Niemand tut Ihnen etwas Gutes? Dann müssen Sie selbst gut für sich sorgen, um nicht auszubrennen.
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Niemand tut Ihnen etwas Gutes? Dann müssen Sie selbst gut für sich sorgen, um nicht auszubrennen.

Work-Life-Balance

Selbstfürsorge: Und wer lobt den Chef?

Im Zweifel niemand! Warum Selbstfürsorge gerade für Unternehmer wichtig ist – und 5 schnelle Übungen für Ihren Alltag.

Auf einen Blick:

  • Chefs im Handwerk sind stark eingespannt und bekommen wenig positives Feedback. Umso wichtiger ist es, dass Sie sich selbst um sich kümmern. Nur wenn es Ihnen gut geht, können Sie sich um Ihren Betrieb und Ihr Team kümmern.
  • Seien Sie unbesorgt: Es ist weder ein ausuferndes Fitnessprogramm, noch stundenlanges Yoga nötig. Schon kleine Übungen bringen Erfolge.
  • Beginnen Sie mit einer Minute Entspannung. Stellen Sie sich ungewohnte Fragen. Und wenn Sie ein Lob brauchen, dann holen Sie es sich, zum Beispiel von Ihren Mitarbeitenden.

Jeder kommt mit seinen Fragen und Nöten zu Ihnen: Mitarbeitende, Kunden, Lieferanten. Und dann sind da noch all die Dinge, die auf Ihrer To-do-Liste stehen. „Unternehmer kümmern sich um alles und jeden, aber viel zu selten um sich selbst“, sagt Christian Bremer, Gelassenheitscoach aus Berlin.

Warum Selbstfürsorge wichtig ist

„Wer einen Betrieb führt, hat starke Antreiber“, sagt Bremer: „Sei stark, bring die Dinge voran, kümmere dich um andere.“ Im Grunde sei das gut, aber häufig nehmen die Antreiber zu viel Raum ein und lassen ihren Gegenspieler, den Erlaubern, keinen Platz: Ich darf eine Pause machen, ich darf in den Urlaub fahren, ich darf auch mal nein sagen. „Es fehlt das Gleichgewicht.“

Mitarbeiter oder Kunden sehen es aber nicht als ihre Aufgabe an, sich um Ihr Wohlergehen zu sorgen. Das müssen Sie selbst tun. „Selbstfürsorge ist wichtig, um Kraft zu tanken. Nur so können Sie für andere da sein und gesund bleiben“, betont der Coach. Deshalb sei es auch Unsinn, sich dabei vor Egoismus zu fürchten. „Wenn es mir gut geht, weil ich etwas für mich tue, bin ich mit meinen Mitmenschen freundlicher und entspannter. Das ist, wenn überhaupt, positiver Egoismus.“

Im Alltag fehlt aber häufig die Energie, um sich einem umfangreichen Entspannungsprogramm zu widmen oder Zeit im Fitnessstudio zu verbringen. Die gute Nachricht: Es reicht, mit kleinen Übungen zu starten. „Man muss dran bleiben und üben, aber der positive Effekt entsteht auch aus kleinen Momenten“, verspricht der Bremer.

Seine 5 schnellen Übungen für mehr Selbstfürsorge.

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Übung 1: Wie will ich sein? Erstellen Sie eine To-be-Liste

Sie haben sicher eine To-do-Liste von hier bis zum Horizont. Doch haben Sie auch eine To-be-Liste?

„Für eine To-be-Liste brauchen Sie die Antwort auf eine einfache Frage: Wie will ich mich heute fühlen?“, erklärt Christian Bremer. „Ungeduldig, gestresst und genervt? Oder lieber gelassen, energiegeladen und gut gelaunt?“

Die ungewohnte Frage löst schon den ersten Aha-Effekt im Gehirn aus. „Niemand entscheidet sich dafür, den ganzen Tag über verärgert zu sein“, erklärt der Coach. „Wir haben aber Einfluss darauf, wie wir unseren Tag angehen.“

Sie entscheiden sich für eine positive Stimmung. Jetzt kommt die zweite wichtige Frage: In welchen Momenten könnte das heute schwierig werden? „Natürlich passieren jeden Tag Dinge, die ärgerlich oder anstrengend sind. Wenn wir uns die Situation aber vorab vergegenwärtigen, können wir besser und entspannter damit umgehen“, ist Bremer überzeugt.

Und dann können Sie die dritte Frage beantworten: Was mache ich, damit das gute Gefühl anhält?

Die meisten Dinge, die uns über den Tag nerven, sind wiederkehrend: das müde Team am Montagmorgen, der Stau auf dem Weg zur Arbeit, die komplizierte Baustelle. „Wer für die Dauerthemen einen guten Umgang findet, hat mehr Kraft für andere Dinge“, sagt der Coach.

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Übung 2: Wie geht es mir? Stellen Sie sich VGZ-Fragen

Sich ungewohnte Fragen zu stellen, ist ein guter Weg, das Gehirn auf neue Ideen zu bringen, ganz im Sinne der Selbstfürsorge. „Wenn wenig Anerkennung von außen kommt oder negative Dinge auf einen einprasseln, helfen die VGZ-Fragen, die man sich zum Beispiel unterwegs an jeder roten Ampel stellen kann“, erklärt Bremer.

  • V steht für Vergangenheit: Was ist mir in den letzten Tagen recht gut gelungen?
  • G steht für Gegenwart: Wofür kann ich heute dankbar sein?
  • Z steht für Zukunft: Worauf kann ich mich heute freuen?

„Diese Übung ist eine gute Gewohnheit für jeden Tag. Es läuft immer irgendetwas schief, aber mit den VGZ-Fragen richten wir den Blick wieder auf das Positive.“

„Dinge gehen schief. Aber wenn man einen Moment weiterdenkt, gibt es auch Gutes an der Situation“, sagt Gelassenheits-Coach Christian Bremer.
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„Dinge gehen schief. Aber wenn man einen Moment weiterdenkt, gibt es auch Gutes an der Situation“, sagt Gelassenheits-Coach Christian Bremer.

Übung 3: Wie bleibe ich positiv? Machen Sie einen Strich mehr

Etwas klappt nicht – und wir setzen im Kopf ein Minuszeichen. „Eine schnelle Übung für mehr Selbstfürsorge ist, einen Strich mehr zu machen und ein Pluszeichen zu erzeugen“, sagt Christian Bremer. Auch hier ist die Idee dahinter, den Blick auf das Positive zu lenken.

Es gehe nicht darum, Dinge schön zu reden, betont der Coach. „Es muss Platz sein für Ärger. Aber dann kann man einen zweiten Strich hinzufügen.“

Ein Beispiel: Ein Mitarbeiter meldet sich krank. „Klar ist das ärgerlich. Aber wenn man einen Moment weiterdenkt, gibt es auch Gutes an der Situation“, erklärt Bremer die Übung. „Der Kollege steckt nicht alle anderen an oder er hat sich vielleicht so frühzeitig gemeldet, dass umdisponiert werden kann. Und immerhin ist die Mehrzahl der Mitarbeiter gesund an Bord.“

Übung 4: Wie entspanne ich mich? Nehmen Sie sich Ihre Minute

Jeder Tag besteht aus 1.440 Minuten. Selbst wenn Sie acht Stunden schlafen, bleiben Ihnen noch 960 Minuten – da können Sie sich ruhig drei Mal am Tag eine abzwacken, um eine Mikropause für Selbstfürsorge einzulegen. „Ich nenne die Übung „Meine Minute“, weil ich in dieser Zeit nichts anderes tue als atmen und auf meinen Atem zu hören“, erklärt Bremer. „Solche Minipausen sind sehr hilfreich, um runterzukommen und zu entspannen.“

Wer es ausprobieren möchte: Auf seiner Homepage hat Bremer drei Mikropausen eingesprochen, die eine, drei und fünf Minuten lang sind. „Mittlerweile ist es wissenschaftlich erwiesen, dass Menschen, die kleine Pausen machen, gesünder sind.“

Übung 5: Wie bekomme ich Anerkennung? Holen Sie sich Feedback

Wir brauchen alle Anerkennung, die einen mehr, die anderen weniger. Doch Chefs gehen beim Lob häufig leer aus. Mitarbeiter kommen einfach nicht auf die Idee, dem Chef auf die Schulter zu klopfen. Deshalb müssen Sie sich – ganz im Sinne der Selbstfürsorge – Ihr Lob selbst abholen.

„Fragen Sie einen Ihrer Mitarbeiter, ob er seinen Job weiterempfehlen würde – und wenn ja, warum“, sagt Bremer. Das Positive, das dann kommt, dürfen Sie gern auf sich beziehen, schließlich ist es Ihr Betrieb.

Professioneller funktioniert das Ganze in einem Teamworkshop, bei dem jeder seine Zufriedenheit in Form einer Ziffer zwischen 1 und 10 auf einen Zettel schreibt. Die Zettel werden verdeckt eingesammelt, die Zahlen addiert und durch die Anzahl der Zettel geteilt. Das Ergebnis ist dann eine hoffentlich hohe Zahl, an der Sie sich freuen können.

„Machen Sie solche Runden regelmäßig und fragen am Ende immer, was Sie tun können, damit die Zahl beim nächsten Mal noch höher ist“, sagt Bremer.

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