Von Holz und Handel
Starkes Team, moderne Tools und echtes Handwerk: Holztreppen Herold geht mit digitaler Kraft in die nächste Generation.
Auf einen Blick
Seit mehr als 230 Jahren gibt es in der Tischlerei Holztreppen Herold kurze Wege in der Werkstatt. Der Familienbetrieb mit heute elf Mitarbeitenden steht seit 1794 in Lippetal im Kreis Soest. Daran möchte auch die neue Generation nichts ändern. Tischlermeister Markus Kaymer hat zum 1. Januar 2026 in der achten Generation die Tischlerei von Klaus Herold übernommen.
Spezialisiert ist die Tischlerei hauptsächlich auf den Bau von Massivholztreppen. Dennoch macht der Betrieb 70 Prozent seines Umsatzes mit Handel. Haus- und Zimmertüren, Parkettböden oder Glas- und Lofttüren werden bei regionalen Partnern dazugekauft und bei Bedarf fachgerechte montiert und verlegt. Nach dem Konzept „Alles aus einer Hand“ kann der Betrieb so ein ganzes Haus ausbauen.
Der Kundenstamm besteht in erster Linie aus Privatkunden und verlässliche Bauträger, die aus einem Umkreis von 50 Kilometern kommen. „Treppenbau gibt es in der Region nicht so viele und wir haben uns über die Zeit einen Namen gemacht“, berichtet Tischlermeister Herold. Kaymer ergänzt: „Denn wir bieten auch Systeme an, für die man teilweise eine Zulassung braucht.“ Zudem könne die Tischlerei alle Stile anbieten, von klassisch verspielt bis hin zu minimalistisch modern.
Ein nahtloser Übergang

Nach 33 Jahren ist es für Herold an der Spitze des Betriebes vorbei. Der Meister, der beim Onkel von Kaymer gelernt hat, musste 1993 mit 23 Jahren die Tischlerei übernehmen. Jetzt macht er noch Beratung, Planung, Aufmaß und möchte sich dann schrittweise aus dem Betrieb zurückziehen. „Mein Credo für eine gute Übergabe: bis zum letzten Tag so arbeiten, als wenn man morgen weitermachen will“, erklärt Herold seine Pläne. Für Herold ist es wichtig, dass sein Nachfolger einen transparenten Einblick in alle essenziellen Unterlagen der Firma bekommt und seine Ideen wertschätzt. Auch sei es wichtig, den Nachfolger frühzeitig bei den Stammkunden vorzustellen. Diese Herangehensweise machte es für Kaymer leichter, in die Betriebsführung einzusteigen. „Es war immer ein Raum für meine Ideen da. Ich konnte langsam in die Rolle hineinwachsen“, schildert Kaymer den Übergabeprozess.
Kaymer hat 2004 den Betrieb das erste Mal kennengelernt und dort dann auch seine Ausbildung gemacht. Danach erweiterte er sein Wissen durch ein kurzes Maschinenbau-Studium und sammelte in den anderen Betrieben noch weitere Erfahrungen. Für sein Meisterstück kam der 41- Jährige zu Holztreppen Herold zurück und blieb. Nach 13 Jahren als Meister übernimmt er nun den Familienbetrieb.
Traditionelle Handarbeit und Digitalisierung
In der Werkstatt werden die Treppen in traditioneller Handarbeit gefertigt. Die Einrichtung ist ganz auf den Massivholz-Bau abgestimmt. Eine CNC-Maschine sucht man vergebens. „Wir haben schon öfter diskutiert, ob wir mit oder ohne eine CNC-Maschine arbeiten wollen. „Stand jetzt haben wir noch keinen Mehrwert für uns entdecken können, so wie wir hier arbeiten“, berichtet Kaymer. Ohne CNC können die Mitarbeitenden mehr auf die Wünsche der Kunden eingehen.
Dennoch schaffen es digitale Tools in die traditionsreiche Werkstatt. Zur Planung gibt es eine Software mit deren Hilfe die Treppen genau konstruiert und anschließenden den Kunden fotorealistisch auf einem großen Bildschirm 3D präsentiert werden kann. Ebenfalls hat Kaymer dafür gesorgt, den ganzen Planungsablauf zu digitalisieren. „Unser größtes Problem mit Digitalisierung ist zurzeit die Schnittstelle zur Werkstatt“, erklärt der neue Betriebsinhaber. Daran müsse noch gefeilt werden. Zudem werden die Arbeitszeiten digital erfasst und eine Künstliche Intelligenz (KI) erstellt Protokolle von den Kundengesprächen für ein späteres Angebot.
Die Arbeitsaufteilung im Betrieb ist klar geregelt: Ist eine Treppe bestellt, bleibt sie in einer Hand. „Jeder Mitarbeiter bekommt seine Treppe und geht alle Arbeitsschritte mit“, sagt Herold. Vom Aufmaß über die Zeichnung bis hin zum Aufbau. So bleibt der Kopf gefordert und man hat am Ende ein Erfolgserlebnis.


Noch weitere 230 Jahre?

Seit Beginn an hat Holztreppen Herold Lehrlinge in der Tischlerei. Aktiv nach Auszubildenden suchen, muss der Betrieb nicht. Durch eine gute Mundpropaganda und eine große Offenheit für Praktika kommen die jungen Leute von allein. „Ich sehe ein Praktikum als sehr wichtig an, man räumt damit Missverständnisse gegenüber dem Handwerk aus“, betont Herold. Neben Schulpraktika bietet die Tischlerei auch freiwillige Praktika in den Ferien an.
Viele von den heutigen Mitarbeitern sind dort auch ausgebildet worden und geblieben. „Als ich die Firma das erste Mal betreten habe, hatte Klaus sieben Mitarbeiter. Heute sind davon fünf noch da“, berichtet Kaymer. Zum Thema Personalwechsel hat Klaus Herold eine klare Meinung: „Fluktuation ist immer das teuerste, was machen man machen kann. Es geht nichts über ein eingespieltes Team.“ Um seine Mitarbeitenden so lange halten zu können, werden in der Tischlerei flache Hierarchien und Wertschätzung großgeschrieben. „Weniger Überstunden, also mehr Freizeitausgleich und so weiter. Das lebt Klaus eigentlich für die Mitarbeiter, seitdem ich den kenne, vor“, lobt Kaymer seinen ehemaligen Vorgesetzten.
Für die Zukunft möchte der neue Betriebsinhaber die Arbeitsabläufe bestmöglich mit digitalen Tools unterstützen: „Die KI kann uns handwerklich nichts abnehmen, aber in der Organisation und im Betriebsablauf zur Hand gehen.“ Ebenfalls möchte Kaymer sich auf die nächste Generation konzentrieren. Er will junge Leute gut mit einbinden, viel Verantwortung abgeben und sie damit an den Betrieb zu binden umso das Know How zu halten.

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