Schluss mit der Zettelwirtschaft: Auszubildende können ihr Berichtsheft digital führen.
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Schluss mit der Zettelwirtschaft: Auszubildende können ihr Berichtsheft digital führen.

Attraktivere Ausbildung

Digitales Berichtsheft für Azubis – die Lösung aller Probleme?

Auszubildende können ihr Berichtsheft digital führen. Immer mehr Apps kommen speziell für das Handwerk auf den Markt.

  • Das Berichtsheft ist bei Azubis und im Betrieb oft unbeliebt, weil es viel Arbeit macht und Ärger verursacht.
  • Seit einigen Jahren darf es auch digital geführt werden.
  • Immer mehr Apps kommen auf den Markt, gewerkeübergreifend oder speziell für ein Gewerk.
  • Die Vorteile: Nichts kann verloren gehen, Betriebe bekommen einen besseren Überblick und Azubis sind flexibler.

Das Berichtsheft ist nicht unbedingt der beste Freund der Azubis. Nicht jeder schafft es, seine Tages- oder Wochenberichte pünktlich zu verfassen, Fachberichte sauber zu erstellen und abzuheften. Zerfledderte oder fleckige Berichtshefte, die viel zu spät eingereicht werden oder sogar verloren gehen – das kennt wohl jeder Betrieb.

Doch das Bild wandelt sich. Schon seit einigen Jahren erlaubt das Berufsbildungsgesetz das Führen eines digitalen Berichtsheftes, wenn es im Ausbildungsvertrag so vereinbart wurde. Auch Anbieter gibt es mittlerweile einige im Handwerk. So stellen Innungsverbände wie der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks gewerkespezifische Apps zur Verfügung, andere Angebote sind berufsübergreifend angelegt.

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Ziel: Azubis sollen es leichter haben

Ein Ziel der digitalen Angebote ist es, den Azubis die Ausbildungsberichte leichter zu machen. „Das Schreiben von Hand ist für viele Jugendliche nicht mehr zeitgemäß“, sagt Arne Bretschneider vom Bundesverband Tischler Schreiner Deutschland. „Sie sind aber regelmäßig mit den Smartphone unterwegs – eine App spricht sie dann mehr an als ein gedrucktes Berichtsheft.“ Darum will Bretschneiders Verband ab Sommer eine eigene App für diesen Zweck anbieten.

Die Vorteile lägen auf der Hand, bestätigt Markus Nacke, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Vechta, die ihre gewerkeübergreifende App „Digitales Berichtsheft“ seit dem Sommer Betrieben anbietet. „Die Azubis müssen sich nicht mehr extra an den Schreibtisch setzen, um ihre Berichte zu schreiben, sondern können es von überall machen. Fotos, Excel-Tabelle und andere Dateien lassen sich einfach hochladen, ohne Ausdrucken und Einkleben.“ Außerdem seien die Daten in der Cloud sicher, nichts könne verloren gehen.

„Die Betriebe bekommen leserliche Berichte und haben einen besseren Überblick“, sagt Markus Nacke, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Vechta.
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„Die Betriebe bekommen leserliche Berichte und haben einen besseren Überblick“, sagt Markus Nacke, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Vechta.

Mehr Transparenz auch für den Betrieb

In den nutzerfreundlichen Programmen können Tages- oder Wochenberichte verfasst, Dateien hochgeladen und Fachberichte erstellt werden. Ausbilder haben einen Zugang, so dass sie schnell ein Feedback geben können: Bericht genehmigt oder abgelehnt, Kommentarfunktionen erlauben Korrekturen.

Dass das Zettelchaos ein Ende habe, sei auch für die Betriebe von Vorteil, meint Nacke: „Sie bekommen leserliche Berichte, die dank der Rechtschreibprüfung auch weniger Fehler aufweisen.“ Im „Digitalem Berichtsheft“ können Azubis ihre Berichte auch diktieren – ein Vorteil für alle, die nicht gern oder nicht gut schreiben.

Nicht zuletzt behalte der Betrieb einen besseren Überblick über den Stand der einzelnen Berichte: „Früher musste immer das komplette Heft abgegeben werden, in der App wird der Ausbilder per Push-Nachricht informiert, dass der Azubis einen Bericht abgegeben hat und kann sofort darauf reagieren“, sagt Nacke. Diese Reaktion lande dann ebenfalls per Push-Nachricht auf dem Handy des Azubis. Am Ende der Ausbildung bekommen auch die Prüfer einen Zugang, so dass nichts mehr ausgedruckt oder per USB-Stick übergeben werden muss.

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Und wenn die Azubis alles kopieren?

Mittlerweile setzen in der Kreishandwerkerschaft Vechta zehn von 13 Innungen die App ein. Alle Betriebe sind dabei, rund 300 Azubis im ersten Lehrjahr nutzen sie. „Wir mussten aber auch Zweifel ausräumen“, sagt Nacke. Die größte Sorge sei gewesen, dass zu viel kopiert wird, anstatt Berichte selbst zu schreiben. „Doch es ist so kompliziert, einen kopierten Text in die App zu laden, dass es einfacher ist, ihn selbst zu schreiben.“

Bei Zeichnungen, die einfach fotografiert werden könnten, sei das anders. „Wir geben deshalb den Betrieben den Rat, Azubis Zeichnungen immer auf Papier mit dem Logo des Betriebs anfertigen zu lassen – dann kann niemand betrügen“, so Nacke. Die Rückmeldung von den Azubis sei positiv.

„Es geht auch darum, die Ausbildung attraktiver zu machen“, sagt Arne Bretschneider vom Bundesverband Tischler Schreiner Deutschland.
Foto: Tischler Schreiner Deutschland
„Es geht auch darum, die Ausbildung attraktiver zu machen“, sagt Arne Bretschneider vom Bundesverband Tischler Schreiner Deutschland.

Letztlich gehe es darum, mit der Digitalisierung die Ausbildung attraktiver zu machen, sagt Arne Bretschneider. „Geliebt wird das Berichtsheft nur von wenigen“, meint er. Als App sei es aber näher an der Lebenswelt der Jugendlichen. „Wir müssen uns schon Gedanken machen, wir zukünftig junge Menschen von der Ausbildung begeistern – das digitale Berichtsheft ist ein kleiner Baustein dabei.“

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