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Personal

Gehalt: Das Motivationsmittel Nummer EINS!

Reden wir über Geld: Glauben Sie, andere Dinge sind wichtiger, um Mitarbeiter für das Handwerk zu gewinnen? Klaus Steinseifer hat daran begründete Zweifel.

Auf einen Blick:

  • Geld ist nicht alles, aber vieles hängt davon ab. Das sollten Sie als Chef im Handwerk bedenken, wenn Sie das nächste Vorstellungsgespräch führen.
  • Viele Bedürfnisse lassen sich nur mit Geld erfüllen. Und erst wenn eine Fachkraft diese Bedürfnisse von ihrem Gehalt erfüllen kann, werden andere Motivationsmittel wichtig.
  • Die Schlussfolgerung: Zahlen Sie mehr, wenn Sie Gesellen halten und neue gewinnen wollen. Mehr als Tarif und mehr als Ihre Wettbewerber.

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von Klaus Steinseifer

"Wenn ich im Lotto gewinne, höre ich sofort auf zu arbeiten!" Wie oft haben Sie diesen Satz schon gehört? Heißt das im Umkehrschluss, dass diese Menschen nur des Geldes wegen arbeiten gehen? Also ist Geld das Motivationsmittel Nummer EINS?

Viele meiner Kolleginnen und Kollegen behaupten das Gegenteil und sagen: "Geld, also Lohn und Gehalt, kommt in der Motivationslinie erst an 4. oder 5. Stelle.“ Wichtiger seien andere Aspekte, zum Beispiel ein nettes Team und ein gutes Arbeitsklima, Arbeitsplatzsicherheit, Flexibilität und Familienfreundlichkeit … Ich behaupte: Das stimmt nicht, Geld ist das Motivationsmittel Nummer EINS für den Menschen, wenn er zur Arbeit geht.

Welche Rolle spielt Geld für die Motivation?

Zugegeben: Wenn die Bezahlung einen gewissen, immer individuellen Status erreicht hat, wird Geld weniger wichtig. Dann wirken andere Motivationsmittel. Dieser Status muss aber erst einmal erreicht werden, damit das Motivationsmittel "Geld und Bezahlung" in den Hintergrund rückt.

Eine Erklärung hierzu liefert die Maslowsche Bedürfnishierarchie, bekannt als Bedürfnispyramide. Sie ist eine sozialpsychologische Theorie des US-amerikanischen Psychologen Abraham Maslow. Sie beschreibt menschliche Bedürfnisse und Motivationen und versucht, diese zu erklären. Die Pyramide hat eine hierarchische Struktur: Sind die Bedürfnisse der untersten Ebene befriedigt, kommt die Ebene darüber dran …

Das Fundament dieser Pyramide bilden physiologische Bedürfnisse, zum Beispiel Luft, Wasser und Nahrung. Sie sind so grundlegend, weil niemand ohne sie überleben kann. An zweiter Stelle kommen die Sicherheitsbedürfnisse, zum Beispiel Geborgenheit, Schutz, Wohnung. Darauf folgen die sozialen Bedürfnisse, wie zum Beispiel Familie, Freunde, Freizeit, Urlaub, …

Und erst wenn diese Bedürfnisse mit der Bezahlung im Unternehmen in voller Höhe abgedeckt sind, kommen die weiteren Faktoren ins Spiel, die über die Bezahlung hinaus wirken: die Individualbedürfnisse wie Wertschätzung und Respekt und die Selbstverwirklichung in Form von Entscheidungsfreiheiten, Verantwortung und Kreativität.

Neue Mitarbeiter gewinnen: Vertrauensvorschuss statt Tariflohn!

Was bieten Sie Ihren Mitarbeitern, damit sie bei Ihnen im Unternehmen mitwirken? Ich sage bewusst "mitwirken" und nicht "mitarbeiten". Der "Mitwirker" bekommt von Ihnen "genügend" Geld für seine "Arbeit", damit er sein Leben finanzieren kann – und dann "wirken" auch die anderen Motivationsmittel, wie Wertschätzung, Respekt, Verantwortung …

Deshalb bieten Sie bei der Einstellung Ihrer neuen Mitarbeiter gleich einen Vertrauensvorschuss an. Denn was ist Tariflohn, den eventuell alle bieten? "Tariflohn wären X Euro. Wir zahlen Dir Y Euro pro Stunde, also Z Euro über dem Tariflohn pro Stunde. Dafür erwarten wir von Dir …"

Dieser Vorschlag ist besser als: "Wir zahlen Dir erst einmal Tariflohn, dann sehen wir weiter!" Und auf das „Weitersehen“ wartet der neue Mitarbeiter dann ewig – bis zu dem Tag, an dem er Sie verlässt, um beim Mitbewerber mehr Geld und auch noch bessere Bedingungen vorzufinden. Falls er überhaupt bei Ihnen anfängt und nicht gleich beim Mitbewerber.

Wie wichtig gute Löhne sind, wusste übrigens schon der Industrielle und Erfinder Robert Bosch: „Ich zahle nicht gute Löhne, weil ich viel Geld habe, sondern ich habe viel Geld, weil ich gute Löhne bezahle.“

Über Klaus Steinseifer: Zuerst Bankkaufmann und danach Maler- und Lackierermeister. Er übernahm das väterliche Unternehmen. 1989 startete sein Qualifizierungsunternehmen im Handwerk "Die Steinseifer-Seminare". Heute ist er als Seminarleiter, Referent, Berater und Autor im Handwerk und für Ihren unternehmerischen Erfolg zuständig. Seine Leidenschaft ist das Handwerk und als Praktiker weiß er genau, wo Sie der Schuh drückt und wie Sie mit ihm zusammen Ihre Veränderungswünsche Realität werden lassen. Mehr Infos unter www.steinseifer.com

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