Der Arbeitgeber muss dafür sorgen, dass der Angestellte ihn auch nehmen kann, urteilte das Bundesarbeitsgericht.
Foto: detailblick - Fotolia.com

Urteil

Nicht genommener Urlaub verfällt nicht automatisch

Bundesarbeitsgericht stärkt Rechte der Arbeitnehmer: Künftig müssen Chefs dafür sorgen, dass ihre Mitarbeiter ihren Jahresurlaub nehmen können.

Jeder Arbeitnehmer hat Anspruch auf Jahresurlaub. Doch was ist, wenn ein Beschäftigter seine freien Tage nicht nimmt? Bislang sah das Bundesurlaubsgesetz vor, dass Urlaub, der bis zum Jahresende nicht gewährt und genommen wird, verfällt. Das galt sogar dann, wenn der Arbeitnehmer rechtzeitig, aber ohne Erfolg versucht hat, seine freien Tage zu nehmen. Doch das wird sich nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichtes (BAG) jetzt ändern.

Der Fall: Ein Wissenschaftler hat seinen Ex-Arbeitgeber auf Schadensersatz für nicht genommen Urlaub verklagt. Fast 12.000 Euro fordert der Mann für 51 verfallene Tage.

Das Urteil: Der Anspruch eines Arbeitnehmers auf seinen Urlaub erlischt nur dann am Ende des Kalenderjahres, wenn der Arbeitgeber ihn zuvor über seinen Anspruch und die Verfallsfristen informiert hat, urteilte das BAG. Damit setzte es eine Vorabentscheidung des Europäischen Gerichtshofes um. Laut Arbeitszeitrichtlinie der EU (2003/88/EG) obliege dem Arbeitgeber die „Initiativlast für die Verwirklichung des Urlaubsanspruchs“.

In der Praxis bedeutet das: Der Arbeitgeber muss dafür sorgen, dass der Arbeitnehmer seinen Urlaub nehmen kann. Falls erforderlich, müsse der Arbeitgeber seinen Beschäftigten förmlich dazu auffordern, die freien Tage zu nehmen, so das BAG. Außerdem muss er klar und rechtzeitig auf den drohenden Verfall der Urlaubstage hinweisen. Offen blieb allerdings, welche Auflagen hier einzuhalten sind. Im Fall des Wissenschaftlers wird das jetzt das Landgericht München klären.

BAG, Urteil vom 19. Februar 2019, Az. 9 AZR 541/15

Auch interessant:

Lohnverzug: Kein pauschaler Schadensersatz zu zahlen

Ein Arbeitgeber zahlt Teile des Lohns nicht aus. Der Angestellte will zusätzlich Schadenersatz. Zu Unrecht, urteilte das Bundesarbeitsgericht.
Artikel lesen >

Betriebe müssen keinen stundenweisen Urlaub gewähren

Mitarbeiter haben keinen rechtlichen Anspruch darauf, statt ganzer Arbeitstage nur wenige Stunden Urlaub zu nehmen. Das gilt auch dann, wenn der Arbeitgeber in der Vergangenheit eingewilligt hatte.
Artikel lesen >
18 Stuckateure schafften mit ihrem Stuckstab einen Eintrag in Guinness Buch der Rekorde.
Foto: Argus - stock.adobe.com

Panorama

Weltrekord: Stuckateure fertigen 105-Meter-Stuckstab

Azubis und Profis arbeiteten für einen Eintrag ins Guinness-Buch Hand in Hand. Handwerker wollten so auch für die Attraktivität der Bauberufe werben.

Laut einer Befragung der KfW-Bankengruppe planen 52,2 Prozent fest, in den kommenden 2 Jahren in Digitalisierung zu investieren.
Foto: opolja - stock.adobe.com

Unternehmensbefragung der KfW

Digitalisierung: Jeder zweite Betrieb plant Investitionen

Im Handwerk wollen viele Betriebe digitalisieren. Doch wofür planen sie, Geld auszugeben, und was sind die größten Hemmnisse? Eine Studie liefert Antworten.

Dann hören Sie auf Ihr Bauchgefühl und schließen Sie keine Verträge am Telefon ab. Und achten Sie auf Hinweise, die deutlich machen, dass vielleicht ein Betrüger an der Strippe sein könnte.
Foto: olly - Fotolia.com

Marketing und Werbung

5 Tipps: Werbeanrufer erkennen und ihre Tricks gezielt nutzen

In der Flut der täglichen Anrufe ist es schwer, ernst gemeinte von unseriösen Angeboten zu unterscheiden. So erkennen Sie lästige Anrufer und nutzen ihre Tricks.

Er will demnächst die Fahrzeuge mit GPS-Ortung ausstatten und eine digitale Zeiterfassung einführen.
Foto: Privat

Digitalisierung + IT

Serie: Genial digital! So nutzen Handwerker die Digitalisierung

Was sind die beliebtesten Handwerker-Apps, welche Social-Media-Strategie hat sich im Betrieb bewährt? Das verraten Handwerker in dieser Kurzinterview-Reihe.