Foto: peterschreiber.media - stock.adobe.com
Zwei Autos im Preisvergleich

Steuern

Wann bleibt der Firmenwagen steuerfrei?

Als Firmenwagen ein nagelneuer Kastenwagen, privat ein 15 Jahre alter Mercedes? Als Anscheinsbeweis für die private Nutzung ist das nicht genug, entschied ein Finanzgericht.

In der Regel geht das Finanzamt davon aus, dass ein für die private Nutzung geeigneter Firmenwagen auch privat genutzt wird. Anscheinsbeweis nennt sich das im Steuerdeutsch und der ist in der Regel schwer zu widerlegen. Unmöglich ist es jedoch nicht, wie ein Urteil des niedersächsischen Finanzgerichts zeigt.

Der Fall: Als Firmenwagen stand dem Unternehmer ein neuer Fiat Doblò Easy 2.0 16V Multijet zur Verfügung. Privat besaß er einen 15 Jahre alten Mercedes Benz C 280 T. Für die Betriebsprüfer ein klarer Fall: Der Gebrauchswert des Mercedes sei im Vergleich geringer aufgrund veralteter Technik, geringerer Sicherheitsstandards, geringeren Kofferraumvolumens, größerer Reparaturanfälligkeit und höherer Laufleistung. Auch hinsichtlich des Status sei der alte Wagen mit dem neuen nicht vergleichbar. Folglich gingen die Prüfer von einer privaten Nutzung des Fiats aus und forderten mangels Fahrtenbuch eine Steuernachzahlung.

Elektronisches Fahrtenbuch: GPS-Daten sind zu wenig

Nicht jedes elektronische Fahrtenbuch erfüllt die Anforderungen des Finanzamtes: Trotz GPS kann einiges schiefgehen.
Artikel lesen

Das Urteil: Das Finanzgericht widersprach. Dabei definierte es den Gebrauchswert allerdings anders als das Finanzamt. Es gehe um die Eignung für bestimmte Funktionen und Zwecke, insbesondere um Motorleistung, Hubraum, Höchstgeschwindigkeit und Ausstattung. Nach diesen Maßstäben sei der Mercedes mit dem Fiat gleichwertig. Zudem bewertete das Gericht den Status des Mercedes trotz des Alters höher, so dass beide Wagen insgesamt mindestens gleichwertig seien. Folglich greife der Anscheinsbeweis hier nicht. (Urteil vom 19. Februar 2020, Az. 9 K 104/19)

Tipp: Sie wollen beim Thema Steuern auf dem Laufenden bleiben? Dann abonnieren Sie einfach den kostenlosen Newsletter von handwerk.com. Jetzt anmelden!

Auch interessant:

Fette Strafe für schlampiges Fahrtenbuch

Das Fahrtenbuch nachträglich kaufen und befüllen – mit Fahrten an Tagen, an denen der Wagen längst verkauft war? Das kam einen Maserati-Fahrer teuer zu stehen.
Artikel lesen

Mitarbeiter haften für Fehler im Fahrtenbuch

Führt ein Mitarbeiter ein Fahrtenbuch nicht ordnungsgemäß, kann ihn der Arbeitgeber später jederzeit für die Lohnsteuer haftbar machen.
Artikel lesen
Wann bleibt der Firmenwagen steuerfrei? > Paragraphs > Image Paragraph
Zwei Autos im Preisvergleich

Wir haben noch mehr für Sie!

Praktische Tipps zur Betriebsführung und Erfahrungsberichte von Kollegen gibt es dienstags und donnerstags auch direkt ins Postfach: nützlich, übersichtlich und auf den Punkt.
Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an - schnell und kostenlos!
Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter. Die Übermittlung erfolgt verschlüsselt. Zu statistischen Zwecken führen wir ein anonymisiertes Link-Tracking durch.

Steuern

Kein Firmenwagen für Ehefrau mit Minijob

Ein Firmenwagen zur uneingeschränkten privaten Nutzung – für eine Ehefrau mit Minijob? Zu viel, sagt der Bundesfinanzhof und kassiert Betriebsausgabenabzug.

    • Steuern, Fuhrpark

Steuern

Wie wird der Verkauf eines privat genutzten Firmenwagens besteuert?

Der Verkaufserlös eines teilweise privat genutzten Firmenwagens ist auch dann voll steuerpflichtig, wenn das Finanzamt die Privatnutzung zuvor als Nutzungsentnahme besteuert hat.

    • Steuern
Ob das Finanzamt nach der privaten Nutzung beim Verkauf des Firmenwagens doppelt kassieren darf, muss das Bundesverfassungsgericht entscheiden.

Steuern

Unfaire Steuerregelung beim Verkauf des Firmenwagens

Der Verkaufserlös für einen überwiegend privat versteuerten Firmenwagen ist vollständig als Betriebseinnahme steuerpflichtig. Dagegen läuft eine Klage.

    • Steuern
Handwerk Archiv

Steuern

Entschädigung für Firmenwagen

Nutzt ein Mitarbeiter den Firmenwagen für Privatfahrten, dann muss er dafür Steuern zahlen. Steuerlich günstiger kann es sein, dem Unternehmer für solche Fahrten eine Entschädigung zu zahlen.

    • Archiv