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Work-Life-Balance

So machen Sie Schluss mit Stress im Betrieb

Stress im Handwerk ist mit der Industrie oder anderen Wirtschaftszweigen nicht zu vergleichen. Er hat andere Ursachen. Deswegen brauchen Sie auch eine eigene Anti-Stress-Strategie. Die gibt es jetzt.

Auf einen Blick

  • Kleine Unternehmen mit familiärer Atmosphäre und der Chef kümmert sich um alle Aufgaben persönlich. Das hat Einfluss auf die Stressursachen im Handwerk.
  • Dagegen gibt es gezielte Lösungen, die übersichtlich in einer Praxishilfe für Handwerksunternehmen kostenlos verfügbar ist.
  • Betriebe müssen sich nicht komplett umkrempeln: Gegen viele Stressursachen gibt es einfache Lösungsmöglichkeiten, die sich schnell und unkompliziert umsetzen lassen.
  • Wie das geht, erklärt Oliver Freymark anhand zweier Beispiele aus seinem Handwerksunternehmen.
  • Wenn Sie wissen wollen, wo bei Ihnen Potenzial zum Stressabbau schlummert, klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie.

Typisch Handwerk: Ihre Mitarbeiterzahl ist relativ gering, damit sind viele Aufgaben automatisch Chefsache. Sie kümmern sich um Einkauf, Akquise, Projektplanung und Unternehmensführung – und machen nebenbei noch im Tagesgeschäft mit.

Katja Keller-Landvogt von der IKK classic kennt die Situation aus zahlreichen Betrieben, mit denen sie zusammenarbeitet. Sie ist zuständig für betriebliches Gesundheitsmanagement und weiß: Die besondere Situation des Handwerks erfordert maßgeschneiderte Lösungen.

Praxishilfe verrät gezielte Mittel gegen Stress im Handwerk

Effektive Maßnahmen gegen Stress im Handwerk hat IKK-Expertin Katja Keller-Landvogt als Teil eines Teams aus Krankenkassen und dem Bundesarbeitsministerium im Projekt „Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt“ (Psyga) mitentwickelt. Daraus ist eine Praxishilfe entstanden. Titel: „Kein Stress mit dem Stress – Lösungen und Tipps für Handwerksbetriebe“.

Das Konzept: Handwerker müssen nicht gleich den ganzen Betrieb umkrempeln, um Stress abzubauen. „Sie finden auch gezielte Hilfe, um einem Problem auf den Grund zu gehen und es zu lösen“, sagt Keller-Landvogt. Die Handlungshilfe ist in sieben Themen unterteilt:

  • Gesundheit in den Blick nehmen

  • Stress vermeiden

  • Konflikte verhindern und lösen

  • Überforderung vorbeugen

  • Gesund führen

  • Ressourcen aufbauen

  • Gesetzliche Anforderungen erfüllen

Jedes Kapitel ist mit Kurzchecks, passenden Tipps und Praxisbeispielen ausgestattet. Da kommen einige Seiten zusammen, die der stressgeplagte Unternehmer aber nicht von Anfang bis Ende durchackern muss.

Die Praxishilfe steht kostenlos hier zum Download bereit und kann zudem als Ordner bestellt werden.

Praxis-Beispiel: Zwei wirkungsvolle Anti-Stress-Tipps von Schreiner Oliver Freymark

Neun Unternehmen verraten in der Praxishilfe ihre bewährten Praxismittel gegen Stress. Einer von ihnen ist die Freiburger Schreinerei Uebelhack. Bei dem fünfköpfigen Team gab ein IKK-Projekt den Anstoß dafür, Stressursachen zu bekämpfen. Dafür haben zunächst alle Mitarbeiter notiert, was sie im Arbeitsalltag nervt. „Da ist viel unspektakulärer Kleinkram dabei, der in der Summe Stress verursacht“, erzählt Geschäftsführer Oliver Freymark. Das Beste: Die vielen Reibereien lassen sich meist einfach lösen.

  • Beispiel Kommunikation: Früher ist Oliver Freymark mit einer aktuellen Kundeninfo oder einer neuen Idee sofort zu seinen Mitarbeitern gegangen. „Das hat manchen Arbeitsablauf unterbrochen“, erzählt Freymark. Die einfache Lösung: Der Unternehmer hat feste Zeiten eingeführt, wo die Neuigkeiten gebündelt besprochen werden. „Zum Beispiel morgens, nach der fünfminütigen Runde Rückengymnastik, mit der wir unseren Tag starten.“

Auch mit organisatorischen Mitteln bekämpft der Betrieb Stress.

  • Beispiel Organisation: Bestimmte Betriebsmittel für die Baustelleneinsätze hat die Schreinerei früher im Keller gelagert. „Dann steht der Baustellentermin an, ein Mitarbeiter soll noch eine Tube braunes Silikon aus dem Keller holen – aber da ist keines mehr vorrätig“, berichtet Freymark. Folge: Das Team muss erst welches besorgen und verliert Zeit. Lösung: „Wir haben gut sichtbar ein neues Regal für solches Material gebaut“, erzählt Freymark. Die Fächer sind beschriftet und es liegen laminierte Kärtchen mit Produktname und Bestellnummer bei jedem Fach. Geht der Bestand zur Neige, gibt der Mitarbeiter nur das Kärtchen ins Büro, dann wird nachbestellt.

Arbeit mit der Praxishilfe: So kommen Sie schnell zu Lösungen!

Für einen einfachen, zeitsparenden Einstieg in Ihre Anti-Stress-Maßnahmen empfiehlt IKK-Expertin Katja Keller-Landvogt folgende Vorgehensweise.

  • Suchen Sie sich aus den sieben Themenkapiteln der Praxishilfe das aus, was Ihren Betrieb gerade beschäftigt.
  • Machen Sie den Kurzcheck am Anfang des Kapitels – so sehen Sie, wo Ihre Stärken liegen und wo Sie sich verbessern können.
  • Tipp: Kopieren Sie den Kurzcheck und geben Sie ihn auch an Ihre Mitarbeiter weiter. Das ist die Grundlage für gemeinsame Lösungen, um Stress abzubauen.
  • Haben Sie einen Problempunkt entdeckt, blättern Sie zum Lösungsansatz und Praxisbeispielen auf den nachfolgenden Seiten. Unterstützung bei der Umsetzung geben zudem Arbeitshilfen im Anhang des Dokuments.

Schnellcheck: Wie stressanfällig ist Ihr Betrieb?

Eine Antwort liefert der Kurzcheck Arbeitsorganisation aus der Handlungshilfe „Kein Stress mit dem Stress – Lösungen und Tipps für Handwerksbetriebe“ (hier ab PDF-Seite 3). Wir haben ihn verkürzt als Ultrakurzcheck auf diese Bildergalerie übertragen.

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