Hightech im Handwerk: Mit moderner Technik zu neuen Fachkräften
Zahntechniker Karl-Heinz Nee zeigt, wie 3D-Druck, KI und ein Schulungskonzept den Unternehmenserfolg steigern – und warum sich Mut zur Veränderung auszahlt.
Auf einen Blick
Lichtdurchflutete Labore, digitale Prozesse, modernste Technik und ein enger Austausch mit dem Team: Bei der Gestaltung des neuen Standorts legte Karl-Heinz Nee viel Wert auf die Meinung seiner Mitarbeitenden. „Sie arbeiten hier jeden Tag und sollen sich wohlfühlen“, sagt der Inhaber von Nee Zahntechnik in Papenburg.
Seit dem Umzug in die „Zahnwerft“ – Räume auf dem ehemaligen Gelände der Meyer Werft in Papenburg – sind mittlerweile knapp sieben Jahre vergangen. Doch den Schwerpunkt neben der Laborarbeit hatte Nee schon zu Beginn seiner Selbstständigkeit 2015 festgelegt: Schulungen in Laboren mit modernster Technik. Dafür war die Lage im Herzen der Stadt mit Anbindung an den Bahnhof und Übernachtungsmöglichkeiten wichtig. „Hier auf dem Land fehlt es an Zahnärzten, da muss dringend etwas passieren“, begründet der Zahntechniker. Dementsprechend entwarf er mit dem Team ein Raumkonzept und konnte auch einen Kieferchirurg gewinnen, der mit ins Gebäude einzog.
Schulungskonzept mit Strahlkraft
Das Schulungsangebot nutzen unter anderem Kollegen, Zahnärzte und Patienten. Die Seminarideen entwickelt Nee gemeinsam mit Herstellern oder Zahnärzten. Das breite Angebot und die Location haben sich mittlerweile in der Branche herumgesprochen. Und der Knick in der Corona-Pandemie wurde mit einem Online-Angebot abgefedert. „Heute kommen die Teilnehmenden auch aus Bremen, Göttingen oder Hannover“, berichtet Nee. Dem Unternehmer zufolge sei die Lage entscheidend für die Nachfrage. Beispielsweise biete die Terrasse der Zahnwerft Platz für den Ausklang der Seminartage oder zum Netzwerken.
Mit moderner Technik zu guten Fachkräften



Zwei Dinge sind dem Handwerksunternehmer besonders wichtig: „Das Team und die Technik.“ Beide Faktoren seien für sein erfolgreiches Handeln eng miteinander verknüpft. „Wenn ich in neue Geräte oder Systeme investiere, nehme ich das Team mit“, betont der 53-Jährige. So frage er immer, was verbessert oder verändert werden sollte – von den Führungskräften bis hin zu den Azubis.
Das Konzept geht auf: In seinen zehn Jahren Selbstständigkeit ist der Betrieb von sechs Mitarbeitenden auf 30 Beschäftigte gewachsen. Ausgebildet hat Nee von Anfang an, derzeit lernen in dem Betrieb vier Azubis. Durch die Einbeziehung der jungen Leute, kann der Chef auf Nummer sicher gehen, dass sich alle mit der Digitalisierung beschäftigen und Spaß an der Weiterentwicklung haben. Allen voran hat Nee in den 3D-Druck investiert und war einer der ersten Betriebe in der Region, der sich umfassend mit dem Thema beschäftigt hat.
„Machen wir uns nichts vor: Mit moderner Technik und digitaler Denkweise können wir die jungen Generationen für das Handwerk gewinnen“, ist Nee sich sicher. Aber nicht nur Personal spreche seine strategische Ausrichtung an, auch Neukunden habe der Betrieb dadurch gewonnen.
Chancen für die Zahntechniker-Branche sieht der Unternehmer aber auch in der Künstlichen Intelligenz (KI) und der Robotik. „Aktuell liefert die KI uns gute Vorschläge, wie wir bestimmte Lösungen für den Zahnersatz umsetzen können“, sagt Nee. Der Einsatz dieser Technologie spare Geld, Zeit und Energie, betont er.
Aus anderen Branchen lernen
Mit der 3D-Druck-Technik erstellt sein Team Modelle, Bohrschablonen oder Prothesen. Der Vorteil: Man spare Lagerkapazitäten mehr und es gebe weniger Abfall. Ideen und Anregungen zur Weiterentwicklung holt sich der Betriebsinhaber auch in anderen Branchen. So nutzt er beispielsweise eine Poliermaschine aus der Brillenindustrie – zum Polieren von Edelmetallen.
Potenzial sieht Karl-Heinz Nee auch im Metalldruck und schaut sich ab und an im Maschinenbau um. Interessant sei das Thema Automatisierung: „Das könnte ich mir beispielsweise bei den Verpackungen vorstellen. Wir müssen heutzutage nicht mehr alles alleine machen, da könnten auch Roboter zum Einsatz kommen.“
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