Die Dachdeckermeister Christoph Ruhrmann und Robert Krause inspizieren Dächer mit Gyrokopter und Profi-Kamera.
Foto: Dachcheckpro

Strategie

2 Meister gründen neu: Gutes Geschäft in luftiger Höhe

Mit Tragschrauber und Kamera gehen sie Dachschäden auf den Grund: Diese Meister haben über den Dächern ihrer Stadt ein neues Geschäftsmodell gefunden.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick

  • Alternative zur Dachbegehung: Die Dachdeckermeister Christoph Ruhrmann und Robert Krause bieten Dachbegutachtungen mit einem Tragschrauber (Gyrokopter) an.
  • 150 Dächer kann das Team innerhalb von zwei Stunden Flugzeit dokumentieren. Das gehe deutlich schneller als beim Einsatz von Drohnen.
  • Vor allem für Kunden mit vielen zu begutachtenden Dächern reduziere sich der Preis einer Begutachtung pro Dach deutlich.

In zwei Stunden Flugzeit 150 Dächer im Kasten: schnell, günstig und effizient ist der Dienst, für den die beiden Dachdeckermeister Christoph Ruhrmann und Robert Krause das Startup Dachcheckpro gegründet haben. Die Handwerksunternehmer bieten Dachbegutachtungen aus der Luft an. Nicht mit einer Drohne, sondern mit einem Tragschrauber (Gyrokopter) und professionellem Kameraequipment.

Wer mit einer Drohne den höchstpersönlichen Lebensbereich anderer verletzt, macht sich strafbar.

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Entwickelt hat sich die Idee in zwei Schritten. Für einen Kunden hat Ruhrmann zunächst ein Dach vom Boden aus mit seiner Kamera inspiziert. „Aber natürlich sind da nicht alle Dachbereiche einsehbar“, sagt der Unternehmer. Da er schon engen Kontakt zum Handwerkskollegen und Tragschrauberpiloten Krause hatte, führte eines zum anderen. Die beiden taten sich zusammen. 2018 haben sie die ersten Dachbegutachtungen aus der Luft gemacht.

Inzwischen zählen drei Wohnungsbaugenossenschaften zu ihren Kunden. Durch die Dachbegutachtung erfüllen Hausbesitzer ihre Verkehrssicherungspflicht zur Abwehr von Gefahrenquellen.

Viele Dächer in kurzer Zeit

Im Geschäftsmodell der Dachdecker habe die Kombination aus Tragschrauber und Kameramann im Vergleich zum Drohnen-Einsatz einige Vorteile. Die hängt mit der Menge an zu dokumentierenden Dächern zusammen: Für eine einzelne Genossenschaft fotografiert das Duo schon mal 600 Dächer. Sechs Flugstunden seien dafür etwa nötig, die Krause und Ruhrmann auf drei bis vier Flüge aufteilen. Später wird das Bildmaterial am Computer ausgewertet.

„Eine Drohne wäre für die Aufnahmen bestimmt einen Monat unterwegs“, schätzt Ruhrmann. Schließlich müssten beim Drohneneinsatz nicht nur geeignete Plätze für Starts und Landungen gesucht werden, auch verhindere die begrenzte Akkulaufzeit, dass man viele Wohnhäuser in einem Flug dokumentiert.

Mit dem Tragschrauber gibt es dieses Problem nicht. Die Maschine überfliegt die Dächer in einer Höhe von 450 bis 600 Metern. Mit 30 Kilometern in der Stunde kann sie sehr langsam fliegen. „Außerdem ist der Tragschrauber offen, so dass ich mich herauslehnen und fast senkrecht nach unten fotografieren kann“, erzählt Ruhrmann. Die Detailtreue der Fotos mache die Inspektion vom Tragschrauber aus so genau wie eine Kontrolle vor Ort.

Geringe Kosten pro Dach

Dabei ist sie um einiges günstiger. „Wir bewegen uns beim Preis zwischen 40 und 60 Euro pro Haus“, sagt Ruhrmann. Das sei nur ein Bruchteil dessen, was eine Dachbegehung kosten würde. Bei der wären zwei Mitarbeiter vor Ort und bräuchten pro Haus etwa 1,5 bis 2 Stunden. Können manche Dachflächen nicht ohne weitere begangen werden, wären Zusatzarbeiten wie die Anbringung von Sicherheitsdachhaken nötig. Je nach Komplexität kämen so 300 bis 500 Euro Kosten zusammen, rechnet Ruhrmann vor.

Das Angebot der beiden Meister könne dagegen neben der jährlichen Überprüfung zusätzliche Inspektionen zum Beispiel nach Stürmen sinnvoll machen. So ließen sich teure Langzeitschäden vermeiden, die mit der Zeit schon durch kleine Defekte im Dach am Gebäude entstehen könnten.

Die beiden Unternehmer bauen ihr Startup als zusätzliches Standbein neben ihren Dachdeckerei-Betrieben auf. Aktuell nehme es rund einen Arbeitsmonat im Jahr in Anspruch. Doch das Geschäft soll weiter ausgebaut werden. Ab dem nächsten Jahr könnte das Duo seine Inspektionen möglicherweise schon für Privatkunden anbieten. „Deren Häuser würden wir dann mitfotografieren, wenn wir für einen großen Auftrag gerade in der Luft sind.“

Auch Kollegen aus dem Handwerk wollen sie es anbieten. „Die könnten das Bildmaterial zusätzlich für zukünftige Arbeiten nutzen“, sagt Ruhrmann. Durch Auszählen der Ziegel lasse sich schließlich auch schnell eine Dachfläche zum Beispiel zum Erstellen von Angeboten errechnen.

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