Künstliche Intelligenz wird im Handwerk öfter eingesetzt, als mancher Unternehmer glaubt.
Foto: Mittelstand-Digital Zentrum Kaiserslautern
Künstliche Intelligenz wird im Handwerk öfter eingesetzt, als mancher Unternehmer glaubt.

6 Fragen, 6 Antworten – so einfach ist KI

Künstliche Intelligenz: Unterschätzte Helfer für Handwerker

Sie denken, künstliche Intelligenz ist nichts für Ihren Betrieb? Dann unterschätzen Sie die Chancen und die Entlastung, die sie für Handwerker bringen kann.

  • In vielen Handwerksbetrieben sind Prozesse schon digitalisiert – und sie basieren auf Technologien, die künstliche Intelligenz (KI) nutzen.
  • Von der digitalen Rechnungslegung, der Zeiterfassung oder der Materialverwaltung bis hin zu Chatbots – all das sind gängige KI-gestützte Systeme.
  • Künstliche Intelligenz entlastet Betriebe im Handwerk dort, wo Arbeiten anfallen, die nicht in die fachliche Kernkompetenz fallen und viel Zeit fressen, wie Tabellenerstellung oder Verbrauchsprognosen.
  • Betriebe, die konkrete digitale Projekte planen oder sich über Möglichkeiten von KI informieren wollen, können die kostenfreie Dienstleistung der Mittelstand-Digital-Zentren in Anspruch nehmen.

Digitalisierung ist für viele Handwerksbetriebe eine Chance, am Markt zu bestehen. Für digitalen Fortschritt braucht es neue digitale Technologien – dazu gehört auch die künstliche Intelligenz (KI). Die ist im Handwerk schon weiter verbreitet, als mancher Unternehmer glaubt: Denn nicht immer wird ein digitaler Prozess, der auf KI beruht, auch so genannt. KI kann für Betriebe eine große Entlastung im täglichen Ablauf sein – und ist vergleichsweise einfach zu implementieren, wie die folgenden Fragen und Antworten zeigen:

1. Was ist „künstliche Intelligenz“ und was kann sie?

Mit künstlicher Intelligenz wird die Lernfähigkeit eines Systems auf Basis von Daten beschrieben. Als Daten zählen in diesem Fall nicht nur Zahlen und Fakten, sondern beispielsweise auch Erfahrungswerte von Betrieben in Sachen Material- oder Personalplanung. „Eine KI imitiert menschliche kognitive Fähigkeiten, sie kann sich also Dinge merken, die ihr zuvor beigebracht wurden“, sagt Paulina Merkel, KI-Koordinatorin beim Mittelstand-Digital-Zentrum Hannover. Mithilfe einer KI können Unternehmen Informationen und Probleme bearbeiten und sich im täglichen Betriebsablauf digitale Unterstützung holen.  

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2. Welche Voraussetzungen brauchen Betriebe für KI?

Wer KI im Betrieb einsetzen möchte, sollte laut Merkel die generelle Bereitschaft zur Digitalisierung besitzen. Zudem müssen Betriebe Daten und Informationen zusammenstellen, um die KI anzulernen. Ein Querschnitt von Rechnungen eines Lieferanten bildet beispielsweise die Grundlage für die digitale Erstellung einer zukünftigen Materialplanung durch ein System, das künstliche Intelligenz nutzt.

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Handwerker müssen auch Zeit dafür einplanen, die künstliche Intelligenz mit ihren Informationen anzulernen und Geduld haben, bis das System nach ihren Bedürfnissen läuft. Bei den technischen Aspekten stehen ihnen die Experten der Mittelstandszentren zur Seite. Zudem muss regelmäßig geprüft werden, ob die Arbeitsweise noch zeitgemäß ist. „Das ist wie beim Menschen: Wenn wir neue Erkenntnisse gewinnen oder sich äußere Faktoren ändern, passen wir die entsprechenden Prozesse „offline“ an“, sagt Merkel. Eine KI arbeite ebenso mit „Feedback“ weiter und ändere die Arbeitsweise nach Aufforderung.

3. Welche Aufgaben kann eine KI übernehmen?

„Handwerksbetriebe können einer künstlichen Intelligenz Tätigkeiten überlassen, die vom Ablauf her einfach sind, die viel Zeit in Anspruch nehmen und die im Alltag ständig wiederkehren“, sagt Merkel. Der Einsatz von KI habe immer zum Ziel, Handwerker bei Aufgaben zu entlasten, die nicht in ihrer Kernkompetenz liegen. „Einfache Aufgaben“ seien zum Beispiel Tabellen erstellen oder Informationen erfassen – wie bei der Abarbeitung von Rechnungen oder der Materialbestellung. „Es betrifft oft administrative Dinge, die vom produktiven Arbeiten abhalten“, fasst die Expertin zusammen.

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4. Wie finden Handwerker heraus, ob KI etwas für Ihren Betrieb ist?

„Wenn Unternehmen bereit sind, die bereits genannten Voraussetzungen zu erfüllen und ein konkretes Ziel oder Projekt vor Augen haben, spricht nichts gegen den Einsatz von KI“, betont die KI-Koordinatorin. Um Betrieben die Entscheidung für oder gegen KI-gestützte Prozesse zu erleichtern, hat das Mittelstand-Digitalzentrum Kaiserslautern einen „KI-Readiness-Check“ entwickelt. „Das ist ein kostenfreier Online-Test für unentschlossene Unternehmer. Anhand des Ergebnisses wird ihnen oft bewusster, welches ungenutzte KI-Potenzial im Betrieb schlummert oder was noch zu tun ist, bevor digitalisiert werden kann“, erläutert Merkel. 

5. In welchen Bereichen wird KI im Handwerk schon genutzt?

„Es wird schon einige Zeit in Bereichen der Rechnungsstellung, Zeiterfassung, der Material- und Einsatzplanung genutzt“, sagt die KI-Expertin. Aber auch in der Kundenkommunikation nehmen beispielsweise Chatbots Betrieben Arbeit ab: Sie filtern Kundenanfragen, leiten sie an den richtigen Ansprechpartner weiter oder beantworten Fragen rund um das Angebotsspektrum. Einige weitere Beispiele: 

  • Mehrere Branchen nutzen bereits Angebots-Apps und sparen damit Zeit bei der Auftragskalkulation und -erstellung.
  • In der Gebäudetechnik teilautomatisieren digitale Kalkulatoren den Angebotsprozess. Mit Hilfe von KI werde das Leistungsverzeichnis auf Hinweise, Potenziale und Risiken analysiert.
  • Im Elektro- und SHK-Handwerk werden KI-Technologien eingesetzt, um das Geschäftsfeld Smart Living voranzutreiben.
  • Lebensmittelverarbeitende Betriebe nutzen KI, um aus bisherigen Verkaufszahlen, in Kombination mit Wetter- und Kalenderdaten und weiteren Informationen ihre zukünftige Bedarfe zu schätzen. Das reduziere Angebotsengpässe und Warenverschwendung.

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6. Wo finden Handwerker Beratung und Unterstützung für KI-Projekte?

„Die Mittelstand-Digital-Zentren sind eine gute Anlaufstelle. Wir beraten und unterstützen Betriebe generell kostenfrei. Erfahrene KI-Experten begleiten die Planung und Umsetzung von digitalen Projekten“, sagt Paulina Merkel. Betriebe können für den Einstieg auch an Online-Seminaren teilnehmen. Als weitere Anlaufstellen nennt sie die Digitalisierungsberater der Handwerkskammern und andere Anbieter-neutrale KI-Beratungsstellen.

Kostenfreie Workshops für Betriebe und Beschäftigte – Hier anmelden!

Sie wollen sich mit künstlicher Intelligenz beschäftigten oder ein konkretes Projekt in Ihrem Betrieb umsetzen? Die Handwerkskammer Hannover Projekt- und Servicegesellschaft mbH hat in Zusammenarbeit mit überregionalen Partnern das Projekt „Kompetenzen über künstliche Intelligenz aufbauen“ (KomKI) entwickelt.

In kostenfreien sogenannten KI-Werkstätten lernen Betriebsinhaber und Mitarbeiter, wie sie künstliche Intelligenz (KI) gewinnbringend im Handwerk einsetzen. Dazu hat das Projektteam über 30 Qualifizierungsbausteine für Betriebe und Beschäftigte unter anderem in den Bereichen Führung und KI, Organisation und KI oder Gesundheit und KI entwickelt.

Betriebe oder einzelne Beschäftigte sollen mithilfe von Qualifizierungsbausteinen interne Veränderungspotenziale besser erkennen und mit dem Wissen KI-getriebene Veränderungsprozesse anstoßen und begleiten.

Die meisten Qualifizierungsbausteine finden abends online statt. Für den persönlichen Austauscht sind auch Präsenz-Workshops geplant. Die Teilnahme ist kostenfrei, die Qualifizierungsbausteine starten am 10. Mai 2022 – hier geht’s zur Projekt-Website und Anmeldung: https://www.hwk-psg.de/komki

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Kristina Mangold leitet bei der Handwerkskammer Hannover Projekt- und Servicegesellschaft mbH das Projekt KomKI.
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