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Auch wenn der Vertrag schon längst in trockenen Tüchern ist, kann die Betriebsnachfolge noch scheitern .

Betriebsberater berichten

7 Beispiele, woran die Betriebsnachfolge scheitert

Auch wenn Sie einen Nachfolger für Ihren Betrieb gefunden haben, kann die Betriebsnachfolge noch scheitern. 7 Fälle aus der Praxis – und wie sie sich vermeiden lassen.

  • Ob überschätzter Betriebswert, Vorurteile oder fehlende Akzeptanz für den Nachfolger – es gibt verschiedene Gründe, warum eine Betriebsnachfolge trotz aussichtsreichem Kandidaten scheitert.
  • Damit Betriebsinhabern ein Fehlschlag erspart bleibt, sollten sie sich zunächst überlegen, wen sie sich als Nachfolger vorstellen können und welche Fähigkeiten diese Person mitbringen muss.
  • Ist der ideale Kandidaten gefunden, bedarf es einer guten Planung des Nachfolgeprozesses – vor allem, wenn der bisherige Inhaber noch eine Weile im Betrieb arbeiten soll. Dann müssen die Zuständigkeiten genau geklärt werden.
  • Kommt es bei der Übergabeprozess trotzdem zu Problemen, muss das nicht gleich das Ende bedeuten. Coaching und Mediation können möglicherweise helfen.

Die Suche nach einem Betriebsnachfolger im Handwerk keine einfache Angelegenheit. Das zeigen diese 7 Fälle aus der Praxis, die die Nachfolgemoderatoren der niedersächsischen Handwerkskammern zusammengetragen haben. Jan Hobelsberger (Handwerkskammer Hannover), Annika Hörnschemeyer (Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim) und Katharina Meier (Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade) verraten, wie sich solche Fehlschläge vermeiden lassen.

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Fall 1: Inhaber überschätzt den Betriebswert

Der Betrieb ist etwas aus der Zeit gefallen, trotzdem mangelt es nicht an Nachfolgekandidaten. Der Inhaber hat einiges zu bieten: einen wirtschaftlich gut dastehenden Betrieb, ein großes Betriebsgebäude und ordentlich Lagerfläche. Wenig attraktiv sind hingegen die veralteten Strukturen und die fehlende Digitalisierung. Trotzdem beharrt der Inhaber auf einer hohen Kaufsumme. Keiner der Kandidaten will diesen Betrag zahlen, weil der Betrieb ohne weitere Investitionen nicht zukunftsfähig ist.

Tipp: Wer herausfinden will, was der eigene Betrieb wert ist, kann den Wert neutral ermitteln lassen – zum Beispiel von einem Betriebsberater der Handwerkskammer.

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Fall 2: Nachfolger mit passender Ehefrau gesucht

Der Inhaber eines Handwerksbetriebs mit Ladengeschäft hat einen fachlich geeigneten Nachfolgekandidaten gefunden. Die beiden Männer sind sich über den Kaufpreis und den Übernahmetermin einig. Doch vor der Vertragsunterschrift stellt der Inhaber dem Nachfolger noch eine Frage: „Wann lerne ich ihre Ehefrau kennen?“ Denn der Firmenchef will seinen Betrieb nur an einen Nachfolger mit Ehefrau übergeben. Sie soll das Ladengeschäft führen, so wie es seine Ehefrau getan hat. Doch die Partnerin des Nachfolgekandidaten hat andere Karrierepläne und so scheitert die Betriebsübergabe.

Tipp: Inhaber sollten sich mit der Frage auseinandersetzen, warum ein mitarbeitender Partner ein erfolgversprechender Faktor ist und ob es nicht andere Lösungen gibt. So könnten beispielsweise Mitarbeiter ein Ladengeschäft führen.

Fall 3: Kind schmeißt nach Jahren hin

Ein Vater übergibt den Betrieb an eines seiner Kinder, arbeitet aber noch jahrelang mit. Nach seiner Einschätzung läuft das gut, weil er sich bei der Führung stark zurücknimmt. Doch eines Tages kommt das Kind ohne Ankündigung nicht mehr zurück in den Betrieb. Im Team löst das große Unruhe aus, weil die Angestellten um ihre Jobs bangen. Der Vater übernimmt die Führung wieder und will einen neuen Nachfolger suchen. Um es dieses Mal besser zu machen, holt er sich externe Hilfe. So findet er heraus, was schief gelaufen ist: Er hatte sich bei der Betriebsführung weniger zurückgenommen als gedacht und die Mitarbeiter hatten das Kind als Chef nicht akzeptiert. 

Tipp: Bevor Inhaber den Betrieb an den eigenen Nachwuchs übergeben, sollten sie sich mit zwei Fragen beantworten: Ist das Kind ein Unternehmertyp und möchte es die Nachfolge wirklich antreten? Wenn das der Fall ist, können beide gemeinsam einen konkreten Plan erarbeiten und die Zuständigkeiten und den Zeitpunkt der Betriebsnachfolge klären. Sobald die Details feststehen, sollten sie den Führungswechsel im Team frühzeitig und klar kommunizieren.

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Fall 4: Mitarbeiter stellen Inhaber und Nachfolger auf die Probe

Ein Meister steigt als Gesellschafter bei einem Handwerksbetrieb ein. Innerhalb von drei Jahren soll er den Betrieb vollständig übernehmen. Beim Kaufpreis und der konkreten Gestaltung die Betriebsübergabe sind sich die Gesellschafter einig. Doch bei der Mitarbeiterführung ziehen sie nicht immer an einem Strang. Die nutzen das aus und versuchen die Geschäftsführer gegeneinander auszuspielen. Zwischen dem Altinhaber und seinem Nachfolger führt das zu Konflikten, sodass der neue Gesellschafter eines Tages hinschmeißen will.

Tipp: Geteilte Verantwortung und verschiedene Führungsstile bieten Konfliktpotenzial. Darum sollten sich Inhaber und Nachfolger auf einen gemeinsamen Fahrplan einigen, der unter anderem folgende Punkte enthält:

  • Wer hat welche besonderen Fähigkeiten und Kenntnisse?
  • Wer übernimmt welche Aufgaben?
  • Wie sichern die Geschäftspartner Einigkeit und gemeinsame Entscheidungen?

Kommt es bei der Mitarbeiterführung dennoch zu Problemen, helfen gemeinsame Mitarbeitergespräche. Bringt das nichts, können ein Coaching oder eine Mediation eine weitere Optionen sein.

Fall 5: Tochter setzt auf neuen Führungsstil

Nach dem Studium steigt eine Tochter als leitende Anstellte in den Familienbetrieb ein. Sie soll den Laden eines Tages vom Vater übernehmen. Die junge Frau hat fundierte Management-Kenntnisse, aber keinen Handwerksberuf gelernt. Im bislang patriarchalisch geführten Betrieb setzt sie auf moderne Mitarbeiterführung, sorgt für mehr Austausch und fragt die Mitarbeiter gezielt nach deren Meinung. Sie will, dass die Mitarbeiter mitdenken und sie entsprechend ihren Fähigkeiten einsetzen. Den neuen Führungsstil sieht der Vater kritisch, lässt sie aber gewähren. Doch bei der geplanten Betriebsübernahme gibt es kaum Fortschritte, weil der Vater sein Lebenswerk scheitern sieht. Schließlich schmeißt die Tochter frustriert hin und der über 70-Jährige steht ohne Nachfolger da.

Tipp: Bevor Betriebsinhaber einen Nachfolger für ihr Lebenswerk suchen, sollten sie folgende Fragen ehrlich beantworten:

  • Welche Fähigkeiten und Ausbildung sollte die Person haben?
  • Kommt ein Familienmitglied wirklich in Frage oder ist eine externe Lösung besser?
  • Was für ein Unternehmertyp sollte der Nachfolger sein?
  • Was brauche ich persönlich, damit ich mich mit der Betriebsnachfolge wohl fühle?
  • Wie finde ich die Person, die meinen Betrieb übernehmen soll?

Fall 6: Der Betrieb ist zu teuer für eine Einzelperson

Ein Handwerksbetrieb ist im Laufe der Jahre stetig gewachsen und immer erfolgreicher geworden. Der Inhaber hat sogar ein Auslandsgeschäft aufgebaut. Dennoch gelingt es ihm nicht, einen Betriebsnachfolger zu finden. Das Problem: Das Unternehmen ist mehrere Millionen Euro wert – eine Summe, die kaum jemand alleine stemmen kann. 

Tipp: Nur weil ein Betrieb bislang inhabergeführt ist, muss das nicht so bleiben. Die finanzielle Last lässt sich auf mehrere Schultern verteilen – um Beispiel durch eine neue Struktur mit mehreren Gesellschaftern. Damit das gelingt, müssen Inhaber allerdings frühzeitig planen.

Fall 7: Nachfolger wird wie ein normaler Mitarbeiter behandelt

Der Inhaber eines Handwerksbetriebs findet einen externen Nachfolger. Die Männer einigen sich auf einen detaillierten Plan, wie die Nachfolge ablaufen soll. Demnach soll der Inhaber seinen Nachfolger Schritt für Schritt einarbeiten, bis der eines Tages vollständig übernehmen kann. Doch trotz des Plans passiert in Sachen Betriebsnachfolge kaum etwas. Der Inhaber hält sich nicht an seine Zusagen und behandelt den Nachfolger wie einen normalen Mitarbeiter. Nach einem Jahr schmeißt der junge Mann hin, weil er nicht mehr an die Betriebsübernahme glaubt.

Tipp: Den eigenen Betrieb zu übergeben, ist emotional nicht einfach. Falls Betriebsinhaber Probleme damit haben, Verantwortung abzugeben, kann möglicherweise ein Coaching helfen, eine für beide Seiten tragfähige Lösung zu erarbeiten.

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