Einzelne Software-Bausteine lassen sich laut IT-Dienstleister Mathias Mielitz zu individuellen Digitalisierungslösungen kombinieren.
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Digitalisierung + IT

Einfach basteln: Digitalisierung im Baukastenprinzip

Die Digitalisierung im Betrieb braucht keine riesigen Softwarelösungen, sagt dieser Softwareentwickler. Er rät stattdessen zu mehr Kreativität.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Zeit zu basteln: Statt mit großen, teuren Software-Lösungen alle Probleme auf einmal lösen zu wollen, rät Softwareentwickler Mathias Mielitz zu kleinen Software-Bausteinen, die sich untereinander kombinieren lassen.
  • Stupide Arbeit für dumme Maschinen: Auch bei der Software-Lösung nach dem Baukastensystem werden zunächst die Prozesse im Unternehmen analysiert. Insbesondere häufig wiederkehrende Aufgaben, die immer nach dem gleichen Schema ablaufen, könnten dann automatisiert werden.
  • Drei Beispiele: Mielitz erklärt, wie man nach dem Baukastensystem Kunden automatisch über die Abfahrt informieren kann, Zeiten dokumentiert und Engpässe im Lager verhindert.

Kundendaten, Rechnungen, Arbeitszeiten, Materialflüsse – theoretisch können alle Prozesse in einem Unternehmen über eine einzige große Software organisiert werden. In der Praxis aber stößt diese Idee auf schwer überwindbare Hürden. Aus mehreren Gründen:

  • Kosten: Je individueller eine Software auf einen Betrieb zugeschnitten wird, desto teurer wird sie.
  • Aufwand: Um alle Unternehmensprozesse auf einen Schlag abzubilden, braucht es einen sehr detaillierten Anforderungskatalog, dessen Erstellung viel Zeit in Anspruch nimmt.
  • Flexibilität: Kommen mit der Zeit neue Anforderungen hinzu, lässt sich eine individuell zugeschnittene Software oft nicht ohne Weiteres anpassen.

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Der Softwareentwickler und IT-Dienstleister Mathias Mielitz favorisiert daher ein alternatives Digitalisierungskonzept. Statt seinen Kunden große Softwarepakete maßzufertigen, schlägt er kleine, kostengünstige Programme vor, die sich in einer Art Baukastensystem frei zu einer individuellen Lösung zusammenstellen lassen.

„Durch bestimmte Schnittstellensoftware lassen sich viele Programme inzwischen so kombinieren, dass sie miteinander kommunizieren und Daten austauschen können“, sagt Mielitz. Weil das im Regelfall sogar ohne Programmierkenntnisse funktioniere, erlaube dieser Ansatz den Kunden auch eigene Ideen zu entwickeln. Das gehört zum Konzept des Oldenburgers: „Ich will Kunden Digitalkompetenz vermitteln und sie ermutigen, als mündige Anwender selbst kreativ zu werden.“ Wie so ein Digitalisierungskonzept funktioniert, erklärt er hier.

Ausgangslage: Der Computer ist dumm

Damit kreative Digitalisierung gelingt, müsse laut Mathias Mielitz ein altes Denkmuster aufgebrochen werden. „Die Fähigkeiten eines Computers werden von vielen Anwendern eher überbewertet“, sagt der Softwareentwickler. Durch Begriffe wie Cloud Computing oder künstliche Intelligenz werde eine ungesunde Ehrfurcht vor Computern aufgebaut. Folge: Anwender sind gehemmt, neue Dinge auszuprobieren und ihren Computer dafür einzusetzen, wofür er gemacht ist: seinem Nutzer Arbeit abnehmen. „Im Normalfall ist ein Computer strohdoof“, sagt Mielitz. „Auf dieser Ebene kann ich ihm aber viele Aufgaben überlassen, die ebenso strohdoof sind.“

Analyse: Dumme Arbeiten für dumme Maschinen

Ein häufiges Problem in Unternehmen sei, dass viel Arbeitskraft in Aufgaben versickert, die sich ständig wiederholen und in immer gleichen Abläufen abgearbeitet werden. „Diese stupiden Aufgaben können wir automatisieren und dadurch Zeit gewinnen“, sagt Mielitz.

Häufig ließen sich geeignete Aufgaben mit einer einzigen Frage identifizieren. Sie lautet: „Welche Arbeiten sind mir ein Dorn im Auge?“ In Zusammenarbeit mit den Kunden schaut sich der IT-Experte die Prozesse im Unternehmen an und macht dann Vorschläge, wie sich stupide Arbeiten automatisieren lassen. „Ich suche kleine Tools aus, die auf die Lösung der konkreten Problemstellung des Kunden spezialisiert sind und stelle deren Vor- und Nachteile vor.“

So kann es sein, dass das Unternehmen am Ende mehrere Insellösungen installiert. Doch die arbeiten nicht als Insellösungen, sondern werden über Kommunikationsschnittstellen miteinander verbunden. Die Schnittstellen sorgen dafür, dass Daten, die in einer Software eingegeben und verarbeitet werden, von der nächsten Software ausgelesen und für andere Aufgaben genutzt werden können.

Schnittstellenprogramme, die das können, sind laut Mathias Mielitz beispielsweise:

  • IFTTT
  • Zapier
  • Microsoft Flow

Software-Lösungen nach Baukastenprinzip

Zum Start sei der Umgang mit IFTTT besonders einfach. Mit der Software lassen sich getreu seiner Namenslangfassung „If This Than That“ einfache Wenn-Dann-Beziehungen aufbauen. Das können laut Mielitz zum Beispiel folgendes sein: „Immer wenn ich unterwegs einen Anruf auf mein Mobiltelefon verpasst habe, schicke ich eine E-Mail an meinen Mitarbeiter im Büro, damit er zurückrufen kann.“

„Solche Beziehungen baut man sich wie Lego zusammen“, sagt Mielitz. Am Ende gehe es gar nicht mehr um den Computer, sondern um die Fantasie seines Nutzers. Die darf um einfache Fragen kreisen, etwa: „Wie kann ich den Arbeitstag für mich und meine Kunden angenehmer gestalten?“

Doch welche Art von Aufgaben lassen sich in so einem Baukastensystem lösen? Mathias Mielitz hat Anwendungsideen zusammengetragen, die beispielhaft zeigen, wie spezialisierte Programme mit den passenden Schnittstellen typische Anforderungen im Handwerk automatisieren können. Zur besseren Anschaulichkeit nennt er dabei konkrete Software-Lösungen, mit denen er bereits Erfahrungen gemacht hat. Die Beispiele ließen sich aber auch mit anderen Programmen abbilden.

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