Welches Fachwissen ist nötig, um eine Photovoltaik-Anlage aufs Dach zu bringen? Es gehe um die Statik des Dachstuhls und den Zustand der Dachabdeckung, sagt Dachdeckermeister Jan Voges. Wer das nicht beachtet, müsse mit Problemen rechnen. 
Foto: Werner Kaiser
Welches Fachwissen ist nötig, um eine Photovoltaik-Anlage aufs Dach zu bringen? Es gehe um die Statik des Dachstuhls und den Zustand der Dachabdeckung, sagt Dachdeckermeister Jan Voges. Wer das nicht beachtet, müsse mit Problemen rechnen. 

Inhaltsverzeichnis

Energiekosten

Solarteure: Schulung macht noch keinen Meister

Photovoltaikanlagen boomen, doch nicht jedes Angebot ist verlässlich – und ein Gewerk muss es ausbügeln. Woran liegt das?

Auf einen Blick:

  • Bei den Dachdeckern häufen sich Beschwerden über Pfusch bei der Installation von Photovoltaik-Anlagen. Dabei sind die Handwerker eigentlich die falsche Adresse: Probleme scheinen Kunden eher mit Solarunternehmen, Solarteuren & Co zu haben.
  • Problem Nr. 1: Photovoltaik darf jeder installieren. Erst wenn es um Arbeiten am Dach und am Stromnetz geht, greift das Handwerksrecht.
  • Problem Nr. 2: Schulungsangebote rund um Photovoltaik gibt es viele. Mal steigen qualifizierte Fachkräfte aufs Dach, mal sind es geschulte Helfer. Es kommt darauf, wer sich um qualifizierte Arbeiten kümmert, wer sie verantwortet und wer dabei zuarbeitet.
  • Die Folgen: Verunsicherte Kunden und Notfalleinsätze an offenen Dächern. Die kennt auch Dachdeckermeister Jan Voges. Seine Sorge gilt PV-Anbietern, „die sich nicht um die Handwerksordnung scheren“.

Mit der Nachfrage nach Photovoltaik wächst die Zahl der Betriebe, die solche Anlagen installieren. Nicht jeder Anbieter scheint dieser Aufgabe gewachsen, wie eine aktuelle Umfrage des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) zeigt: Rund 60 Prozent der 1.168 teilnehmenden Innungsbetriebe meldeten Reparaturaufträge an von „PV-Monteuren“ verursachten Schäden. „40 Prozent davon betrafen Schäden bei der Abdichtung und über 60 Prozent mussten die Dachdeckung ausbessern“, berichtet ZVDH-Hauptgeschäftsführer Ulrich Marx. Verursacher der Schäden seien „überwiegend“ Solarunternehmen, die nicht in der Handwerksrolle eingetragen sind und auch nicht mit Meisterbetrieben zusammenarbeiten.

 „Ein undichtes Dach ist uncool“

Dachdeckermeister Jan Voges aus Lamspringe kennt solche Probleme: „Wir wurden in den vergangenen Monaten zu drei Dächern gerufen, bei denen ein Solarteur die Arbeiten abgebrochen hatte. Da lag nur Schutt auf dem Dach, alles war kurz und klein getreten“, berichtet der Handwerker.

Voges hat sich auf energetische Dachsanierungen spezialisiert und kennt deren Herausforderungen: Trägt der Dachstuhl die zusätzliche Last einer PV-Anlage? Hält die Dacheindeckung über die gesamte Nutzungsdauer der Anlage? Wie lassen sich die PV-Paneele so installieren, dass keine undichten Stellen entstehen? „Photovoltaik ist wirklich wichtig für die Klimawende“, sagt Voges, „aber ein undichtes Dach ist uncool. Stellen Sie sich vor, Sie stehen mit einem offenen Dach da und der Solarteur weiß nicht weiter, weil die Statik die Anlage nicht trägt.“

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Solarteur ist kein Ausbildungsberuf

Das Problem: Jeder darf Photovoltaik installieren. Außer wenn es um Arbeiten am Dach geht oder um das Stromnetz. Da spreche „das Handwerksrecht eine deutliche Sprache“, sagt Ulrich Marx: „Die Installation einer PV-Anlage erfordert grundsätzlich einen Eingriff in die Dachkonstruktion.“ Daher dürften solche Arbeiten nur in der Handwerksrolle eingetragene Dachdecker, Zimmerer und Klempner ausführen. Auch das Elektrohandwerk vergisst Marx dabei nicht, „denn nur die dürfen die PV-Anlage ans Stromnetz anschließen“.

Ob das den Kunden so klar ist, wenn sie zum Beispiel einen „PV-Monteur“, „Solar-Monteur“ oder „Solarteur“ beauftragen? Qualifikation kann in diesem Markt vieles bedeuten: Mal steigen Fachkräfte aufs Dach, mal geschulte Helfer.

Herausforderungen: Manpower, Qualifikation und Verantwortung

 „Es gibt jetzt eine Menge rollender Montagetrupps“, berichtet Jan Voges. „Die müssen auch nicht per se schlecht sein, das hängt immer von der Qualifikation ab.“

Voges geht es dabei nicht nur um die Qualifikation der Helfer: „Es kommt darauf an, wer den Auftrag übernimmt: Ein qualifizierter Meisterbetrieb? Ein Solartunternehmen mit einem angestellten Meister oder mit einem Meisterbetrieb als Subunternehmer? Die machen mir keine Sorgen.“ Problematisch seien eher Anbieter, „die ganz frisch auf dem Markt sind und sich nicht um die Handwerkordnung scheren.“

Die Handwerksordnung fest im Blick haben jedenfalls die Handwerksorganisationen in ihren Fortbildungen und Schulungen. So bietet das Handwerk seit mehr als zehn Jahren eine Fortbildung zur „Fachkraft für Solartechnik (HWK)“ an. Die Kurse richten sich an Gesellen des Handwerks.

Zudem ist gerade auf Initiative der Landesvereinigung Bauwirtschaft Niedersachsen das Vorreiter-Projekt „Helfende Hände“ gestartet: Ungelernte werden in sechs Monaten zu qualifizierten Helfern in der Energie- und Gebäudetechnik fortgebildet. Das Ziel: Sie sollen Fachkräfte bei der Klimawende unterstützen. Zugleich soll die von der Arbeitsagentur gefördert Qualifizierung den Teilnehmenden einen Einstieg in das Handwerk ermöglichen – vielleicht auch in eine spätere duale Ausbildung.

Solarteure suchen die Zusammenarbeit

Gefragt scheint das Fachhandwerk indes auch bei den Solarunternehmen: In der ZVDH-Umfrage berichteten 579 Dachdecker, sie seien schon einmal von einem Solarteur als Subunternehmer angefragt worden. 290 von ihnen hätten „diese Form der Zusammenarbeit auch gewählt“.

„Bei uns rufen im Schnitt jede Woche fünf Solarunternehmen an, ob wir Dacharbeiten für sie übernehmen“, bestätigt Voges. Für ihn sei das nichts. Nicht nur, weil er mit seinen energetischen Dachsanierungen gut ausgelastet sei.

„Viele PV-Unternehmen arbeiten mit Standards, um Masse schaffen zu können“, sagt Voges. Er habe Zweifel, ob diese Standards halten, was sie versprechen: „Da muss man sich als Dachdecker immer entscheiden, ob man genau hinschaut und bei Bedarf Bedenken anmeldet oder ob man auf den Standard vertraut und das Haftungsrisiko trägt.“

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