Das ist für beide Seiten eine Herausforderung!
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Strategie

Rollenwechsel: So werden Eltern zu Chefs!

Erwachsene Kinder steigen oft als Mitarbeiter in den Betrieb ein. Was ist zu tun, damit der Rollenwechsel vom Elternteil zum Chef gelingt?

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Es ist wichtig, dass die Kinder aus freier eigener Entscheidung im Betrieb mitwirken.
  • Manche Eltern müssen den Umgang mit Töchtern oder Söhnen auf Augenhöhe erst lernen.
  • Genaue Absprachen über die Trennung von Beruf und Privatleben sind wichtig.
  • Bei Konflikten können manchmal alte Rollenmuster hochkommen.
  • Sehr gefühlsmäßig belastete Auseinandersetzungen sollten unbedingt in Abwesenheit anderer Belegschaftsmitglieder geführt werden.

Treten erwachsene Kinder als Mitarbeiter in den elterlichen Betrieb ein, ändert sich die gewohnte Familien-Konstellation. Und das ist für alle Beteiligten eine Herausforderung. Lösungsmöglichkeiten speziell für Eltern, die plötzlich die Chefs ihrer Kinder sind, zeigt die Bielefelder Unternehmensberaterin Anja Wegert.

Freiwillige Mitarbeit ist besser als Zwang

Anja Wegert warnt davor, bereits kleine Kinder auf den späteren Einstieg ins elterliche Unternehmen festzulegen. „Wenn ein junger Erwachsener aus freien Stücken in den Handwerksbetrieb seiner Eltern einsteigt, hat er eine hohe Motivation.“ Anders sehe es bei jemand aus, der dazu gedrängt werde. „Wenn er oder sie eigentlich andere Berufswünsche hat, wird er sich wenig einbringen.“

Ein selbstmotivierter Einstieg dagegen wirkt sich laut der Beraterin förderlich auf die weitere Entwicklung des Unternehmens aus. „Dazu ist intensive Auseinandersetzung mit den Wünschen des Firmen-Einsteigers, den Interessen des Handwerksbetriebs, der Kunden und der Mitarbeiter nötig.“

Achten Sie auf positive Stimmung im Betrieb!

Doch was ist, wenn der unwillige Sprössling bereits mitarbeitet? „Sie können ihn ja schlecht einfach auf die Straße setzen“, sagt Wegert. „Wenn Sie den Eindruck haben, dass er unglücklich ist, suchen Sie unbedingt das Gespräch.“ Wie die Lösung dann aussehe, hänge vom Einzelfall ab. „Vielleicht hilft es, ihm andere Aufgaben oder Verantwortungsbereiche zu geben.“

Wegert rät zu einem Gespräch über gegenseitige Interessen und unterschiedliche denkbare Lösungen. „Die Gedanken aller Beteiligten sollten zunächst vorurteilsfrei zusammengetragen werden. So kann daraus die beste Lösung abgeleitet werden.“ Es sei empfehlenswert, zur Moderation eine neutrale Person hinzuzuziehen, die sich außerhalb der geschäftlichen und persönlichen Bereiche von Familie und Betrieb befindet.

Raus aus der Elternrolle: Kommunizieren Sie auf Augenhöhe!

Jedes Elternteil hat einen bestimmten Erziehungsstil. Beim Eintritt der Kinder in den Betrieb besteht nach Ansicht von Wegert die Gefahr, die gewohnte Art des Miteinanders beizubehalten. Sie nennt ein Beispiel: Habe ein Vater seine Kinder streng und kritisch erzogen, präge das auch seine Erwartungen und seine Haltung an den Sohn oder die Tochter im betrieblichen Kontext. Doch im Unternehmen funktioniert ein „Machtwort“ nicht mehr: „Beide Seiten müssen auf Augenhöhe kommunizieren.“

Sie fügt hinzu, sonst werde der Sohn oder die Tochter auch nicht von den anderen Mitarbeitern ernst genommen. „Die Akzeptanz durch die Belegschaftsmitglieder ist unbedingte Voraussetzung dafür, dass Sohn oder Tochter die Firma später als Nachfolger übernehmen“, unterstreicht die Beraterin. Firmenchefs sollten sich bewusst machen, dass die Rollen im Betrieb anders sind: „Ihr Kind gehört zum Mitarbeiterteam. Es sollte weder besser noch schlechter als die anderen behandelt werden.“

Übertragen Sie Verantwortung

Damit ein Junior in der Firma „flügge“ wird, rät Wegert dem Betriebsinhaber, ihm nach Absprache komplett eigene Verantwortungsbereiche zu geben. „Verzichten Sie darauf, in dieses Gebiet hineinzureden. So kann ihr Kind eigene Erfahrungen sammeln, sich Respekt in der Belegschaft verschaffen und unternehmerisches Handeln lernen.“

Absprachen treffen über die Trennung von Beruf und Privatleben

Die Bielefelder Unternehmensberaterin hält es auch aus ihrer eigenen Erfahrung mehrjähriger Mitarbeit in der Firma ihres Vaters für wichtig, genaue Absprachen über das Zusammenwirken zu treffen. „Eltern und Kinder sollten sich an einen Tisch setzen und vereinbaren, wie sie mit der familiär bedingten Vermischung von Beruf und Privatleben umgehen möchten.“ Ungünstig sei es, wenn keine klaren Grenzen gezogen würden. „Es muss deutlich sein, aus welcher Rolle heraus Elternteil oder Kind gerade handeln.“

Streit? Nur unter vier Augen!

Je nachdem, wie emotional oder aufbrausend Personen sind, können Auseinandersetzungen schon mal aus dem Ruder laufen. Gibt es in der Firma zum Beispiel Streit zwischen dem Betriebsinhaber und seinem Sohn, sollte dieser nach Auffassung von Wegert in Abwesenheit der anderen Mitarbeiter geführt werden

Sie warnt vor den Folgen offen ausgetragener heftiger Streitereien: „Ein solches Verhalten wirkt unprofessionell auf die anderen Mitarbeiter. Sie werden sich sowohl vom Chef als auch vom Junior distanzieren oder den Respekt verlieren.“ Bei fortdauernden Konflikten könne externe Hilfe ein Weg aus der Sackgasse sein. „Engagieren Sie einen Coach oder Mediator, der Ihnen und Ihren Kindern den Rücken stärkt für eine effektive Zusammenarbeit im Betrieb.“

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