Oft ist mehr möglich, als man denkt.
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Personalentwicklung

5 potenzielle Zielgruppen für Ihre Mitarbeitersuche

Studienabbrecher, Quereinsteiger oder Menschen mit Behinderung: Wer Fachkräfte sucht, muss sich bewegen und in Menschen investieren. Oft zahlt es sich aus.

Inhaltsverzeichnis

  • Betriebe müssen sich für neue Zielgruppen öffnen und in Menschen investieren.
  • Unterstützung gibt es vielfach bei der Agentur für Arbeit und den Handwerkskammern.
  • Wer neuen Zielgruppen eine Chance gibt, kann oft auf loyale Mitarbeiter zählen.

Wer Fachkräfte sucht, hätte am liebsten einen gut ausgebildeten Gesellen oder Meister mit Berufserfahrung. Doch die sind Mangelware. „Die Zeiten, wo Unternehmen die Topkraft auf dem Silbertablett präsentiert wurde, sind vorbei“, sagt Sibylle Stippler, Expertin im Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung beim Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. Die Betriebe müssten sich öffnen, um neue Zielgruppen für die Mitarbeitergewinnung anzusprechen.

Studienabbrecher, Quereinsteiger, Menschen mit Behinderung, ältere Arbeitnehmer, Geflüchtete – nicht jede dieser Gruppen passt in jeden Betrieb. „Aber es lohnt sich, einmal vorurteilsfrei darüber nachzudenken, was möglich ist“, sagt Stippler. Unterstützung und Förderung von verschiedensten Seiten helfen den Unternehmen, Weiterbildungen oder Integrationsmaßnahmen zu finanzieren.

Studienabbrecher sind an Ausbildung interessiert

Eine Gruppe, die viel Potenzial bietet, sind die Studienabbrecher. Fast ein Drittel der Studenten bricht das Studium ab – und viele von ihnen sind dann an einer Ausbildung interessiert, in der sie etwas Praktisches leisten können.

„Das Klima in den Betrieben öffnet sich für diese Zielgruppe, und man kann nur dafür werben“, sagt Sibylle Stippler. Kontakt knüpfen kann ein Betrieb über Präsenz an der Hochschule. „Man kann einfach eine positiv formulierte Stellenanzeige an den Schwarzen Brettern der Universität oder Fachhochschule anbringen“, meint die Beraterin. Viele Hochschulen besitzen einen so genannten Career Service, der Studierende und potenzielle Arbeitgeber zusammenführt. Ebenfalls eine gute Adresse: der Arbeitgeber-Service der Arbeitsagenturen. „Wer nicht mehr als studierend gemeldet ist, kommt irgendwann dort an“, so Stippler.

Geflüchtete und ausländische Azubis sind im Handwerk willkommen

Keine Branche hat mehr Geflüchteten eine Ausbildung ermöglicht als das Handwerk. Wer Kontakt und Unterstützung sucht, findet sie bei den Willkommenslotsen der Handwerkskammern. „Sie sind für nichts anderes da, als die Unternehmen bei der Integration zu unterstützen“, betont Sibylle Stippler. Die Bundesregierung hat jüngst das Programm bis Ende 2019 verlängert.

Das Bundesprogramm „Passgenaue Besetzung“ hingegen unterstützt kleine und mittlere Betriebe bei der Besetzung ihrer offenen Ausbildungsplätze mit geeigneten ausländischen Jugendlichen ohne Flüchtlingsstatus – oder auch mit deutschen Bewerbern. Auch hier sind die Ansprechpartner in den Handwerkskammern oder Kreishandwerkerschaften zu finden.

Vertrauen in Menschen mit Behinderungen

Betriebe, die mehr als 20 Arbeitsplätze bereitstellen, sind verpflichtet, auf mindestens fünf Prozent dieser Arbeitsplätze Schwerbehinderte zu beschäftigen. So weit die Theorie. „In der Praxis zahlen viele Betriebe lieber die Ausgleichsabgabe, als jemanden einzustellen“, sagt Sibylle Stippler. Dabei gebe es viele Möglichkeiten, Menschen mit Behinderungen zu beschäftigen. „Natürlich muss der potenzielle Mitarbeiter die Arbeit auch leisten können“, so Stippler. „Manchmal muss man ein bisschen um die Ecke denken.“ Wer offen sei für Menschen mit Behinderung, bekomme dieses Vertrauen durch Loyalität und Engagement zurückgezahlt.

Hilfe bieten die Integrationsämter und die Handwerkskammern, Kontakte knüpfen können Betriebe über Berufsbildungswerke. Auszubildende mit Lernbehinderungen können die theoriereduzierte Fachpraktiker-Ausbildung absolvieren. Einen Jugendlichen mit Schwerbehinderung auszubilden, kann sich auch finanziell lohnen. Denn diese zählen bei der Pflicht-Besetzung von Arbeitsplätzen doppelt. Bei der Einrichtung eines Ausbildungsplatzes für junge Menschen mit Beeinträchtigungen gibt es eine finanzielle Förderung durch die Agentur für Arbeit oder das Integrationsamt.

„Behinderung kann immer ein Thema werden“, so Stippler. „Die meisten Einschränkungen sind nicht angeboren, sondern werden im Laufe des Lebens erworben.“ Hier stelle sich dann die Frage, ob der Mitarbeiter wiedereingegliedert werden kann.

Quereinsteiger, Berufspausierer, Mütter – Weiterbildung ist der Schlüssel

Es gibt in Ihrem Gewerk nur wenige Fachkräfte? Dann halten Sie nach Quereinsteigern oder nach Menschen Ausschau, die eine längere Pause im Berufsleben einlegen mussten. „Erwähnen Sie in Stellenanzeigen, dass Sie offen für Quereinsteiger sind“, empfiehlt Sibylle Stippler. Wer eine längere Pause im Berufsleben machen musste, braucht eine Auffrischung seiner Kenntnisse. „Bieten Sie Weiterbildungsmöglichkeiten an.“ Unterstützung bieten die Arbeitsagenturen, wenn es sich um arbeitslose Bewerber handelt, oder die Handwerkskammern.

Auch das Potenzial von Frauen ist im Arbeitsmarkt noch nicht ausgeschöpft. „Unternehmen können Stellenanzeigen mit einfachen Mitteln so gestalten, dass Frauen sich eher angesprochen fühlen“, sagt Stippler. Zum Beispiel: Konkret die Arbeit beschreiben, anstatt lange Anforderungskataloge zu erstelle. „Ein wichtiger Punkt für Mütter ist Teilzeitarbeit“, betont die Expertin. „Wer hier eine Möglichkeit einräumt, kann bei Bewerberinnen punkten.“ Und wenn die Kinder größer sind, kann die Stundenzahl aufgestockt werden.

Ältere Arbeitnehmer wechseln seltener den Betrieb

Wer sagt, dass jung immer die einzige Wahl ist? Die deutsche Bevölkerung wird immer älter, 20 Prozent der Arbeitnehmer sind älter als 50 Jahre. Außerdem steigt das Rentenalter: Wer jetzt einen 55-Jährigen einstellt, hat noch zwölf Jahre eine Fachkraft mit Berufserfahrung. „Mittlerweile gibt es spezialisierte Stellenbörsen für ältere Arbeitnehmer“, sagt Sibylle Stippler. Das Jobnetzwerk 50plus bietet nicht nur die Möglichkeit, nach Bewerbern zu suchen oder Stellenanzeigen aufzugeben, sondern informiert auch über Weiterbildungsmöglichkeiten, falls eine Qualifikation fehlen sollte. Um hier eine einfache Stellenanzeige mit vier Wochen Laufzeit aufzugeben, kann man sich kostenlos registrieren.

„Hilfe gibt es auch vom Arbeitgeberservice der Arbeitsagenturen“, sagt Stippler. „Dort können auch spezielle Förderprogramme beantragt werden.“ Über das Projekt WeGebAU (Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen) übernehmen die Arbeitsagenturen Lehrgangskosten und einen Teil der Fahrtkosten für Pendelfahrten. Der Betrieb kann zudem einen Zuschuss zu den Lohnkosten erhalten.

„Ältere Arbeitnehmer brauchen oft eine kürzere Einarbeitungszeit, sind loyal und wechseln auch seltener den Betrieb“, nennt die Arbeitsmarktexpertin Fakten, die zugunsten der Älteren sprechen.

„Sich auf neue Zielgruppen einzulassen, erfordert Umdenken und ist nicht immer einfach, aber es gibt viel Unterstützung“, betont Stippler. „Und es lohnt sich.“

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