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Ein Überblick über die Zahlungsarten

Im Vergleich: Welches Bezahlsystem für den Online-Shop?

Die Auswahl an Bezahlarten für Online-Shops ist groß. Jede hat ihre Besonderheit, Vor- und Nachteile. Wie Sie bei der Auswahl für Ihren Shop vorgehen, erklärt ein E-Commerce-Experte.

Schwere Wahl - Welches Bezahlsystem ist für Ihren Shop das richtige?
Welches Bezahlsystem ist für Ihren Shop das richtige?
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Das Wichtigste zuerst: Es gibt kein Bezahlsystem, dass zu 100 Prozent sicher ist  – weder für den Sender, noch für den Empfänger. „Sogar bei der Vorkasse gibt es Betrugsmaschen“, sagt Sven Grimminger, Geschäftsführer von „ShopStrategen“ (www.shopstrategen.de) aus Hamburg. Deshalb sollte jeder Händler zusätzlich ein eigenes Risikomanagement betreiben. Damit vermeiden Sie im Vorfeld viel Ärger.

Wie viele und welche Bezahlmöglichkeiten Sie in Ihrem Shop anbieten, hängt von vielen Faktoren ab. Grimminger empfiehlt folgende Vorgehensweise:

Ein Mix ist wichtig: Wählen Sie mindestens zwei Bezahlarten aus und beziehen Sie klassische und digitale Bezahlformen mit ein. Achten Sie darauf, unterschiedliche Anforderungen der Kunden an Sicherheit und Komfort abzudecken. Auch regionale Vorlieben sollten Sie bedenken. Wer beispielsweise viele ausländische Kunden hat, sollte auf jeden Fall die Kreditkartenbezahlung mit anbieten. Das ist in vielen Ländern eine der beliebtesten Zahlmöglichkeiten.

Zu den klassischen Bezahlformen gehören: Rechnung, Vorkasse, Kreditkarte, Lastschrift und Bankeinzug.

E-Payment umfasst Dienste wie PayPal, Amazon-Payment, die Sofortüberweisung und Paydirekt.

Außerdem rät E-Commerce-Experte Sven Grimminger:

Schauen Sie sich um: Welche Bezahlarten verwenden Kollegen oder Wettbewerber und welche Erfahrungen haben sie damit gemacht? Davon können Sie lernen und sich daran orientieren, wenn Sie Ihre Technik einrichten.

Probieren Sie Neues aus: Wenn Sie in Ihrem Shop mit zwei Bezahlsystemen starten, heißt das nicht, dass das so bleiben muss. Kunden und Nutzerverhalten verändern sich, genauso sollte sich Ihr E-Shop weiterentwickeln. Das bedeutet: Sie können nach einer Zeit auch mit einer dritten oder vierten Variante starten und schauen, wie Ihre Kunde diese annehmen. Rentiert es sich schon nach einem Jahr nicht, stellen Sie die Bezahlart wieder ein.

Vor- und Nachteile: Die Bezahlsysteme im Vergleich

Klassische Systeme:

Rechnung: Ungenutztes Potenzial
Beliebt ist die Rechnung vor allem bei Kunden, da sie erst nach Erhalt und Prüfung der Ware zahlen müssen. Bei Händlern ist sie aus diesem Grund oft unbeliebt.

Zum einen haben Shopbetreiber die Möglichkeit, das Forderungsmanagement selbst zu übernehmen. Das muss gut strukturiert und durchdacht sein. Das ist aufwendig, aber dennoch wichtig für das Geschäft. Grimminger: „Shopbetreiber scheuen oft den Aufwand und die Kosten für den Rechnungskauf und lassen dadurch Potenzial liegen. Eben weil die Rechnung bei vielen Kunden die beliebteste Zahlart ist.“

Sie haben zum anderen die Möglichkeit, das in die Hände externer Anbieter zu geben. Der Vorteil: Sie haben damit nichts mehr zu tun und bekommen Ihr Geld. Der Nachteil: Die hohen Kosten. Und: Sobald Sie das Forderungsmanagement abgeben, steht der Kunde nicht mehr direkt mit Ihnen in Kontakt, sondern mit einem anderen Anbieter. Auf die Auswahl und den späteren Umgang mit den Kunden haben Sie dann in der Regel keinen Einfluss mehr. Prüfen Sie also genau, welchem Anbieter Sie vertrauen, bevor sie das Forderungsmanagement abgeben. Wenn das Preis-Leistungsverhältnis stimmt, lohnt es sich.

Sein Tipp: Starten Sie mit einem externen Anbieter, schauen Sie, ob es klappt, das Geld reinkommt und die Kosten Sie nicht auffressen. Wenn Sie sich mit Ihrem Shop am Markt etabliert haben, können Sie die Rechnungsforderung wieder reinholen und in Ihren Ablauf integrieren.

Kreditkarte: Teuer, aber geprüft
Ob Sie Kreditkarten-Zahlungen anbieten, hängt stark von den Märkten ab, in denen Sie verkaufen. In vielen Ländern außerhalb Europas beispielsweise ist die Kreditkarte weit verbreitet. Deshalb ist sie für international aufgestellte Online-Shops Pflicht. Hier in Deutschland hingegen haben nicht so viele Privatpersonen eine Kreditkarte und auch viele Unternehmen nicht.

Vorteil: Für wiederkehrende Zahlungen lohnen sich Kreditkarten, denn das kann nicht jedes Zahlsystem. Wer Software mit Updates anbietet und wo monatliche Kosten anfallen, sollte die Option Kreditkarte nicht fehlen.

Dennoch ist die Zahlung per Kreditkarte oft teurer, als andere Zahlmittel.

Kreditkartenanbieter: Welche Kreditkarten Sie zulassen, hängt davon ab, in welchen Intervallen die Kreditkartenfirmen an Händler auszahlen. Grimmingers Tipp: Sehen Sie sich vor Vertragsabschluss die Kosten für Rücklastschriften an und lesen Sie die Kreditkartenverträge ganz genau.

Die Gebühren für Kreditkartenzahlungen setzen sich beispielsweise aus den Mengen und Summen zusammen, die über die Karten gebucht werden. Und sie sind von Branche zu Branche unterschiedlich. Einrichtungskosten fallen einmalig an, Sie zahlen als Shopbetreiber eine monatliche Gebühr und eine feste Transaktionssumme. Dazu kommen, je nach Betreiber, variable Transaktionssummen, die je nach Umsatz und Angebot zwischen 2,0 und 3,0 Prozent liegen.

Vorkasse: Unbeliebt und aufwendig
Vorkasse war lange Zeit der Händlerliebling. Das Geld kam, die Ware wurde verschickt. Nur beim Kunden kam das nicht so gut an. Gerade, wenn sie das erste Mal bestellten und das Unternehmen oder den Shop nicht kannten. Außerdem war und ist die Bereitschaft nach wie vor gering, eine große Summe im Voraus zu zahlen.

Von der Einrichtung her ist Vorkasse recht einfach. Aber im täglichen Handling ist es kompliziert, weil Rechnungen zugeordnet werden müssen. Es entsteht ein hoher Aufwand bei der Zuweisung von bereits getätigten Zahlungen. Und wenn Sie erst mit dem Versenden der Ware warten, bis Sie die richtige Zahlung gefunden haben, ist der Kunde weg und sucht sich einen anderen Online-Shop. Daher rät Sven Grimminger dazu, sich gut zu überlegen, ob Vorkasse das richtige System ist.

Mittlerweile wurde in vielen E-Shops Vorkasse durch E-Paymentlösungen ersetzt.

Sven Grimminger von ShopStrategen - über die Vor- und Nachteile der klassischen und elektronischen Bezahlsysteme.
über die Vor- und Nachteile der klassischen und elektronischen Bezahlsysteme.
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Nachnahme und Lastschrift: Auslaufmodelle
Der Vorteil der Nachnahme: Kunden haben großes Vertrauen darin, weil sie erst bei Warenerhalt zahlen. Nachteil: Bei kleinen und mittleren Warensummen sind die Nachnahmekosten oft vergleichsweise hoch.

Im E-Commerce wurde auch die Nachnahme größtenteils durch E-Payment-Verfahren abgelöst. Beispielsweise durch PayPal.

Die Lastschrift spielt eher eine untergeordnete Rolle. Vor Einführung von SEPA war die Lastschrift sehr beliebt und unkompliziert. Doch seit den neuen Zahlungsrichtlinien ist dieses Verfahren im E-Commerce schwerer umzusetzen. Es dauert, bis man die SEPA-Mandate hat und man muss sich an diverse Fristen halten.

Für wiederkehrende Zahlungen, wie die Miete oder Abonnements, wird die Lastschrift nach wie vor sehr gern verwendet.

E-Payment


PayPal: Der beliebte Vorreiter

Neben der Rechnung ist PayPal eine Zahlart, die Sie als Händler ganz oben auf Ihrer Liste haben sollten, rät Sven Grimminger.

PayPal ist sehr verbreitet, auch weil diese Art der Bezahlung bei Ebay verpflichtend ist. Gerade bei jungen Kunden ist die Zahlungsart beliebt und bei einigen Shops auch die meistgenutzte Möglichkeit.

Aber weil manche Kunden E-Paymentlösungen ablehnen, sollten Sie PayPal nie als einziges Zahlungsmittel anbieten. Das Gebührenmodell ist online einsehbar. Es wird pro Transaktion abgerechnet und die Kosten sind geringer als für die Kreditkartenzahlung.

Der Vorteil: Die Zahlung geht schnell, dementsprechend schnell können Bestellungen bearbeitet und versendet werden. Für die Kunden ist das ein großer Service, weil sie ihre Ware immer so schnell wie möglich haben wollen.

Nachteile auf der Händlerseite: Kunden können Zahlungen zurückfordern. Das ist im Betrugsfall eine gute Sache. Wird aber leider auch missbraucht und führt im besten Falle zu hohem administrativen Aufwand. Auch die Kosten sind nicht zu unterschätzen. Sie richten sich nach dem Umsatz des Shops im Monat plus einer Summe für jede Transaktion.

PayPal entwickelt sich ständig weiter: Auch Zahlungen aus und ins Ausland gibt es schon seit einigen Jahren. Neu ist PayPal Plus mit wiederkehrenden Zahlungen. Abgesicherter Rechnungskauf etc. sind mittlerweile per PayPal möglich wie auch wiederkehrende Zahlungen. PayPal hat ein eigenes System integriert, worüber Zahlungen per Lastschrift, Kreditkarte und Rechnung abgewickelt werden können.

Amazon Payment: Nicht nur für Amazon-Shops
Amazon hat einen eigenen Bezahldienst, der PayPal gleicht. Die Kosten sind geringer. Dafür ist die Vorgehensweise nicht ganz unumstritten. Denn Amazon ist selbst Händler und nutzt nach eigener Aussage die Daten anderer nicht. Ein Misstrauen anderer Händler gibt es trotzdem.

Sofortüberweisung: Fair, aber datenschutzrechtlich fragwürdig
Auch dahinter steckt ein Geschäftsmodell: Wenn Kunden ihre Zahlung veranlassen, wird diese Info an den Händler geschickt. Dazwischen steht ein System, das erkennt, dass die Bezahlung erfolgt ist und leitet das an den Händler weiter. Dann kann der die Ware abschicken, noch bevor das Geld wirklich auf seinem Konto eingegangen ist.

Vorteil: Der Kunde hat die Ware eher.

Nachteil: Der zwischengeschaltete Treuhänder kommt an sensible Daten wie Pin- und Tanlisten. Von Verbraucherschützern wird das System daher kritisch gesehen und datenschutzrechtlich als bedenklich eingestuft.

PayDirekt: Das Angebot der Banken 
PayDirekt funktioniert im Prinzip so wie die Sofortüberweisung. Dieser Dienst wurde erst recht spät von den Banken als eigener Bezahldienst initiiert. Sie werben damit, dass Kunden dort ein höherer Sicherheitsstandard geboten wird, weil ihre Daten nicht an Dritte weitergegeben werden.

Das Gebührenmodell der Banken ist jedoch für Händler sehr kompliziert. Aus diesem Grund wird der Dienst nur selten genutzt. Die Banken haben das Thema E-Payment laut Grimminger verschlafen und versuchen nun, ihre Defizite aufzuholen. Aber die anderen Payment-Dienste wie PayPal oder Amazon sind schon länger fest am Markt etabliert.

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