Die Zahl der Krankschreibungen ist bei jungen Beschäftigten höher als bei Durchschnitt aller Mitarbeiter.
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Fakten von der Krankenkasse

Kranke Azubis: Diese Gewerke sind besonders betroffen

In welchen Handwerksberufen gibt es die meisten Azubi-Krankschreibungen? Und wie oft sind im Vergleich ihre Kollegen krank? Hier kommen die Fakten.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick

  • Junge Beschäftigte fallen häufiger krank aus als ältere – das ist statistisch bewiesen.
  • Wie unterschiedlich die Zahl der Krankschreibungen pro Jahr zwischen Auszubildenden und der Gesamtheit der Beschäftigten ausfallen, weiß das Wissenschaftliche Institut der AOK für ihre Mitglieder.
  • Wichtig: Die Häufigkeit der Krankschreibungen hat keine Aussagekraft über die Zahl der Krankentage. Trotz meist weniger Krankschreibungen haben ältere Beschäftigte im Schnitt mehr Krankentage als junge Mitarbeiter.
  • Wie schneidet Ihr Beruf ab? Wir haben die Fälle von Arbeitsunfähigkeit für 45 Berufe im Jahr 2018 grafisch aufbereitet. Mit dabei sind unter anderem Berufe in den Branchen Bau und Ausbau, im SHK- und Elektrohandwerk, dem Fahrzeuggewerbe und dem Lebensmittelhandwerk.

Viele Handwerksbetriebe klagen über die Fehltage ihrer Mitarbeiter. In einem Betrieb fällt der Kollege mit Mückenstich oder Fußpilz aus, im nächsten ist der Auszubildende nur an zwei von zwölf Monaten voll einsatzfähig. Insbesondere unter Auszubildenden sei die Zahl der Krankschreibungen hoch, kritisieren Unternehmer – und die Statistiken der Krankenkassen geben ihnen recht.

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Krankenstatistiken für Azubis in 45 Berufen

Doch lassen sich Auszubildende in allen Handwerkbranchen gleich häufig krankschreiben oder gibt es Unterschiede zwischen den Branchen? Das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) kennt die genauen Zahlen für die beschäftigten AOK-Mitglieder. Es hat uns aktuelle Daten für 45 Handwerksberufe zur Verfügung gestellt.

Die Daten ermöglichen einen Vergleich der Häufigkeit von Krankschreibungen zwischen den Auszubildenden eines Berufs und der Häufigkeit von Krankschreibungen aller Beschäftigten dieses Berufs. Wir haben die Datensätze des Jahres 2018 für Sie grafisch aufbereitet. Die einzelnen Berufe wurden dazu folgenden sechs Gruppen zugeordnet:

  • Berufe in der Bau-Branche
  • Berufe in der Ausbau-Branche
  • Berufe in Sanitär, Elektro und IT
  • Berufe in Metall, Glas sowie Garnherstellung
  • Berufe mit Fahrzeugbezug
  • Berufe im Bereich Nahrung, Gesundheit, private Bedarfe

Bis auf einen Ausreißer ist allen Berufen gemein, dass die Auszubildenden mehr Arbeitsunfähigkeits-Fälle (AU-Fälle) pro 100 Beschäftigte haben als der Rest der Beschäftigten. AU-Fälle bedeutet: Es wird nur die Anzahl der Krankschreibungen pro 100 Beschäftigte gezählt.

So häufig fallen Azubis in der Bau-Branche aus

Foto: Gille, Daten: WIdO

Auf die meisten Krankschreibungen kamen in der Bau-Branche Auszubildende im Bereich Beton- und Stahlbetonbau mit 446 AU-Fällen pro 100 Beschäftigte. Sie fielen 2018 etwa dreimal häufiger aus als der Durchschnitt aller Beschäftigten des Berufs. Hohe Ausfallraten gab es auch im Straßen- und Asphaltbau sowie den Stuckateuren mit jeweils über 400 AU-Fällen pro 100 Mitarbeiter.

Im Mittelfeld lagen die Azubis in den Berufen Isolierung, Maurerhandwerk und Schornsteinbau mit zwischen 375 und 355 AU-Fällen. Die wenigsten Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen reichten Auszubildende im Zimmererhandwerk ein. Hier kamen 258 AU-Fälle auf 100 Auszubildende. Aus den acht aufgeführten Berufen der Bau-Branche ergibt sich ein Durchschnitt der Azubi-Ausfälle von rund 370 AU-Fällen pro 100 Beschäftigte.

Azubi-Ausfälle im Ausbau

Foto: Gille, Daten: WIdO

Im Ausbau-Bereich verzeichnete das Gerüstbauerhandwerk mit rund 443 AU-Fällen pro 100 Beschäftigte die meisten Arbeitsunfähigkeitsfälle. Im Schnitt kamen 2018 demnach knapp 4,5 Krankenscheine auf einen Auszubildenden. Bildhauer sowie Maler- und Lackierer folgten mit rund 370 AU-Fällen auf 100 Beschäftigte. Im Mittelfeld lag das Dachdeckerhandwerk (345 AU-Fälle) sowie der Holz-, Möbel-, und Innenausbau. Rund 300 AU-Fälle pro 100 Beschäftigte gab es unter Auszubildenden der Kältetechnik sowie des Steinmetzhandwerks.

Die wenigsten Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen wurden den Schornsteinfeger-Azubis ausgestellt – hier waren es nur 225 AU-Fälle pro 100 Beschäftigte. Aus den neun aufgeführten Ausbauberufen ergibt sich ein Durchschnitt von gut 325 AU-Fällen pro 100 beschäftigte Azubis.

Azubi-Ausfälle in den Branchen Sanitär, Elektro und IT

Foto: Gille, Daten: WIdO

In den Branchen Sanitär, Elektro und IT führen Azubis des SHK-Handwerks die Liste der AU-Fälle 2018 mit 343 pro 100 Mitarbeiter an. Dicht dahinter landen Bauelektriker (331 AU-Fälle) und Elektromaschinentechniker (322 AU-Fälle). Besonders klein war die Lücke zwischen den AU-Fällen von Auszubildenden und allen Beschäftigen unter den Elektrotechnikern ohne Spezialisierung und in der Automatisierungstechnik. Im Bereich Automatisierungstechnik kamen Auszubildende auf 250 AU-Fälle pro 100 Mitarbeiter, während alle Beschäftigten des Berufs auf gut 193 AU-Fälle kamen.

Krankheitsfälle in Berufen mit Fahrzeugbezug

Foto: Gille, Daten: WIdO

Deutlich niedriger als im Bereich Bau und Ausbau lag 2018 die Häufigkeit von Krankschreibungen unter Auszubildenden im Bereich Fahrzeuge. Hier kamen die Auszubildenden unter den sechs untersuchten Berufen auf durchschnittlich gut 280 AU-Fälle pro 100 Beschäftigte.

Die meisten AU-Fälle (358 pro 100 Beschäftigte) gab es unter Auszubildenden im Bereich Fahrzeuglackierung, gefolgt von den Kraftfahrzeugtechnikern mit 335 AU-Fällen pro 100 Auszubildende. Als einziger der untersuchten Handwerksberufe verzeichnete die Schiffbautechnik weniger AU-Fälle unter den Azubis als unter allen Beschäftigten. Auszubildende hatten hier nur 154 AU-Fälle pro 100 Mitarbeiter.

Arbeitsunfähigkeit in Metallberufen, Glas und Garnherstellung

Foto: Gille, Daten: WIdO

Die Liste der Arbeitsunfähigkeitsfälle pro 100 Mitarbeiter führten 2018 in diesen Berufen die Auszubildenden der Garn- und Seilherstellung (409 AU-Fälle), Glasapparatebau (401 AU-Fälle) und Metallbau (395 AU-Fälle) an. Niedriger war das Niveau in den Berufen Klempnerei, Feinwerktechnik, Glaserei und Werkzeugtechnik, wo die AU-Fälle pro 100 Beschäftigte etwa zwischen 350 und 325 lagen.

AU-Fälle in den Branchen Nahrungsmittel, Gesundheit, private Bedarfe

Foto: Gille, Daten: WIdO

Das Friseurgewerbe führt die Liste der Arbeitsunfähigkeitsfälle in diesem Gewerbemix 2018 an. Hier kamen Auszubildende auf 318 AU-Fälle pro 100 Mitarbeiter. Die Gesamtheit der beschäftigten Friseure verzeichnete nur gut halb so viele AU-Fälle. Die häufigsten Azubi-Krankschreibungen unter den Gesundheitsberufen gab es 2018 bei den Augenoptikern mit 305 AU-Fällen pro 100 Mitarbeiter, dicht gefolgt von Auszubildenden der Orthopädie- und Rehatechnik.

Die wenigsten Krankheitsfälle der Gesundheitsgewerke hatten die Auszubildenden der Hörgeräteakustik mit 259 AU-Fällen. Die Zahntechniker hatten 20 AU-Fälle mehr pro 100 Mitarbeiter. Die wenigsten AU-Fälle hatten in dieser Gruppe die Azubis der Back- und Konditoreiwarenherstellung mit 249 AU-Fällen pro 100 Mitarbeiter.

Was die Statistiken aussagen – und was nicht

Die Anzahl der AU-Fälle sagt nichts über die Anzahl der Fehltage. Vielmehr ist die Zahl der Fehltage im Durchschnitt aller Beschäftigten höher als in der Gruppe der jüngeren Beschäftigten und Auszubildenden, betont das WIdO. Grund ist, dass ältere Beschäftigte häufiger mit Krankheitsbildern ausfallen, die eine lange Genesungszeit haben.

Das WIdO weist zudem darauf hin, dass die überdurchschnittliche Häufigkeit von AU-Fällen der Auszubildenden im Handwerk keine Besonderheit dieser Berufsgruppe ist. Der Effekt sei grundsätzlich bei jüngeren Beschäftigten zu beobachten.

Die genauen Daten zu den Diagrammen finden Sie hier im Excel-Dokument.

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