Gesundheitsförderung kann steuerfrei sein!
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Föderung vom Fiskus

So spendieren Sie Gesundheitsförderung steuerfrei

Soll die Gesundheitsförderung für Ihren Betrieb steuerfrei sein, dann müssen Sie diese 3 Regeln beachten. Was passiert, wenn Sie sich nicht daran halten, zeigt ein aktuelles Urteil.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Ob die betriebliche Gesundheitsförderung steuerfrei bleibt, hängt davon ab, was sie kostet und wie stark sie sich an den Interessen des Betriebs ausrichtet.
  • Steht das betriebliche Interesse deutlich im Vordergrund, gibt es überhaupt keine Probleme mit der Lohnsteuer.
  • In allen anderen Fällen können Sie einen Freibetrag von 500 Euro pro Mitarbeiter und Jahr lohnsteuerfrei ausschöpfen.
  • Doch nicht alles fällt unter diesen Freibetrag. Dann können Sie auf Gutscheine zurückgreifen bis maximal 44 Euro monatlich pro Mitarbeiter.

Wer seinen Mitarbeitern gesundheitliche Fortbildungen lohnsteuerfrei spendieren will, sollte Angebot und Kosten genau prüfen: Ist das Angebot zu teuer oder zu wenig an den Interessen des Betriebes ausgerichtet, kassiert das Finanzamt den erhofften Steuervorteil. Das zeigt ein aktuelles Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH).

BFH: „Sensibilisierungswoche“ ist lohnsteuerpflichtig

Der Fall: Ein Arbeitgeber lädt seine Mitarbeiter zu einer „Sensibilisierungswoche“ ein. Auf dem Programm steht Gesundheit der Mitarbeiter. Es gibt Kurse zu gesunder Ernährung und Bewegung, Körperwahrnehmung, Stressbewältigung, Herz-Kreislauf-Training, Achtsamkeit, Eigenverantwortung und Nachhaltigkeit. Die Teilnahme ist freiwillig, die Kosten von rund 1.300 Euro pro Mitarbeiter zahlt das Unternehmen. Nach einer Betriebsprüfung kommt das Finanzamt jedoch zu dem Ergebnis, dass es sich um eine lohnsteuer- und sozialversicherungspflichtige Sachzuwendung an die Mitarbeiter handelt. Ein Betrag von 500 Euro je Mitarbeiter sei zwar steuer- und abgabenfrei, für die Differenz von rund 800 Euro pro Kopf verlangt der Fiskus jedoch eine Nachzahlung der Lohnsteuer.

Das Urteil: Der BFH bestätigt diese Entscheidung. Die privaten Vorteile der Arbeitnehmer überwögen, zudem waren die Mitarbeiter nicht zur Teilnahme verpflichtet. Zwar sei ein betriebliches Interesse des Arbeitgebers zu erkennen. Das habe jedoch nicht im Vordergrund gestanden und lasse sich nicht für eine Aufteilung der betrieblich veranlassten Kosten und Sachzuwendungen abgrenzen. Folglich handele es sich im vollen Umfang um lohnsteuerpflichtige Sachzuwendungen. Verrechnen könne der Arbeitgeber die Kosten nur mit dem Steuerfreibetrag für Gesundheitsförderung von jährlich 500 Euro je Arbeitnehmer (§ 3, Abs. 34 EStG). Auf den Rest müsse er Lohnsteuer nachzahlen. (Urteil vom 21. November 2018, Az. VI R 10/17)

Weniger Krankentage: Handwerker belohnt Gesundheit

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Regel 1: Diese Ausgaben zur Gesundheitsförderung sind steuerfrei

Steuerberater Peter Stieve von der Kanzlei Gensch, Korth & Coll in Hannover wundert das Urteil des BFH nicht: „Alles, was der Arbeitgeber einem Mitarbeiter zuwendet, ist Lohn – sei es Geld oder ein Sachbezug. Das gilt auch für die Gesundheitsförderung, wenn sie nicht überwiegend im betrieblichen Interesse ist“, sag der Vizepräsident der Steuerberaterkammer Niedersachsen.

Im betrieblichen Interesse und damit lohnsteuerfrei sind zum Beispiel:

  • Maßnahmen zur Vermeidung von Berufskrankheiten, etwa durch körperliche oder psychische Belastungen am Arbeitsplatz,
  • Maßnahmen, zu denen ein Arbeitgeber verpflichtet ist, wie zum Beispiel arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen, von der Berufsgenossenschaft vorgeschriebene Kurse und Arbeitsschutz sowie augenärztlich verordnete Bildschirmarbeitsplatzbrillen,
  • eine altersgerechte Ausstattung des Arbeitsplatzes, um den weiteren beruflichen Einsatz älterer Mitarbeiter zu ermöglichen,
  • Massagen am Arbeitsplatz zur Verringerung von Rückenbeschwerden von Büromitarbeitern (BFH, Urteil vom 30. Mai 2001, Az. VI R 177/99).

Aber sind fitte Mitarbeiter nicht grundsätzlich im betrieblichen Interesse? Dazu der BFH: Ein gesundes und leistungsfähiges Team liegt zwar im eigenbetrieblichen Interesse des Arbeitgebers. „Daraus folgt aber nicht, dass das eigenbetriebliche Interesse des Arbeitgebers an der Gesunderhaltung seiner Arbeitnehmer es von vornherein ausschließt, eine Zuwendung an die Arbeitnehmer zur Gesundheitsförderung als Arbeitslohn zu qualifizieren.“

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