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Bloß nichts verändern! Mitarbeiter, die Digitalisierung ablehnen, haben oft Angst vor Arbeitsverlust oder mehr Kontrolle.

Digitalisierung + IT

Digitalisierung: So nehmen Sie Ihrem Team die Angst

Bei der Digitalisierung im Betrieb erweisen sich oft die Mitarbeiter als Bremsklötze, weil sie Angst vor Veränderungen haben. 3 Tipps, wie Sie sie in Boot holen.

  • Bei der Digitalisierung im Betrieb blockt das Team oft aus Angst vor Jobverlust und mehr Kontrolle oder aus mangelnder Einsicht.
  • Als Chef müssen Sie deshalb Ihre Gründe und die Vorteile der Veränderung für die einzelnen Mitarbeiter gut erklären.
  • Gewöhnen Sie Ihr Team in kleinen Schritten an digitale Veränderungen.
  • Versuchen Sie, die Meinungsführer im Team schon vorab zu überzeugen, um sich wertvolle Unterstützung zu sichern.

Ob digitale Erfassung der Arbeitszeit, Umstellung der Auftragserfassung auf Apps oder digitale Lagerverwaltung: In vielen Handwerksbetrieben geht die Digitalisierung nicht voran, weil das Team mauert. Persoblogger Stefan Scheller, Recruiting-Experte und Gründer des HR-Portals Persoblogger.de, der im Hauptberuf bei der Datev das Personalmarketing verantwortet, kennt die Angst von Mitarbeitern vor Veränderungen. Seine Tipps helfen Ihnen, Ihr Team zu ermutigen und mit ins Boot zu holen.

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Warum blockieren Mitarbeiter Digitalisierung?

Wenn Ihr Team Veränderungen blockiert, ist häufig Angst die Ursache. „Viele Mitarbeiter fürchten, dass ihnen durch Digitalisierung Aufgaben verloren gehen, sie nicht mehr gebraucht werden und schlimmstenfalls ihren Job verlieren“, sagt Scheller. „Vor allem wenn gewohnte Routinetätigkeiten wegfallen, verunsichert das.“

Eine weitere große Angst ist die vor Überwachung. „Manchmal entsteht der Eindruck, dass Mitarbeiter durch Eintragungen in ein digitales System lediglich vom Chef genauer überwacht und kontrolliert werden sollen – das kann Misstrauen hervorrufen“, so Scheller.

Ein zusätzlicher Grund, warum Digitalisierungsprojekte scheitern, sei fehlende Einsicht in die Notwendigkeit. „Wenn das Team denkt, dass die Veränderungen für sie selbst keinen Vorteil bringen, sondern nur eine Laune des Chefs sind, zieht es nicht mit.“

Am schlimmsten sei es, wenn alle drei Gründe zusammenkommen, meint der Persoblogger. Umso wichtiger sei es, Veränderungen gezielt anzugehen und kommunikativ zu begleiten, um Ängsten zu begegnen.

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Tipp 1: Erklären Sie das Ziel, um Angst vor dem Weg abzubauen

Warum wollen Sie Arbeitsabläufe digitalisieren? Sie werden nachvollziehbare Gründe haben. Und die sollten Sie Ihrem Team erklären. „Das Team muss wissen, dass die Digitalisierung nicht nur für den Chef gut ist, sondern für alle“, sagt Scheller. Je konkreter Sie die Vorteile erklären können, desto besser. Stellen Sie klar, dass niemandem gekündigt wird und nicht die Kontrolle der Mitarbeiter das Ziel ist, sondern bessere Abläufe.

Informieren Sie also ausführlich über Ihre Pläne auf einer Teamsitzung. „Bieten Sie Trainings an oder zeigen Lernvideos aus dem Netz“, empfiehlt Scheller. Möglicherweise haben auch die Anbieter der digitalen Lösung Fortbildungen im Angebot. „Je deutlicher Mitarbeiter spüren, dass sich ihr Arbeitsalltag erleichtern wird, desto größer wird die Akzeptanz.“

Tipp 2: Gehen Sie in kleinen Schritten vor

Sie wollen am liebsten den ganzen Betrieb umkrempeln und das in möglichst kurzer Zeit? Dann könnten Sie den einen oder anderen Mitarbeiter auf der Strecke verlieren. „Besser ist es, einen kontinuierlichen Veränderungsprozess zu beginnen, der auf kleine Schritte setzt“, sagt Scheller.

Das hat aus seiner Sicht drei Vorteile:

  1. In einem längeren Prozess gewöhnt sich Ihr Team an Veränderungen, sie werden dann weniger bedrohlich empfunden.
  2. Große Projekte versanden schnell: Vor allem wenn Sie sich als Chef nicht intensiv darum kümmern können. Beim Team bleibt dann hängen: Das klappt sowieso nicht.
  3. Wenn Sie auf mehrere kleine Projekte setzen, können Sie zwischendurch Rückschau halten: Was hat geklappt, was lief nicht so gut? Das Feedback Ihres Teams können Sie für den weiteren Prozess nutzen

Tipp 3: Suchen Sie sich Verbündete

In jedem Team gibt es Alphatiere – sicher auch in Ihrem. Machen Sie sich das zunutze. „Überzeugen Sie zuerst die Meinungsführung, beziehen Sie sie in Planungen ein und setzen Sie sich schon mal mit deren möglichen Bedenken auseinander“, empfiehlt Scheller. Zum einen können Sie so schon erste Überzeugungsarbeit üben und zum anderen haben Sie starke Verbündete an Ihrer Seite.

„Sie brauchen Multiplikatoren, die mitziehen, das macht vieles einfacher“, weiß der Personalexperte aus Erfahrung. „Diese können vom Team ohne Ihre Beteiligung als Chef vertraulich angesprochen werden und in Ihrem Sinne argumentieren.“

Veränderung und neue Routinen brauchen Zeit

Digitalisierung ersetzt in der Regel Routinearbeit. Ihr Team muss mit der neuen Technik alte Arbeitsabläufe verlernen und neue Routinen entwickeln. „Das dauert seine Zeit“, meint Scheller. Es sei einfacher, etwas ganz Neues zu erlernen, als eine viel erprobte Routine umzustellen. „Deshalb sollten Sie sich und Ihrem Team ausreichend Zeit geben und nicht zu schnell aufgeben“, betont der Persoblogger.

Eine Faustregel, wie lange man durchhalten müsse, gebe es nicht, meint der Experte. So gut wie sicher sei aber, dass es zu Anfangsschwierigkeiten kommt: „Davon sollten Sie sich nicht abschrecken lassen. Wenn die neuen Routinen eingespielt sind, endet das sogenannte ‚Tal der Tränen‘ und auch die Produktivität steigt.“

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