Und die Mitarbeiter der Alwin Otten GmbH sind damit sehr zufrieden, sagt Prokuristin Inge Otten.
Foto: Denny Gille - handwerk.com

Personal

4-Tage-Woche für Monteure?

4-Tage-Woche, flexible Zeiteinteilung, Teilzeitmodelle. Diese Handwerks-Betriebe gehen moderne Wege bei der Arbeitszeit und alle sind begeistert. Aber klappt das auch bei Ihnen?

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Viel erprobt, wenig gemocht: Die starren Zeiten für Arbeitsbeginn und –ende gelten unter vielen Mitarbeitern nicht mehr als zeitgemäß. Darin steckt eine Chance für Betriebe sich im Wettbewerb um Fachkräfte abzugrenzen.
  • Neue Wege gehen: Die Monteure der Alwin Otten GmbH haben eine 4-Tage-Woche – die Einführung hatte praktische Gründe, kommt aber im Team super an. In der Fertigung des Maschinen- und Metallbaubetriebs MMB setzt man hingegen auf flexible Arbeitszeitkorridore.
  • Erfolgreich getestet: In beiden Betrieben sind die Mitarbeiter zufrieden mit den alternativen Arbeitszeitmodellen.
  • Sagen Sie Ihre Meinung: Wie realistisch sind flexiblere Arbeitszeiten in Ihrem Unternehmen?

Die Engländer nennen es nine-to-five, die Deutschen einen typischen Arbeitstag: acht Stunden plus Mittagspause, fünf Tage die Woche. Da bleibt wenig Zeit für Friseurtermine, Arztbesuche oder vorabendliche Freizeitgestaltung. Das System hat sich bewährt, ist aber unflexibel und unter vielen Arbeitnehmern nicht sonderlich beliebt.

Dass es auch anders geht, zeigen zum Beispiel der Elektro- und Kältetechnikbetrieb Alwin Otten GmbH und der Metallbauer MMB. Die Betriebe hatten ihre Arbeitszeitstruktur aus verschiedenen Gründen verändert. Überzeugt sind sie beide von dem Ergebnis. Ein Erfolg: Im Team kommt das Angebot gut an. Das bringt in Zeiten des Fachkräftemangels einen wichtigen Vorteil: Mit ihren Arbeitszeitmodellen heben sich die Unternehmen von der Konkurrenz ab und locken Bewerber an.

4-Tage-Woche – einmal ausprobiert, schnell etabliert

Beim Elektro- und Kältetechnikfachbetrieb Alwin Otten GmbH aus Meppen arbeiten die Monteure seit Jahren in einer 4-Tage-Woche. Die hat praktische Gründe: Insbesondere im Bereich Kältetechnik bietet Otten schnelle Reparaturen an. „Kommt Freitagnachmittag ein wichtiger Termin, möchten wir den nicht im Notdienst abwickeln“, erzählt Prokuristin Inge Otten. Denn Notdienst würde Überstunden und höhere Kosten für die Kunden bedeuten.

Die 4-Tage-Woche löst das Problem. Dafür wurden die Teams aufgeteilt, eine Hälfte arbeitet von Montag bis Donnerstag, die andere von Dienstag bis Freitag. So arbeitet der Betrieb an zwei Tagen mit halber Besatzung, die aber ist ganztägig verfügbar.

„Die meisten im Team finden das super“, erzählt Inge Otten. Grund: Neben dem Wochenende haben die Mitarbeiter einen zusätzlichen Tag zur freien Gestaltung – zum Beispiel um Zeit mit ihrer Familie zu verbringen. „Wir nutzen das auch für unser Image als familienfreundlicher Betrieb“, sagt Otten. So wirbt das Unternehmen mit der 4-Tage-Woche auch um Mitarbeiter.

Taugt das Modell auch für andere Betriebe? Die Alwin Otten GmbH ist mit 60 Mitarbeitern, davon 45 Monteuren und Auszubildenden größer als ein durchschnittlicher Handwerksbetrieb. „Grundsätzlich braucht man natürlich genügend Leute, um sie in eine 4-Tage-Woche einzuteilen“, sagt Inge Otten. „Noch wichtiger ist aber die Kundenstruktur.“ Wer einen Notdienst anbiete, für den könne sich die 4-Tage-Woche lohnen.

Früher Feierabend mit flexibler Arbeitszeit

Der Maschinen- und Metallbaubetrieb MMB aus Freden hat für seine Mitarbeiter in der Produktion ein flexibles Arbeitszeitmodell eingerichtet. Eine Mitarbeiterbefragung ergab den Wunsch. „Wir kommen dem gerne nach", sagt Geschäftsführerin Birte Brzezniak.

Um Arbeitszeit-Flexibilität mit planbarer Produktionskapazität zu vereinen, hat der Betrieb eine feste Kernarbeitszeit mit flexiblen Zeitkorridoren eingeführt. Anwesenheitspflicht herrscht in der Zeit

  • von 07.00 bis 14.45 Uhr (Montag bis Donnerstag) und
  • von 07.00 bis 12.30 Uhr (Freitag).

Um diesen Kern herum sind die Zeiten flexibel. Die Mitarbeiter können frühestens um 06.15 Uhr beginnen. Montag bis Donnerstag endet die Gleitzeit um 15.30 Uhr, freitags um 13.45 Uhr. So kann ein Mitarbeiter etwas länger schlafen oder aber etwas länger arbeiten. „Ziel ist es, von Montag bis Donnerstag die notwendigen Stunden einzuarbeiten, sodass die Mitarbeiter freitags bereits um 12.30 Uhr ins Wochenende starten können“, sagt Birte Brzezniak.

„Unsere Mitarbeiter sind von dem Modell begeistert“, berichtet Brzezniak. Ausgenommen vom Gleitzeitmodell sind die Führungskräfte. Sie gewähren einen reibungslosen Ablauf, etwa bei Materialanlieferungen bis in den späten Nachmittag.

Auch im Büro setzt der Betrieb auf eine moderne Arbeitsweise mit Teilzeit und Jobsharing. „Auch hier bieten wir flexible Arbeitszeiten an“, sagt Birte Brzezniak.

Ihre Meinung ist gefragt

Teilzeit, 4-Tage-Woche oder flexible Arbeitszeiten: Ist das auch in Ihrem Unternehmen denkbar? Ist das bei Ihnen schon längst Gang und Gäbe? Oder absolut unrealistisch? Kommentieren Sie hier oder Schreiben Sie uns an gille@handwerk.com

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