Foto: blende11.photo - stock.adobe.com
Bargeld in Hosentasche

Steuern

Ein Kassenbuch ist Pflicht – auch ohne Kasse

Wenn man keine Kasse hat, wozu dann ein Kassenbuch? Diese kreative Argumentation konterte das Finanzgericht mit einem schlagenden Argument: Bareinnahmen.

Der Fall: Ein Kfz-Händler machte mit einigen Kunden gelegentlich Bargeschäfte gegen Rechnung – ohne Kassenbuch. Um Kassenaufzeichnungen kümmerte er sich dabei nicht.

Das fiel bei einer Umsatzsteuersonderprüfung des Finanzamtes auf. Die Betriebsprüfer sahen darin einen Verstoß gegen Einzelaufzeichnungspflicht bei Bareinnahmen. Da es ihnen so nicht möglich sei, die Voranmeldung zur Umsatzsteuer auf Vollständigkeit zu prüfen, verwarfen sie die gesamte Buchhaltung. Sie schätzten den Umsatz fünf Prozent höher als vom Betriebsinhaber angegeben.

Ohne Warnung: So prüft das Finanzamt Ihre Kasse

Risikofaktor Kassen-Nachschau: Seit Anfang 2018 kann das Finanzamt die Kasse ohne Vorankündigung prüfen. Auch Bau- und Ausbaugewerke sind betroffen.
Artikel lesen

Dabei hatte sich der Kfz-Händler das anders zu Recht gelegt: Die Barzahlungen seien als Privatentnahmen direkt in sein Privatvermögen übergegangen. Daher gebe es auch keine betriebliche Kasse oder irgendein anderes betriebliches Behältnis, in dem Bargeld aufbewahrt werde. Folglich sei die Führung eines Kassenbuches gar nicht möglich und nötig.

Das Urteil: Das Finanzgericht Hamburg würdigte diese Kreativität nicht und entschied gewohnt nüchtern. Die höhere Umsatzschätzung sei gerechtfertigt. Die Pflicht zur Erfassung von Bareinnahmen könne nicht daran scheitern, dass der Kläger über kein Kassenbehältnis verfügt. Auch eine Hosentasche voller Geld sei unter solchen Umständen als Kasse anzusehen. Selbst wenn der Kfz-Händler das Bargeld sofort privat entnehme, befreie ihn das nicht von der Pflicht zur Führung eines Kassenbuchs. Vielmehr müsse er einer Privatentnahme auch diese aufzeichnen – was er ebenfalls unterlassen hatte. (Beschluss vom 28. Februar 2020, Az. 2 V 129/19)

Tipp: Bleiben Sie beim Thema Steuern auf dem Laufenden – mit dem kostenlosen Newsletter von handwerk.com. Jetzt hier anmelden!

Auch interessant:

Betriebsprüfung: Wann droht die Hinzuschätzung?

Betriebsprüfungen enden häufig mit einer Hinzuschätzung. Das liegt teilweise an der Digitalisierung – aber oft auch an ganz altmodischen Fehlerquellen.
Artikel lesen

Geldwäsche? Zu viel Bargeld macht verdächtig!

Fehlalarm mit Folgen: Banken melden Bargeldzahlungen bei Verdacht auf Geldwäsche. Selten ist was dran – doch das Finanzamt wird in jedem Fall nachfassen.
Artikel lesen

Schritt für Schritt zum bargeldlosen Betrieb

Bargeldloses Bezahlen – können Handwerker ihren Kunden das zumuten? Kommt darauf an, um was es geht und wie sie kassieren. 4 Fragen helfen beim Wechsel.
Artikel lesen

Frustriert von der Mitarbeitersuche?

handwerk.com und die Schlütersche helfen Ihnen Ihre offenen Stellen einfach, zeit- und kostensparend mit den richtigen Kandidaten zu besetzen! Mehr als 500 Betriebe vertrauen uns bei der Mitarbeitersuche!

Jetzt Bewerber finden!

Wir haben noch mehr für Sie!

Praktische Tipps zur Betriebsführung und Erfahrungsberichte von Kollegen gibt es dienstags und donnerstags auch direkt ins Postfach: nützlich, übersichtlich und auf den Punkt.
Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an - schnell und kostenlos!
Wir geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter. Die Übermittlung erfolgt verschlüsselt. Zu statistischen Zwecken führen wir ein anonymisiertes Link-Tracking durch.
Vorsicht bei hohen Bareinzahlungen: Das Finanzamt besteht auf einem Nachweis der Herkunft, auch wenn es sich um ein Darlehen handelt.

Steuern

Finanzamt prüft hohe Bareinzahlungen genau

Bei hohen Bareinzahlungen auf das Firmenkonto hakt das Finanzamt nach. Kreative Geschichten helfen dann nicht weiter, wie dieser Fall zeigt.

    • Steuern
Schaetzung-kasse.jpeg

Steuern

Finanzamt: Keine Schätzung bei kleinen Kassen-Fehlern

Das Finanzamt schätzt einen Betrieb auf 150.000 Euro Mehreinnahmen. Ein Finanzgericht kommt auf 100 Euro – und wirft dem Fiskus Rechenfehler vor.

    • Steuern
Hat ein Ohr für seine Mitarbeitenden: Handwerksunternehmer Andreas Mayr.

Holzhelden

4-Tage-Woche? „Freitags zur Baustelle ist unwirtschaftlich“

Mit einem Streich mehr produktive Arbeitszeit pro Monteur. Das ist für diesen Kollegen ein schlagendes Argument für die 4-Tage-Woche. So setzt er sie um.

    • Holzhelden, Personal

Steuern

Trotz Dieselfahrverbot: Kfz-Steuer wird weiter fällig

Wer vom Dieselfahrverbot betroffen ist, hat keinen Anspruch auf eine Senkung der Kraftfahrzeugsteuer. Das hat das Finanzgericht Hamburg entschieden.

    • Steuern