Bei Naturstein König arbeiten Sohn Jens König, Vater Günter und Tochter Rike erfolgreich unter einem Dach.
Foto: Gille

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Total begabt: eine Familie von Machern

Diese Macher muss man nicht zum Handwerk überreden. Ihr Hochgefühl verdienen sie sich mit Angstschweiß. Alle arbeiten bei Naturstein König. Was hat der Betrieb richtig gemacht?

Auf einen Blick:

  • Leidenschaft für das Handwerk steckt bei Naturstein König in der Familie. Vater, Tochter und Sohn arbeiten im Familienunternehmen. Die Kinder sind Landessieger in ihren Gewerken.
  • Den meisten Spaß hat die Handwerkerfamilie immer, wenn sie kreativ arbeiten darf. Dazu gibt es für den Natursteinbetrieb viele Gelegenheiten.
  • Nachfolgesorgen hat der 65-jährige Maurermeister keine – aber er denkt auch noch gar nicht daran aufzuhören.

Zwei Kinder, zwei Landessieger, eine eingeschworene Handwerkerfamilie. Der 65-jährige Maurermeister Günter König hat das Erbe seines Vaters – ein Unternehmen mit heute fünf Mitarbeitern – solide weiterentwickelt. Als Fliesenlegerbetrieb übernommen, hat König den Unternehmensfokus auf Natursteine gelegt. Name: Naturstein König. Küchen, Treppen und ganze Bäder baut der Zevener Betrieb mit allem, was die Welt an Steinen zu bieten hat. „Das macht heute 80 Prozent unseres Geschäfts aus“, erzählt der Unternehmer.

Kaderschmiede Familienbetrieb

Seine Kinder arbeiten fleißig mit im Betrieb. So zählt die Familie drei Handwerker. Jeder mit einer anderen fachlichen Spezialisierung. Der 25-jährige Jens König hat im letzten Jahr seine Gesellenprüfung zum Fliesenleger abgelegt – und ist gleich Innungsbester geworden. Das spornt an: Er hat sich für den Kammerwettbewerb angemeldet, wurde Kammersieger und flieste sich im Finale schließlich zum Landessieger. Wie ist Jens König so gut geworden? Der Junggeselle zuckt mit den Schultern. „So gut war ich gar nicht – die anderen waren nur irgendwie schlechter als ich.“

Dabei liegt den Königs das Talent scheinbar im Blut: Schwester Rike König hat vor einigen Jahren schon vorgemacht, wie man Landessiegerin im Steinmetzhandwerk wird. Ihr Gesellenstück, eine 1,3 Meter hohe Steinskulptur, schmückt seither das Haus des Handwerks in Zeven. Heute bearbeitet die 37-Jährige als Steinmetzmeisterin vor allem die Steine in der Produktion, bevor sie zu den Baustellen der Kunden gehen.

Wie fühlt man sich, wenn aus den Kindern so gute Handwerker werden? „Das macht mich natürlich stolz“, sagt Günter König zufrieden, „dass es aus freiem Willen kommt, ist umso schöner.“ Er hat keines seiner Kinder zu seinem Glück gezwungen. Darauf legt der Unternehmer Wert. So startete Sohn Jens zunächst mit einer Ausbildung zum Werbetechniker ins Berufsleben. Dann folgte der Wechsel ins Fliesenlegerhandwerk. Nach zwei abgeschlossenen Ausbildungen sagt Jens König heute: „Das Handwerk macht mehr Spaß.“

Mit dem Handwerk aufgewachsen

Ganz von selbst kam die Begeisterung von Rike und Jens König für das Handwerk aber nicht. Sie kamen früh mit der Arbeit ihres Vaters in Berührung, waren als Kinder mit auf der Baustelle. „Ich habe mich schon als Kind in den Arbeitsklamotten von Papa wohlgefühlt“, erzählt Rike König. In Praktika bei anderen Betrieben haben die Geschwister gemerkt, wie gut ihnen das Handwerk liegt – und starteten dort ihre Ausbildung.

Den meisten Spaß hat die Handwerkerfamilie heute immer dann, wenn sie kreativ arbeiten darf. „Klar schneidet man auch mal Fensterbänke“, sagt Rike König, „aber wenn man Küchen und Bäder macht, einen Waschtisch aus einem einzigen Stein herausarbeitet, ist das Handwerk am schönsten.“ Ähnlich sieht es auch Jens König: „Wenn man den Bauraum auf der Baustelle ausmisst, Schablonen macht, alles in die Fertigung gibt und – wieder angekommen auf der Baustelle – alles perfekt sitzt: Das ist der Moment in dem man stolz auf sich ist.“ Ganz ohne Nervenkitzel geht es dabei nicht. Vor allem, wenn man besonders teures Material bearbeitet, das 500 bis 1000 Euro den Quadratmeter kostet. Da ist der Angstschweiß inklusive. Doch das sei auch das Spannende am Job, sagt Günter König: „Er erfordert Genauigkeit. Einen Fehler kann man nicht mal schnell mit einer Extrastunde wieder ausbügeln.“

Nachfolge gesichert

Für die gebotene Qualität sind die Kunden bereit, gutes Geld zu zahlen. Direkten Wettbewerb habe das Unternehmen in seiner Region nicht. Die Auslastung ist gut: zwei Monate Wartezeit hat Naturstein König aktuell. „Wir können uns gewissermaßen aussuchen, welche neuen Aufträge wir zurzeit annehmen.“ Gut sieht auch die Zukunft für den Natursteinbetrieb aus. „Die Nachfolge ist gesichert“, sagt Günter König. Einen Termin gibt es aber nicht, die Übergabe wird fließend gemacht.

So gilt für den Betrieb, was auch Profi-Fliesenleger von der Baustelle kennen, wenn sie nackte Räume in Wohlfühlorte verwandeln: Alles fügt sich.

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