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Forderungsmanagement

Inkasso: Auf der Jagd nach dem Kleckerbetrag

Wenn Betriebe auf ihren Rechnungen sitzenbleiben, beginnt eine ungeliebte Arbeit. Die gute Nachricht: Es gibt eine Alternative zum eigenen Inkasso – auch bei Kleinbeträgen.

Auf einen Blick:

  • Professionelles Forderungsmanagement ist aufwendig – und nervt viele Betriebsinhaber
  • Kreishandwerkerschaft kooperiert mit Inkasso-Büro. Erfolgsquote: „75 bis 80 Prozent.“
  • Die Spezialisten sind hartnäckig – und kennen die rechtlichen Daumenschrauben

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von Heiner Siefken

Sie denkt positiv. Von den etwa 1.200 Rechnungen, die Simone Menke Jahr für Jahr verschickt, werden 1.190 bezahlt. Nicht immer pünktlich, aber früher oder später landet das Geld auf dem Geschäftskonto der Menke Gebäudetechnik im niedersächsischen Cloppenburg. Und es sind auch keine „dicken“ Rechnungen, die nicht beglichen werden. Der winzige Stapel mit den Mahnungen im Büro der Unternehmerfrau besteht aus dem Reparaturauftrag für 80 Euro oder der Heizungswartung für 100. Menke musste sich zwar schon darüber ärgern, dass eine komplette Badezimmersanierung unbezahlt blieb, nur: „Das war eine Ausnahme. Normalerweise reden wir über kleine Beträge.“ Und dennoch, da ist diese eine Sache, die sie an den 10 offenen Rechnungen nervt: „Es ist unangenehm, hinter dem Geld herzulaufen. Ich finde es furchtbar, bei den Leuten anzurufen – die Geschichten und Ausreden mag ich einfach nicht hören.“

Kreishandwerkerschaft kooperiert mit Inkasso-Büro: Erfolgsquote 75 bis 80 Prozent

Michael Hoffschroer ist Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Cloppenburg. Er kann Menkes Aversion nachvollziehen: „Professionelles Forderungsmanagement verlangt eine professionelle Ausbildung. Welcher Betrieb kann das schon leisten?“ Seit 5 Jahren kooperiert die Kreishandwerkerschaft mit dem regionalen Anbieter, Bernhardt-Inkasso Unternehmen. Auch Simone Menke nutzt den Service. „Nach der 3. Mahnung geben wir das an die Kreishandwerkerschaft ab, die reichen das an das Inkassobüro weiter – wir haben damit nichts zu tun.“ Manchmal würden zwar Monate vergehen, bis das Geld ankommt: „Letztlich zahlen die meisten Kunden dann doch.“

Wie erfolgreich ist der Inkasso-Service im Durchschnitt? „75 bis 80 Prozent der Forderungen, die wir übernehmen, werden eingezogen“, sagt Hoffschroer. Die Intensität, mit der sich das Inkassobüro um die Fälle kümmere, mache den Unterschied aus. Die Profis seien nicht nur rechtlich auf der Höhe der Zeit, sie hätten auch größere Ressourcen, um den einzelnen Forderungen nachzugehen. Und was noch wichtiger sei: „Sie haben eine ganz andere Ansprache.“

So arbeitet das Inkassobüro: Daumenschrauben, die das Recht zulässt

Andere Ansprache? Die erste Assoziation bei dieser Formulierung: Moskau Inkasso. „Mit den Klischees haben wir nichts zu tun“, sagt Ursula Bernhardt. Die Chefin des Inkasso-Büros weiß, dass „ein Schuldner, der nichts hat, auch nicht auf Drohungen reagieren kann“. Und wahrscheinlich definiert dieser Satz den Unterschied zu den unseriösen Anbietern der Branche.

In der Hälfte der Fälle, sagt Bernhardt, ziehen „wir die Forderungen im vorgerichtlichen Inkasso ein“. Für die andere Hälfte bedarf es eines vollstreckbaren Schuldtitels. Mit dem in der Hand arbeiten sich Bernhardts Mitarbeiter an den Daumenschrauben ab, die das Recht zulässt: Gehaltspfändungen, Zwangsversteigerungen, Kontenpfändungen, das Pfänden der Lebensversicherung. Und noch so eine Sache, die kein Betrieb leisten kann: „Wir ermitteln in Detektivarbeit, wo noch Geld ist, das der Schuldner nicht angibt. Ein Handwerksunternehmer wird kaum wissen, wo er da ansetzen soll.“

Keine Gebühren bei komplettem Forderungseinzug

Bleibt eine wichtige Frage: Was kostet der Spaß? „Inkasso-Dienstleister rechnen ihre Arbeit nach einer Gebührenordnung ab, wir haben spezielle Konditionen ausgehandelt“, sagt Hoffschroer.

Beim Cloppenburger Modell gibt es zwei Möglichkeiten.

  • Der Betrieb erhält die komplette Forderung. Dann muss der Schuldner die Kosten übernehmen, er bezahlt das Inkasso-Büro.
  • Die Hauptforderung kann nicht komplett eingezogen werden. Dann werden die Gebühren von der Summe abgezogen, die der Schuldner gezahlt hat.

Die genauen Vertragsbestandteile mit dem Inkasso-Unternehmen Bernhardt möchte Hoffschroer nicht öffentlich besprechen, aber: „Ein Betrieb, der nicht in der Innung ist, muss mehr bezahlen.“

Übrigens haben auch einige Handwerkskammern Inkassostellen, dazu gehören etwa die Kammern in Hamburg, Leipzig und Oberfranken.

Diese Kosten können im schlechtesten Fall entstehen

Die Bezahlung von Inkassodienstleistern orientiert sich an den Vorschriften des Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes. Die möglichen Kosten listet der Prozesskostenrechner des Deutschen Anwaltvereins auf.

Ein Beispiel: Bei einem Streitwert von 200 Euro beträgt die „Geschäftsgebühr“ maximal 58,50, zusätzlich kann ein Inkassobüro 11,70 für „Auslagen“ verlangen. Inklusive der Mehrwertsteuer würden sich diese „außergerichtlichen Kosten“ auf immerhin 83,54 Euro summieren.

Ist ein Schuldner tatsächlich zahlungsunfähig, müsste der Gläubiger die kompletten Inkassokosten selber tragen. Doch in aussichtslosen Fällen, in denen die Bonität des Schuldners gegen null geht, würden die Anbieter möglichst schnell die Notbremse ziehen und den Aufwand kleinhalten, sagt der Pressesprecher des Bundesverbandes Deutscher Inkasso-Unternehmen: „Es macht nun einmal keinen Sinn, schlechtes Geld dem guten hinterzuwerfen.“

Weber rät: Betriebsinhaber, die bislang mit keinem Inkassounternehmen zusammenarbeiten, sollten sich mehrere Angebote einholen und miteinander vergleichen.

Öffentliche Hand ist „oft“ ein schlechter Zahler

Die Unternehmerfrau Simone Menke ärgert sich vor allem über Privatkunden, die ihre Rechnungen ignorieren. Kommt es vor, dass öffentliche Auftraggeber nicht bezahlen? „Allerdings“, sagt die Inkasso-Unternehmerin Bernhardt. Die öffentliche Hand sei „oft“ ein schlechter Zahler: „Hier wird geprüft, da wird geprüft, die Rechnungen werden über lange Zeiträume verschleppt.“

Und es gäbe noch eine Veränderung, zu ihren Kunden würden neuerdings auch Beerdigungsinstitute gehören: „Das gab es früher nicht, Beerdigungen wurden bezahlt. Jetzt kommen Sparten dazu, die wir sonst nicht hatten.“

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