Fischer. Zur Werkstattausstattung in Steinhude gehören analoge Geräte wie Tischkreissäge, Bandschleifer und Vertikalbohrer.

Kunst trifft Handwerk

Das passt zum Verständnis des Meisters von seiner Arbeit: „Mich reizt die Verbindung von Kunst und Handwerk“, sagt Fischer, der sich vor seiner Meisterzeit in der Szene für Objektkunst und Skulpturen einen Namen gemacht hat. Die Kunst lehre den Blick dafür, wie man Spannung aufbaut, erzählt Fischer, „und das beeinflusst den Möbelbau.“ Was bedeutet das in der Praxis? Da geht es um Wahrnehmung. Die Möbel sollen mit den Räumen eine Einheit bilden. „Wenn jemand so einen Raum das erste Mal betritt, soll er das Gefühl haben, dass es genau so aussehen muss“, sagt Fischer.

Dabei ist erlaubt, was Spaß macht. Fischer setzt auf traditionelle und moderne Materialien wie Massivholz, Kunststoff und Echtmetalllackierungen. Und außerdem: viel Zeit. So können die Kundengespräche über mehrere Termine verteilt durchaus einen Arbeitstag einnehmen, bis die perfekte Lösung gefunden ist.

Digitalisierung schafft Freiraum

Diese Arbeitsweise der Tischlerei kostet Zeit. Da ist es wichtig, den Aufwand überall dort zu reduzieren, wo es möglich ist. Dabei setzt Artfischer konsequent auf digitale Helfer. Das fängt bei der Mobilität des Arbeitsplatzes an. Das Hauptbüro liegt in Garbsen. Hier kümmert sich Lebensgefährtin Gebkea Nieter um bürokratische Belange und organisiert die Social-Media-Aktivitäten des Betriebs nebst eigenem Blog. Alle Dokumente, E-Mail-Verkehr und Projektskizzen sind jederzeit gleichzeitig online erreichbar, entweder über die Cloud oder den eigenen Server. „Ich kann mir mein Büro in jedem Hotelzimmer einrichten“, sagt Björn Fischer.

Vor Ort beim Kunden fertigt der Unternehmer die Projektskizzen auf dem Tablet-PC an. „Zum Teil direkt in ein Foto des Raumes“, sagt Fischer. Auch das Aufmaß wird am Tablet erstellt. Die exakte Konstruktion der Möbel fertigt der Meister im CAD-Programm an.

Notizen, Skizzen und CAD-Daten bekommen einen eigenen Platz in der Cloud. Sie sind den einzelnen Projekten auf einer digitalen Pinnwand namens Trello zugeordnet. „So behalte ich den Überblick über alle laufenden Projekte“, sagt Fischer. Und nicht nur er: Auch die Mitarbeiter haben elektronischen Zugriff auf die Projekte. Während der Bearbeitung des Auftrags können sie die vereinbarten Arbeitsschritte hier nach und nach abhaken. So ist der Chef auf einen Blick über alle Fortschritte informiert.

Auf digitale Hilfe setzt Fischer auch bei der Zeiterfassung. „Gestempelt wird per App auf dem Smartphone“, sagt der Unternehmer.

Mitarbeiter mit Freiheiten

Um bei allen Projekten ohne Reibungsverluste voranzukommen, überlässt Björn Fischer seinen Mitarbeitern viel Verantwortung und Freiraum. „Jeder ist ein Stück weit sein eigener Herr“, sagt er. Fischer arbeite oft bis spät Abends und stehe dann nicht um sieben Uhr in seiner Werkstatt. „Und das verlange ich auch nicht von meinen Mitarbeitern.“ Anwesenheits- und Anmeldepflichten gibt es für die Werkstatt nicht. Der Unternehmer setzt darauf, dass sich sein Team selbst abspricht, um ein Projekt beim Kunden so schnell und sauber wie möglich abzuschließen.

Das funktioniert. Der Unternehmer kann sich voll auf sein Team verlassen. Während die Mitarbeiter Möbel fertigen und montieren, macht Björn Fischer, was er am besten kann: individuelle Möbel entwerfen und den Projekten den letzten Schliff verleihen. „Das Finishing mache ich am liebsten selbst“, sagt der Meister. „Ich habe ein Faible für Oberflächen.“

Video: die digitale Manufaktur

Was rät der Meister zum Start in die Digitalisierung? Den Tipp gibt Björn Fischer im Video ab Minute 0:40.

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