Passende Mitarbeiter abwerben? Vergessen Sie Aufzählungen in Stellenanzeigen. Erzählen Sie lieber, was Ihre Stärken konkret bedeuten.
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Passende Mitarbeiter abwerben? Vergessen Sie Aufzählungen in Stellenanzeigen. Erzählen Sie lieber, was Ihre Stärken konkret bedeuten.

5 Tipps

Erfolgsrezept: So werben Sie passende Mitarbeiter ab

Wer passende Mitarbeiter für seinen Betrieb finden will, muss sie gezielt abwerben. 5 Tipps zeigen, wie Sie dabei erfolgreich vorgehen.

  • Wer Fachkräfte einstellen will, muss passende Mitarbeiter in anderen Betrieben abwerben – und das funktioniert am besten, wenn sich Ihre Anzeigen zielgerichtet an den Bedürfnissen wechselbereiter Gesellen orientieren, die mit ihrem Job nicht mehr zufrieden sind.
  • Falsche Bescheidenheit hilft Ihnen nicht weiter: Stellen Sie die Stärken Ihres Betriebes heraus und zeigen Sie diese in Anzeigen in den Sozialen Medien.
  • Vergessen Sie Spiegelstriche in Stellenanzeigen. Erzählen Sie, was Ihre Stärken konkret für Ihre Mitarbeiter bedeuten. Gehen Sie dabei ruhig ins Detail – bis hin zur Nennung der bevorzugten Werkzeugmarke in Ihrem Betrieb. So ziehen Sie Kollegen an, die in Ihr Team passen.
  • Leisten Sie sich ein Budget, um die richtige Zielgruppe zu erreichen, und bleiben Sie dran. Unzufriedene Fachkräfte zur Bewerbung zu mobilisieren, dauert seine Zeit – aber letztlich auch nur wenige Wochen.
  • Machen Sie den Bewerbungsprozess einfach, aber filtern Sie die Bewerber mit gezielten Fragen. Schließlich wollen Sie Klasse, nicht Masse.

Arbeitslose Handwerker gibt es praktisch nicht – also müssen Sie abwerben. Doch wie finden Sie diejenigen, die in Ihren Betrieb und zum Team passen?

Sechs Wochen dauert es nach Justin Böttgers Erfahrung von der ersten Stellenanzeige in den Social Media bis zum Vertragsabschluss – wenn man es richtig macht. Böttger ist Chef der Online-Marketing-Agentur Egroma und hat sich auf Handwerksbetriebe und die Lösung ihrer Fachkräfteprobleme spezialisiert. „Wer gute Fachkräfte einstellen will, muss die passiv Suchenden mobilisieren, die bei ihrem aktuellen Arbeitgeber unzufrieden sind“, sagt er. Seine 5 Tipps, wie Sie die passenden Mitarbeiter beim Wettbewerber loseisen.

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1. Finden Sie die Stärken Ihres Betriebs

„Jeder Betrieb hat seine Stärken – allerdings ist das vielen Handwerkern gar nicht bewusst“, sagt Böttger. Der erste Schritt, um passende Fachkräfte zu finden, sei deshalb, sich die Vorzüge des eigenen Betriebs klarzumachen. „Der einfachste Weg ist, die Mitarbeiter zu fragen, warum sie gern für Sie arbeiten“, so Böttger, der selbst gelernter Anlagenmechaniker ist.

Notieren Sie, was Ihr Mitarbeiter und Sie selbst in Ihrem Betrieb besonders gut finden: Sind Sie besonders weit bei der Digitalisierung? Oder herrscht bei Ihnen ein gutes Miteinander? Zahlen Sie für ihre Mitarbeiter eine private Krankenversicherung? Legen Sie Wert auf erstklassiges Material und das beste Werkzeug? „All diese Informationen sind für passiv Suchende wichtig“, sagt der Marketing-Experte.

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2. Nutzen Sie Social Media – aber richtig!

„Es gibt eigentlich nur zwei Wege, die passenden Mitarbeiter zu finden“, sagt Böttger: „Mitarbeiterempfehlung und Social Media.“ Der Haken bei der Empfehlung sei aber, dass – gerade in kleinen Betrieben – das Potenzial überschaubar ist. „Auf Social Media sind aber viele Fachkräfte unterwegs.“

Jetzt müssen Sie sich in die unzufriedenen Fachkräfte hineinversetzen – was fehlt ihnen, warum haben Sie keine Lust mehr auf ihre Arbeit? „Das können komplizierte Arbeitsabläufe sein oder ein neuer Chef, mit dem man nicht zurechtkommt“, zählt der Unternehmer auf. Gerade junge Fachkräfte legen Wert auf Digitalisierung, hochklassige Mitarbeiter wünschen sich gutes Werkzeug. Mitarbeiter mit Familie brauchen flexible Arbeitszeiten und Urlaub während der Ferien.

Ihre Aufgabe ist dann mit den passenden Posts zu zeigen, dass es das bei Ihnen gibt. Und das nicht nur einmal, sondern immer wieder. „Passiv Suchende brauchen fünf bis sechs Impulse, bevor sie sich tatsächlich bewerben“, sagt Böttger. Am Anfang könne es Überwindung kosten, sich zu zeigen, aber „wenn man seine Sichtbarkeit erhöhen will, ist falsche Bescheidenheit nicht angebracht“.

Wichtig: Um die passende Zielgruppe zu erreichen, müssen Sie Geld in die Hand nehmen. „Man muss in die Sozialen Medien investieren, sonst bringt es nichts“, meint Böttger.

3. Erzählen Sie in Stellenanzeigen Geschichten

Zwischen Ihren Posts auf Social Media streuen Sie dann Ihre Stellenanzeigen. „Hier muss man sich von Floskeln wie „leistungsgerechte Bezahlung“ oder „gutes Betriebsklima“ verabschieden“, betont Böttger. „Vergessen Sie Spiegelstriche. Erzählen Sie lieber Geschichten und werden Sie dabei konkret – was bedeutet das bei uns im Betrieb.“

Ein Beispiel: „Wenn Du morgens zur Arbeit kommst, ist die Auftragsliste bereits auf Deinem Tablet eingespielt und das Material liegt bereit.“ Oder: „Unsere zusätzliche Krankenversicherung ermöglicht Dir alle zwei Jahre eine neue Brille oder regelmäßige professionelle Zahnreinigungen, ohne dass es Dich etwas kostet.“ Oder: „Bei uns arbeitest Du mit dem neuesten Werkzeug von Firma XY.“

„Gute Fachkräfte legen auf diese Dinge wert“, ist Böttger überzeugt.

„Machen Sie die Bewerbung so einfach wie möglich“, rät Marketing-Experte Justin Böttger.
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„Machen Sie die Bewerbung so einfach wie möglich“, rät Marketing-Experte Justin Böttger.

4. Machen Sie die Bewerbung leicht

Sie haben die passiv Suchende auf sich aufmerksam gemacht – jetzt müssen sie sich noch bewerben. „Bedenken Sie dabei, dass sich die guten Fachkräfte das letzte Mal vor fünf oder zehn Jahren beworben haben. Sie haben keinen aktuellen Lebenslauf in der Schublade und schon lange kein Bewerbungsschreiben verfasst“, sagt der Firmengründer. Er rät dazu, die Bewerbung so einfach wie möglich zu machen – am besten per Klick vom Handy. „Den Lebenslauf können Sie sich auch später noch zeigen lassen.“

5. Filtern Sie die Bewerber im Bewerbungsprozess

Wenn Sie jetzt erfolgreich um Fachkräfte geworben haben, sollten die Bewerbungen bei Ihnen eintrudeln – aber Sie wollen ja nicht Masse, sondern Klasse. Justin Böttger empfiehlt deshalb, die Interessenten so zu selektieren, damit sich Unqualifizierten gar nicht erst bewerben.

Sein Unternehmen installiert beispielsweise einen automatisierten Prozess: Wer sich bewerben will, muss vorab ein paar einfach Fragen online beantworten. „Mit gezielten Fragen nach den gewünschten Qualifikationen kann ich die Bewerber filtern“, so Böttger. „Wer zum Beispiel keinen Führerschein hat oder nicht über eine passende Ausbildung verfügt, kann sich nicht bewerben.“ Übrig blieben diejenigen, die die wichtigsten Fähigkeiten mitbringen. „Den Rest können Sie im Vorstellungsgespräch klären.“

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