Jahresgespräche mit Mitarbeitenden

Wie Kommunikation Türen öffnet

Im Baubetrieb von Ann-Marie Franke werben junge Mitarbeiter von sich aus neue Fachkräfte an. Das ist das Ergebnis von einem Veränderungsprozess im Unternehmen. Aber nicht nur das.

3 Min.26.07.2025, 10:26 Uhr
Von
Wie Kommunikation Türen öffnet
https://www.handwerk.com/sites/default/files/ww/2025-06/IMG_0005.jpeg
Anzeige
Anzeige

Wenn Ann-Marie Franke mit ihren Mitarbeitenden Jahresgespräche führt, fragt sie immer nach, ob sich die Person im Team wohlfühlt. Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Entwicklungsmöglichkeiten der Fachkräfte: „Ich frage zum Beispiel: ‚Wo willst du hin? Was möchtest du erreichen?‘ Oder: ‚Was bist du bereit, dafür zu tun?‘‘“, berichtet die Bauunternehmerin aus Sarstedt. Nicht selten habe sie dann schon gehört, dass jemand gern die Meisterschule besuchen würde oder aber auch zufrieden auf der aktuellen Position ist.

Alte Strukturen aufgebrochen

Seit ihrer Übernahme als Geschäftsführerin hat Franke in dem Handwerksbetrieb vor allem an den Themen Offenheit, Kommunikation, Transparenz und Digitalisierung gearbeitet. „Alte Strukturen und Prozesse locken junge Menschen heute nicht mehr“, ist die 35-Jährige überzeugt. Sie habe erlebt, dass Auszubildende – anders als früher - Raum für sich und ihre Anliegen einfordern.

Die studierte Architektin hat bereits als Jugendliche Praktika in Architektur- und Baubetrieben gemacht und ist in dem Familienunternehmen aufgewachsen. 2015 ist Franke als Bauleiterin in den Handwerksbetrieb mit heute 30 Mitarbeitenden eingestiegen. Nach und nach habe sie Geschäftsführer-Tätigkeiten von ihrem Vater übernommen. Die offizielle Übergabe fand zum 70. Jubiläum der Franke Bauunternehmen GmbH im Jahr 2024 statt. Als Prokurist ist Joachim Franke noch im Betrieb beschäftigt.

Mit einem angestellten Meister teilt sich Ann-Marie Franke die Kunden auf. Wenn es um Fassadenbaustellen geht, ist er der erste Ansprechpartner – in Sachen Generalunternehmertum übernimmt sie. Erster Kontakt zum Team sind die Bauleiter auf den Baustellen.

Perspektiven binden Mitarbeitende

Auch Tandems von älteren und jüngeren Gesellen hat Franke eingeführt. „Für den Wissenstransfer in unserem Betrieb ist das sehr wertvoll“, sagt sie. Jeder bekommt ausreichend Freiheiten und Spielraum, sich weiterzuentwickeln und Ideen mit einzubringen. Und es gibt für jeden eine Vertrauensperson im Betrieb.

Spezialisiert hat sich der Betrieb auf Bauen im Bestand. Bei der Einsatzplanung achte sie darauf, dass Gesellen ihren Stärken entsprechend arbeiten. „Man muss den jungen Menschen Vertrauen entgegenbringen und ihnen Verantwortung übertragen“, ist Franke überzeugt. Dafür müsse man als Chefin auch locker lassen können.

Bei der Besprechung der Bauvorhaben legt sie die Kostenstruktur offen. Beispielsweise informiert Franke darüber, welche Zeiten sie für die Erfüllung bestimmter Aufgaben veranschlagt. Nur so könnten alle transparent nachvollziehen, wann ein Bauvorhaben erfolgreich ist.

Und das trägt Früchte: Seit einiger Zeit bringen die jungen Gesellen Bekannte mit in den Betrieb – also potenzielle Mitarbeitende. „Es spricht sich herum, dass sie sich wertgeschätzt und gesehen fühlen“, sagt die Unternehmerin. „Wer denkt, dass offene Kommunikation nur bei Frauen ein wichtiges Thema ist, der irrt“, ergänzt Franke, die sich im Arbeitskreis „Junger Bauunternehmer“ engagiert.

Migration als Chance für das Handwerk

Um dem Fachkräftemangel in der Branche zu begegnen, beschäftigt das Familienunternehmen schon länger Mitarbeitende mit Migrationshintergrund – beispielsweise aus Osteuropa, dem Iran, Marokko oder Liberia. Der Schlüssel zur erfolgreichen Bindung liegt aus ihrer Sicht auch hier in der Kommunikation. So unterstütze sie Mitarbeitende, in Deutschland Fuß zu fassen und höre zu, wo es Probleme und Bedarfe gibt. Auch helfe sie ihnen, ihre Sprachkenntnisse kontinuierlich zu verbessern, teilweise auch durch Beantragung für Förderungen.

Aber auch im Team spielt Migration eine Rolle. „Rassismus ist immer wieder Thema, nicht nur auf Baustellen oder in der Schule. Wir haben viele Hürden abgebaut, stellen mehr Fragen und gehen anders miteinander um“, berichtet die Unternehmerin. Das wüssten nicht nur die Kollegen mit Migrationshintergrund zu schätzen.

Schlanke Verwaltung, digitale Prozesse

Was die jungen Menschen aber auch animiert, im Franke Bauunternehmen zu arbeiten, sind das digitale Umfeld und die schlanken Strukturen. Projekte, Löhne, Rechnungen und vieles mehr werden digital erfasst. „Ich habe dadurch tagesaktuell eine Kostenübersicht und weiß, wo wir stehen“, sagt Ann-Marie Franke. Betriebliche Smartphones habe sie bereits vor Corona eingeführt, sie sorgen für einen reibungslosen Ablauf. Und worauf die Unternehmerin ganz besonders stolz ist: „Wer hier zufrieden ist, wirbt von sich aus für uns.“

Tipp: Sie wollen mehr Nachrichten lesen, die das Handwerk betreffen? Im kostenlosen handwerk.com-Newsletter finden Sie sie. Melden Sie sich jetzt an!

Anzeige
Anzeige