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Digitalisierung + IT

Digitalisierung: „Wer da nicht mitschwimmt, könnte bald untergehen.“

Henning Müller ist nach einem Jahr Digitalisierungswerkstatt gut für die Zukunft gerüstet. Und sein Betrieb ist nicht der einzige.

Auf einen Blick

  • Packt die Digitalisierung an: Mit einem neuen ERP-System will Henning Müller die Abläufe in seinem Betrieb stärker digitalisieren.
  • Die Digitalisierungswerkstatt hilft ihm dabei. Ziel des Projekts: Fünf Betriebe erarbeiten sich mit Hilfe von Experten systematisch individuelle Digitalisierungskonzepte.
  • ERP ist erst der Anfang: Mit Hilfe von Studenten will Müller sein Potenzial für neue digitale Geschäftsmodelle untersuchen.

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von Denny Gille

Sie haben ihre Prozesse auf den Kopf gestellt, 222 Qualifizierungsstunden investiert und ihren Betrieb digital aufgerüstet. Henning Müller, Sohn Steffen und Tochter Ramona Bexten sind gestärkt aus dem Projekt Digitalisierungswerkstatt des Kompetenzzentrums Digitales Handwerk hervorgegangen.

„Die Mühe hat sich gelohnt“, resümiert Geschäftsführer Henning Müller. Das 13 Mitarbeiter starke Unternehmen entwickelt und konstruiert unter anderem komplexe Produktionsmaschinen für Gewerbekunden.

Weg mit dem alten ERP-System

Vor einigen Jahren hat das Team von Henning Müller Sondermaschinenbau sich bereits ein sogenanntes Enterprise-Ressource-Management-System zugelegt. Mit solchen ERP-Systemen lassen sich Betriebsressourcen wie Kapital, Personal und Material effektiv planen und steuern. Problem: Das alte System blieb hinter den Anforderungen des Betriebs zurück. Die Zielstellung in der Digitalisierungswerkstatt: “Bei der Anschaffung des neuen ERP-Systems wollten wir dieses Mal nichts dem Zufall überlassen“, sagt Müller.

So war es bisher: „Zurzeit nutzen wir viele Einzellösungen“, erklärt Steffen Müller zu Beginn der Digitalisierungswerkstatt. Er verantwortet im Unternehmen die Produktionsplanung und Fertigung. Einzellösungen, das heißt, die Kalkulation läuft über Excel, das Angebot wird in Word erstellt. Kommt es zum Auftrag, wird der im alten ERP-System angelegt. Die Zeiterfassung der Mitarbeiter läuft über ein paralleles System. Und für die Nachkalkulation zieht sich Henning Müller händisch alle Daten aus den Systemen und trägt sie in eine weitere Excel-Tabelle ein. All diese Schritte soll das neue ERP-System abbilden können.

Wünsche formulieren mit Lastenheft

Hilfe bekam das Unternehmen dafür von Johanna Erlbacher, Expertin für Produktions- und Automatisierungstechnologien von der Handwerkskammer Oberfranken. Betriebsbesuch im niedersächsischen Deensen inklusive. „Wir haben viele Einblicke gewonnen und unsere Anforderungen an ein ERP-System in einem Lastenheft festgehalten“, sagt Henning Müller. In so einem Lastenheft werden die Anforderungen an die Software festgehalten.

Besondere Herausforderung: „Das ERP-System muss es erlauben, dass wir im laufenden Projekt oder nachträglich noch neue Posten hinzufügen können“, sagt Henning Müller. Denn bei den komplexen Aufträgen im Bereich Sondermaschinenbau ändern sich im Laufe eines Projektes häufig kleinere Spezikationen. Dieser Anforderung muss der gesuchte ERP-Hersteller gerecht werden. Henning Müller Sondermaschinenbau wird jetzt Angebote einholen.

Nächster Schritt: digitale Geschäftsprozesse

Die Maschinenbauer strecken ihre Fühler in Sachen Digitalisierung jetzt noch weiter aus. In Kooperation mit Studierenden der Universität Hannover wollen sie ihren Betrieb nach Möglichkeiten für digitale Geschäftsmodelle abklopfen. „Ich kann nur jedem empfehlen, sich stärker mit der Digitalisierung auseinanderzusetzen“, sagt Müller. „Wer da nicht mitschwimmt, könnte bald untergehen.“

Lektionen aus der Umstellung

Insgesamt haben fünf Unternehmen die Digitalisierungswerkstatt abgeschlossen. Ein großer Wurf ist der Norderstädter Kreyenberg GmbH gelungen. Auch der Hersteller von Präzisionsdreh- und Frästeilen wollte sein ERP-System erneuern – und hat es im Verlauf der Digitalisierungswerkstatt sogar komplett umgestellt. Dem großen Ziel, die papierlose Produktion, nähert sich das Unternehmen damit ein gutes Stück an. Größte Herausforderung war es, die Beschäftigten daran zu gewöhnen. Erst sollten sich die Mitarbeiter die Informationen selbst holen, doch da hatte das Tagesgeschäft stets Vorrang, erzählt Kreyenberg-Ingenieur Oliver Haack. Die Lektion: „Wir müssen aktiv schulen.“ Gute Erfahrungen hat das Unternehmen mit der Methode der Metaplankarten gemacht. So bekomme man die Ideen vieler Leute leicht organisiert. „Das werden wir beibehalten“, sagt Haack.

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