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Strategie

Aus der Praxis: Warum sich Netzwerkarbeit lohnt

Arbeiten ohne fachlichen Austausch kann sich Carola Grote-Sticka heute nicht mehr vorstellen. Von dem Einstieg in ein Branchennetzwerk profitiert sie betrieblich und persönlich.

Auf einen Blick:

  • Raumausstattermeisterin Carola Grote-Sticka ist Bundesvorsitzende der Jungmeister in ihrem Gewerk. Das Netzwerk bringt nicht nur die Branche voran, sondern auch die Unternehmerin.
  • Besonders profitiert die Niedersächsin von dem fachlichen Austausch auf Augenhöhe.
  • Durch die Arbeit in dem Netzwerk hat sie die Betriebsblindheit abgelegt und geht heute Problemthemen selbstbewusster an als noch vor einigen Jahren, berichtet sie.

Carola Grote-Sticka ist in ihrer Branche bestens vernetzt und profitiert von ihrem Engagement bei den Jungmeistern der Raumausstatter. Das war nicht immer so: Erst nach über zehn Jahren ihrer Selbstständigkeit ist die Raumausstattermeisterin aus Salzgitter auf das Netzwerk aufmerksam geworden. „Eine befreundete Meisterin hat mich darauf gebracht. Seit 2008 war ich auf den Tagungen der Jungmeister dabei“, berichtet die Unternehmerin. Doch der Verbund sei damals noch sehr lose und unverbindlich gewesen.

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Im Netzwerk die Betriebsblindheit aufbrechen

Je mehr Grote-Sticka in den Austausch mit den Kollegen einstieg, desto bewusster wurde ihr: Das Netzwerk braucht eine Struktur. Deshalb sollte ein Verein die Grundlage der Jungmeister bilden. Unter den Gründungsmitgliedern sind seit 2015 neben Carola Grote-Sticka auch zwei weitere Handwerksunternehmerinnen aus Niedersachsen. Die junge Meisterin übernahm spontan den Vereinsvorsitz des deutschlandweiten Branchennetzwerks: „Ich kann mir heute nicht mehr vorstellen, ohne den Input der Kollegen zu arbeiten“, sagt Grote-Sticka. In den Anfangsjahren ihrer Selbstständigkeit hätte die Handwerkerin gern von dem fachlichen Rat und Austausch Gebrauch gemacht, den sie nun nahezu täglich nutzt.

Die Ziele des Netzwerks: die Weiterbildung der Raumausstatter vorantreiben, in der Branche näher zusammenrücken und die Interessen gemeinsam nach außen vertreten. Für Grote-Sticka ist es mehr als das: „Wir haben die Betriebsblindheit aufgebrochen“, sagt sie. Bei Besuchen in Kollegenbetrieben habe sie Anregungen für ihre eigene Arbeit mitnehmen können und eingefahrene Denkweisen durch den intensiven Austausch auf den Prüfstand gestellt.

Miteinander statt Gegeneinander

Fünf Jahre nach seiner Gründung ist das Netzwerk auf knapp 70 Mitglieder gewachsen. Im Gruppen-Chat klären die Jungmeister Fragen rund um die Themen Mitarbeiterführung, Anschaffung von Werkzeugen, Umgang mit Lieferanten und andere Fachfragen. Sie beschaffen sich gegenseitig Materialien, unterstützen sich bei der Abwicklung von Aufträgen in nahegelegenen Regionen und empfehlen sich weiter.

„Das Wichtigste für mich ist die Ehrlichkeit dieses Netzwerks“, sagt Carola Grote-Sticka. Sie fühle sich ernstgenommen und verstanden. „Der Austausch findet auf Augenhöhe statt, wir haben ähnliche Sorgen und Probleme“, betont sie. Das Grübeln über Fachliches entfalle, eine Nachricht in die Chat-Gruppe sei oft nach einer Viertelstunde beantwortet. Die Meister arbeiten miteinander anstatt gegeneinander. „Wir haben nicht zu befürchten, dass wir uns untereinander Aufträge wegnehmen. Das war noch nie Thema“, sagt die Jungmeisterin.

Offen für Gesellen und Nachbargewerke

Die Jungmeister öffnen sich für Gesellen aus ihrem Gewerk und Mitgliedern aus Nachbargewerken, beispielsweise den Sattlern. Der Grund seien Überschneidungspunkte, die zum gewerkeübergreifenden Austausch anregen. Eine Altersbeschränkung gebe es trotz des „Jung“ im Namen nicht. „Das Netzwerk lebt davon, dass die erfahrenen Unternehmer den Jüngeren Tipps geben und die jungen Meister frische Ideen und Sichtweisen einbringen“, betont die Handwerksmeisterin. Hintergrund: In vielen Betrieben der Branche stehe ein Generationenwechsel an. Da sei ein Netzwerk, in dem jeder jeden fragen kann, eine Bereicherung.

Sie gebe gern ihre Erfahrungen an Kollegen und den Nachwuchs weiter. „Ich liebe die Vielfalt meines Berufes, meine Unabhängigkeit und die Möglichkeit, mich kreativ auszuleben“, betont Carola Grote-Sticka, die seit Jahren auch ausbildet.

Austausch stärkt die Unternehmerpersönlichkeit

Nicht nur betrieblich profitiert Carola Grote-Sticka von dem Netzwerk: Vor größeren betrieblichen Veränderungen fragt sie bei Kollegen nach ihrer Meinung. Das regt intern zur Diskussion und zum Nachdenken an, bevor finale Entscheidungen fallen. In ihrem eigens dafür ausgebauten Fachwerkhaus am Marktplatz in Salzgitter habe zudem die ganzheitliche Beratung an Bedeutung gewonnen. „Bevor ich bei Kunden mit der Arbeit starte, erhalten sie einen Gestaltungsentwurf, damit sie sich besser vorstellen können, wie das Zimmer später aussehen wird“, sagt die Handwerksmeisterin.

Persönlich sei sie durch das Netzwerk ebenfalls gewachsen: „Ich merke, dass ich anders auftrete und sicherer geworden bin. Nicht jeder Kunde traut einer Frau mit Werkzeugkoffer und Bodenlegerhose dieses Handwerk zu“, sagt sie. Dafür brauche es ein starkes Selbstbewusstsein.

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