Welche Alternativen gibt es zum Bankkredit?
Ob es um Investitionen, Liquidität oder den Materialeinkauf geht: Es muss nicht immer ein Kredit von der Hausbank sein. Diese Optionen hat Ihr Betrieb.
Auf einen Blick
Der Zugang zu Krediten gestaltet sich für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) schwieriger denn je. Laut KfW erreichte der Anteil der KMU, die unter restriktiver Kreditvergabe leiden, im vierten Quartal 2025 mit 37,8 Prozent einen „Rekordwert“. Hauptgründe seien die schwache Konjunktur, strukturelle Probleme und externe Herausforderungen, die Banken zu einer vorsichtigeren Vergabepolitik zwingen.
Welche Alternativen haben Handwerker? Finanzierungsexperten wie Carl-Dietrich Sander und Thorsten König vom Bundesverband Die KMU-Berater empfehlen je nach Bedarf Leasing, Mietkauf, Factoring oder Betriebsmittelkredite aus dem Internet als Ergänzung zur Finanzierung durch die Hausbank. „Handwerker sollten das Risiko immer auf mehrere Finanzierungspartner verteilen“, rät König.
Leasing: Liquidität und Eigenkapital schonen
Leasing eignet sich besonders für Investitionen in Fahrzeuge, Maschinen oder Werkzeuge. Der Betrieb zahlt während der Laufzeit feste Raten, ist aber nicht Eigentümer. Das schont Liquidität und Eigenkapital. Die Raten sind als Betriebsausgaben steuerlich absetzbar. Nachteil: Wer das Objekt übernehmen will, zahlt in der Summe meist mehr als bei einem kreditfinanzierten Kauf, so Sander. Das liege daran, dass der Übernahmepreis erst am Ende der Laufzeit feststeht – und sich dann nach dem Zustand des Objektes und aktuellen Nachfrage richtet.
Tipp: „Auch wenn Ihre Hausbank Leasing anbietet, sollten Sie Alternativen prüfen“, empfiehlt Sander. So reduzieren Sie die Abhängigkeit von der Bank.
Mietkauf: Klare Kosten von Anfang an
Beim Mietkauf wird der Betrieb mit der letzten Rate automatisch Eigentümer. Wie beim Leasing sind keine zusätzlichen Sicherheiten nötig, da das Objekt selbst als Sicherheit dient. Es wird sofort bilanziert und kann abgeschrieben werden. Anbieter sind Hersteller, Leasinggesellschaften und spezialisierte Finanzierer. Anders als beim Leasing stehen die Gesamtkosten von Anfang an fest.
Tipp: „Auch beim Mietkauf sollten Betriebe Anbieter wählen, die nicht zum Finanzverbund der Hausbank gehören“, rät Sander.
Factoring: Liquidität aus Kundenrechnungen
Geht es um mehr Liquidität für die Vorfinanzierung von Material- und Personalkosten und Kundenforderungen, kann Factoring eine Lösung sein. Der Factor kauft die Kundenforderungen. Bis zu 90 Prozent des Betrags zahlt er sofort, den Rest nach Begleichung der Rechnung. Beim „echten“ Factoring übernimmt der Factor auch das Ausfallrisiko zu 100 Prozent. Die Gebühren und Zinsen des Factors gleichen sich für Handwerker oft durch den geringeren Kontokorrent-Bedarf und Skonto-Vorteile aus. Mahnwesen und Inkasso sind häufig inklusive.
Vorsicht: Betriebe, die ihre Forderungen als Sicherheit an die Hausbank abgetreten haben, müssen vorab deren Freigabe klären. „Das kann dazu führen, dass die Bank die Kontokorrentlinie kürzt“, warnt Sander. Ein Teil der gewonnenen Liquidität könnte so wieder verloren gehen.
Tipp: „Auf das Handwerk spezialisierte Berater und Factoring-Gesellschaften sind die richtige Wahl“, sagt König. „Diese Profis kennen sich mit den Themen wie der VOB und mit privaten und gewerblichen Auftraggebern gut aus und haben spezielle Handwerker-Lösungen entwickelt, die All-In-Gebühren und bis zu 100 Prozent Auszahlungen anbieten“, sagt der Experte.
Internetplattformen: Flexible Betriebsmittelfinanzierung
Auch Internetplattformen wie dfkp.de, finanzierung-kmu.de und fincompare.de bieten Finanzierungsalternativen wie Leasing, Mietkauf, Factoring und Einkaufsfinanzierung. Sie arbeiten mit Netzwerken von Finanzierungspartnern. Vorteil: Lehnt ein Anbieter ab, könnte ein anderer ein passendes Angebot machen.
Tipp: Schnelligkeit und Höhe der Finanzierung hängen König zufolge davon ab, ob ein Betrieb seine aktuellen Unterlagen vorlegen kann: BWA, Summen-Salden-Liste und Jahresabschluss. Nur Betriebsmittelkredite gebe es auch ohne diese Zahlen, aber nur in geringer Höhe und zu höheren Kosten, sagt König, der selbst die Plattform finanzierung-kmu.de betreibt.
Bonität und Sicherheiten: Was zählt?
Bei Krediten spielen Bonität und Sicherheiten eine zentrale Rolle. Doch wie sieht es bei Leasing, Mietkauf und Factoring aus?
„Hier stehen die finanzierten Vermögenswerte im Fokus“, erklärt König. Diese sogenannten Assets – etwa ein Fahrzeug beim Leasing oder eine Maschine beim Mietkauf – dienen als Sicherheit. Beim Factoring ist die Forderung selbst das Asset. Je werthaltiger die Assets, desto leichter die Finanzierung.
Auch die Bonität bleibt wichtig. „Je besser die Kreditwürdigkeit eines Handwerksbetriebs, desto größer die Auswahl an Anbietern und desto günstiger die Konditionen“, betont König. Das gilt auch für Betriebsmittelkredite: „Je besser die Bonität, umso besser die Konditionen.“
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