So geht effiziente Werkstattorganisation
Lässt sich eine Werkstatt perfekt organisieren? Ein Berater und ein Unternehmensgründer erläutern ihre Sichtweisen, wie das gehen kann.
Auf einen Blick
Max Löber ist Hamburger und gleichzeitig Gründer sowie Geschäftsführer einer Tischlerei in der Hansestadt. Sein Unternehmen „Vanme“ gründete er im Jahr 2017. Löber und sein junges Team haben sich auf den Innenausbau von Campern spezialisiert, und behaupten sich seitdem auf dem Markt. Drei bis vier Jahre nach der Gründung wollte Löber allerdings von den Erfahrungen und vom Know-how anderer Unternehmer lernen, „die bereits einige Schritte gegangen sind, die uns noch bevorstanden“, wie er betont.
Keine perfekte Werkstatt-Organisation
Auf Empfehlung kam der Kontakt zu Andreas Rau zustande. Dieser ist Tischlermeister und hat seine Tischlerei von einem Ein-Mann Unternehmen zu einem Spezialisten für Einbaumöbel mit 20 Mitarbeitenden entwickelt. Heute berät er unter anderem kleine und mittlere Tischlereien, definiert Schwachstellen und Lücken in der Kommunikationskette und begleitet sowohl den Vertrieb als auch die Technik. Zudem beobachtet er, welche Sprache beide Lager sprechen. „Dazu kommt, dass ich aufgrund meiner Erfahrung als Geschäftsführer das gesamte betriebswirtschaftliche Wissen mitbringe“, erläutert Rau. Perfekt werde es seiner Ansicht nach in einer Werkstatt nie laufen. „Doch ich habe beobachtet, dass viele Unternehmen immer noch eine Scheu davor haben, bestehende Prozesse den Gegebenheiten anzupassen“, so Rau.
Hemmungen davor, Änderungen im Betrieb durchzusetzen, hatten Max Löber und sein Team damals nicht. „Andreas Rau hat eine klare Struktur vermittelt. Es ging vor allem darum, dem Team zusätzliche Aufgaben zu ihren jeweiligen Spezialisierungen im Unternehmen zu übertragen“, betont Löber. Darüber hinaus sei es beim Besuch von Rau um den Aufbau einer klaren Lagerstruktur sowie um die Einführung regelmäßiger Meetings gegangen und darum, ein Kommunikations-Tool zu etablieren. „Außerdem hat er gemeinsam mit uns ein Artikelnummernsystem und ein Kalkulations-Tool für wiederkehrende Leistungen entwickelt“, so Löber.

Vier Schnittstellen
Andreas Rau spricht von den vier Schnittstellen in einem Betrieb. Dazu gehören laut dem Tischlermeister die Arbeitsvorbereitung, der Vertrieb, die Produktion und die Montage. „Wenn ich in einem Betrieb bin, schaue ich mir an, wie die Übergaben von diesen vier Schnittstellen stattfinden“, so Rau. Mit der Arbeitsvorbereitung stehe und falle seiner Meinung nach alles in einem Betrieb. Zudem weist er die Unternehmen auf Unregelmäßigkeiten hin. Wenn der Vertrieb nicht sauber arbeite, kann dies bei der Technik schnell zu Fehlern oder Missverständnissen führen. „Sollte die Technik die Informationen vom Vertrieb falsch deuten, wird die Produktion ebenfalls auf falschen Daten arbeiten. Das größte Problem ist, dass diese drei Instanzen es nicht selbst merken“, so Andreas Rau. Es gehe immer um das Senden und Empfangen von Daten. Wenn diese fehlerhaft sind, entstehen weitere Fehler bei anderen Schnittstellen.
Ausgelagerte Produktion
Der Berater für kleine und mittlere Betriebe spricht davon, dass bei den meisten Tischlereien die Produktion von vielen Elementen ausgelagert wird, wobei das Unternehmen die Arbeitsvorbereitung, den Vertrieb und die Montage selbst erledige. Wenn dies auf fehlerhafter Datenbasis passiert, ist es schnell eine doppelte Belastung für den Betrieb, da mit den eigenen Ressourcen nicht abgemildert werden kann. „Wir versuchen tatsächlich so viel wie möglich in Eigenleistung zu produzieren. Dieses Ziel verfolgen wir, um möglichst unabhängig zu sein.“
Der Support durch Zulieferer hänge einerseits von der Unternehmensgröße ab. Andererseits übernehme Löbers Betrieb ungern die Gewährleistung für Dinge, die sie nicht selbst produzieren. Darüber hinaus habe sich der digitale Arbeitsprozess seit der Zusammenarbeit mit Andreas Rau sehr gut entwickelt. „Der nächste Schritt ist nun, die unterschiedlichen Tools in einer zentralen Datenbasis – einer ‚Datenmutter‘ – zu vereinen.“

Fürsorgepflicht für Mitarbeitende
Fakt ist: Von der Gesundheit und dem Wohlbefinden der Beschäftigten, steht und fällt der unternehmerische Erfolg. Das weiß auch Max Löber. Aus diesem Grund liegt ihm die Gesundheit seiner Mitarbeiter am Herzen. „Wir arbeiten in einer Halle mit viel Tageslicht, Pflanzen und sogar Bäumen. Das trägt spürbar zum Wohlbefinden bei.“ Außerdem werde die Werkstatt regelmäßig gereinigt, um die Staubbelastung so gering wie möglich zu halten. „Wir achten streng darauf, dass alle Sicherheitsstandards eingehalten werden, die durch regelmäßige Einweisungen vermittelt werden“, so Löber. Und Firmenhund Bruno sorge letztlich für das seelische Wohl der Mitarbeiter.
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