Eine künstliche Intelligenz soll im Elektrobetrieb von Michael Huwald helfen, Materialverbrauch und Personaleinsatz im Blick zu behalten.
Foto: Janko Woltersmann
Eine künstliche Intelligenz soll im Elektrobetrieb von Michael Huwald helfen, Materialverbrauch und Personaleinsatz im Blick zu behalten.

Künstliche Intelligenz

Kosten sparen: Mit Baustellen-Kennzahlen auf Knopfdruck

Dieser Betrieb wünscht sich verlässliche Prognosen über Materialverbrauch und Mitarbeiterstunden. Sein Lösungsansatz: künstliche Intelligenz.

Auf einen Blick:

  • Wie kann mein Betrieb verlässlich abschätzen, wie viel Material und Mitarbeiterstunden eine Baustelle wirklich umfasst? Diese Frage stellt sich Unternehmer Michael Huwald schon einige Zeit.
  • Durch ein Projekt der Handwerkskammer Hannover Projekt- und Servicegesellschaft mbH hat er Anforderungen ermittelt, mit der eine künstliche Intelligenz für seinen Elektrobetrieb diese Probleme lösen könnte.
  • Noch ist die Software nicht fertig, aber mit ihr will der Betrieb Kosten sparen und Algorithmen auf mehrere Bereiche des Unternehmens anwenden. Auch Synergien mit anderen Betrieben will Huwald schaffen.
  • Das KI-Projekt steht auch für andere Handwerker offen: Sie können sich kostenfrei für die Angebote rund um das Thema künstliche Intelligenz anmelden.

Schon seit längerer Zeit arbeitet Michael Huwald daran, seine Kosten für den Materialverbrauch zu reduzieren und die Arbeitsstunden seines Teams bestmöglich zu kalkulieren. Am liebsten hätte der Geschäftsführer von Elektro Rieger in Langenhagen bei Hannover eine digitale Lösung, mit der er Baustellen und Projekte noch vorausschauender planen kann.

Kostenkontrolle für mehr Effizienz

„Bisher habe ich kein Programm auf dem Markt gefunden, das mir per Knopfdruck verrät, wo die Baustellen in punkto Materialverbrauch und Arbeitsstunden stehen“, sagt der Unternehmer. Er denke beispielsweise an Kennzahlen wie die Stundenanzahl der Mitarbeitenden oder den aktuellen Verbrauch von Kabeln ein einem Gebäude im Vergleich zu dem, was er im Angebot eingeplant hat. „Das würde auch den Abgleich mit dem Leistungsverzeichnis und den Nachtrag von Baustellen erleichtern“, betont Huwald.

Beispiel: In einem Gebäude werden Kabel im Rohbau auf Filigrandecken verlegt. Im Leistungsverzeichnis plant der Fachplaner die Mengen vor. Die sind Basis des Vertrags. Während der Bauphase werden die tatsächlichen Mengen ermittelt. Die KI würde auf Basis der Eingangsrechnungen den Abgleich zu den geplanten Mengen automatisch ermitteln und im Falle von Abweichungen von mehr als +/- 5 Prozent eine Meldung ausgeben. Daraus würden Mehr- oder Minderkosten resultieren, die je nach Vertragsart geltend gemacht werden können. Dies könne man zwar auch manuell ermitteln, das sei aber extrem zeitaufwändig.

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KI-Projekt für Handwerksbetriebe genutzt

Auf die Idee, eine solche künstliche Intelligenz als Unterstützung programmieren zu lassen, ist der Handwerker durch ein Angebot der Handwerkskammer Hannover Projekt- und Servicegesellschaft mbH gekommen. „Die KI-Werkstätten kamen zu einer Zeit, in der ich auf der Suche nach innovativen Lösungen war“, berichtet er. In Workshops mit KI-Experten des Heinz-Piest-Instituts hätten sie sich Stück für Stück an die Anforderungen einer Software getastet, die für seinen Betrieb eine gute Lösung sein könnte.

Fragestellungen, mit denen Huwald in das KI-Programm gestartet ist, sind beispielsweise: Welche Möglichkeiten gibt es für den Einsatz von künstlicher Intelligenz in meinem Betrieb? Was genau ist sinnvoll einsetzbar und auch finanzierbar? Was können wir langfristig nutzen? Wie können wir mit anderen Elektrobetrieben zusammenarbeiten und Synergien schaffen?

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Was soll sich mit einer neuen KI ändern?

„Meine Vorstellung ist, dass ich das Dashboard öffne und auf einen Blick erkennen kann, wo etwas hakt und in welchen Bereichen alles glatt läuft“, sagt der Unternehmer. Langfristig stelle er sich vor, dass er mithilfe der KI auch Kennwerte skalieren und auf andere Bereiche des Unternehmens übertragen kann.

Beispiel 1: Im Bereich Kundendienst könnte eine KI Hochrechnungen anstellen, „welches Auftragsvolumen in welchem Monat zu erwarten ist oder welcher Mitarbeiterbedarf besteht“. Dafür sei eine möglichst große Datenbasis notwendig, um die Hochrechnung so verlässlich wie möglich zu erstellen.

Beispiel 2: Bei den Großprojekten des Elektrobetriebs könnte Huwald Unterstützung bei der Überprüfung der Kalkulation auf Basis vorangegangener Projekte gebrauchen. Eine KI könnte auch Hochrechnungen dazu anstellen, welche Materialeinkaufspreise zum Zeitpunkt des Bedarfs zu erwarten sind. Nicht zu vergessen seien die Stunden- und Materialkalkulation gerade bei kritischen Großbaustellen.

Gern sei er auch bereit, diese neuen Informationen mit anderen Betrieben aus der Branche zu teilen. „Uns ist es wichtig, dass wir Synergien mit anderen Handwerkern schaffen und gemeinsam vorankommen“, betont er.

Derzeit nutzt Elektro Rieger schon ein Programm, das beispielsweise den Materialverbrauch erfasst und auch die Stundenzahl der Mitarbeiter. Eine Anfrage beim Software-Entwickler für eine Erweiterung der Funktionen laufe bereits. Doch „ob er diese Wünsche alle umsetzen kann“, weiß Huwald noch nicht. „Wir sind ergebnisoffen an das Projekt rangegangen“, sagt er.

Kostenfreies Angebot zu KI-Themen

Das Projekt „Kompetenz über künstliche Intelligenz aufbauen“ (Komki) der Handwerkskammer Hannover Projekt- und Servicegesellschaft mbH läuft seit dem Frühjahr. Neben Workshops für Betriebe finden noch bis Mai 2023 immer dienstags von 18 bis 20 Uhr kostenfreie Online-Seminare statt. Die Teilnahme von Betriebsinhabern oder Mitarbeitenden im Handwerk ist kostenfrei. Dabei können Interessierte Qualifizierungsbausteine aus den fünf Themenfeldern KI-Grundlagen, Organisation, Führung, Sicherheit und Gesundheit wählen. Hier geht es zur Übersicht und Anmeldung.

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