Zwischen Firmenumbau und Familienalltag
Unternehmerin Christiane Noss-Flohr führt den Familienbetrieb in dritter Generation weiter. Für ihren Fensterbaubetrieb hat sie künftig jedoch ganz andere Pläne.
Auf einen Blick
Mental stark bleiben – die gelebte Devise von Tischlermeisterin und Betriebsinhaberin Christiane Noss-Flohr. „Diese mentale Stärke erarbeite ich mir selbst“, sagt die 44-Jährige. Doch auch das familiäre Netzwerk aus Schwiegereltern, Mutter Rita Noss und ihrem Ehemann helfe sehr. Ihr Einstieg ins Unternehmen Fensterbau Noss in Neuwied in Rheinland-Pfalz war alles andere als leicht – wie auch ihre Mutterschaft als Unternehmerin. Doch trotz vieler Hürden habe sich sie immer neu erfunden.
Das Unternehmen wurde im Jahr 1965 von Großvater Theo Noss gegründet – am Ortskern von Gladbach. Der Großvater spezialisierte sich auf Fensterbau. Ihr Vater folgte im Unternehmen. Der Weg von Christiane Noss-Flohr führte sie wiederum nach der Ausbildung zur Bauzeichnerin im Jahr 1998 an die Fachhochschule, dort erlangte sie nach einem Jahr die Fachhochschulreife. „Ich wollte eigentlich Architektur studieren“, erzählt sie. Von 2002 bis 2004 folgte dann jedoch eine Tischlerausbildung mit Fachrichtung Innenausbau in Koblenz. „Ich absolvierte direkt im Anschluss an meine Gesellenprüfung meine Meisterprüfung im Jahr 2005, da mein Vater, Betriebsinhaber von Fensterbau Noss, plötzlich und unerwartet im Jahr 2004 verstorben ist.“
Einarbeitung dank Mitarbeitender
Als der Vater verstarb, sprang ihre Mutter Rita Noss im Betrieb ein. Durch die Krankheit des Vaters war damals ein Investitionsstau. Diesen haben ihre Mutter und sie dann aufholen müssen.
Nach dem Meister stieg Christiane Noss-Flohr dann im Jahr 2004 im Betrieb bei ihrer Mutter mit ein. „Fensterbau war damals in meiner Ausbildung kaum ein Thema“, berichtet sie. Dementsprechend war die Einlernphase recht anspruchsvoll für sie. „Ich war auf die Einarbeitung durch die erfahrenen Mitarbeitenden angewiesen“, sagt sie.
Schwierige Doppelrolle
Im Jahr 2014 kam dann ihr Sohn Jan auf die Welt. Ein eingestellter Tischlermeister sollte nach der Geburt des Kindes das Büro leiten und ihre bisherigen Aufgaben im Betrieb übernehmen. „Das hat leider nicht geklappt“, sagt Noss-Flohr. So musste sie mit einem sechs Monate alten Säugling wieder im Fensterbaubetrieb arbeiten. „Das war eine Vollkatastrophe“, erinnert sich Noss-Flohr. Sie arbeitete, wenn das Kind schlief. Mit einem Jahr ging ihr Sohn dann in die Kita. „Ich fand das sehr, sehr schlimm, das Kind nach einem Jahr abzugeben“, erinnert sie sich.
Ihr Sohn sei dennoch immer vorgegangen: „Manche Kunden mussten dann eben warten“, schildert sie. Es hätte anders nicht funktioniert. „Als selbstständige Mama kommt man da nicht drumherum“, bedauert sie. Kommentare von außen, Schuldgefühle von innen – diesen Zwiespalt erlebte sie wie viele andere auch. Ihr Mann ist ebenfalls selbstständig, er führt einen Baumdienst in Neuwied. Ihr habe ihre mentale Stärke geholfen, gut durch die Zeit zu kommen.
„Ich bewundere den Einsatz junger selbstständiger Mütter“, so Noss-Flohr. Dabei bezieht sie sich unter anderem auf Tischlermeisterin Johanna Roeh, die immer wieder den Mutterschutz für Selbstständige thematisiert und den Verein Mutterschutz für Alle ins Leben gerufen hat.
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Gesunkene Nachfrage erfordert Umstrukturierung
2021 erfolgte dann der große Schritt: Noss-Flohr übernahm das Unternehmen von der Mutter. Waren es früher noch 20 Mitarbeitende, hat Noss-Flohr heute noch drei. Ihr Betrieb hat in den vergangenen Jahren viele Transformationen durchlebt. „Die Nachfrage nach Holzfenstern ist stark zurückgegangen“, erzählt sie. Die Materialien im Kunststofffenster seien inzwischen sehr gut. „Kunststoff-Fenster haben den Vorteil, ein geringerer Aufwand für die Kundinnen und Kunden zu sein“, so Noss-Flohr. Strengere Vorgaben erschwerten zudem die Holzfensterproduktion.
Die Konsequenz: Umstrukturierung und Verkleinerung des Betriebs. Seit vergangenem Jahr fertige sie keine Holzfenster mehr. „Mein Herzblut hängt am Holzfensterbau“, betont Noss-Flohr. Doch sie müsse die gesunkene Nachfrage nun wirtschaftlich sehen. Der Holzfensterbau lohne sich für ihren Betrieb mit 99 Prozent Privatkunden im Raum Neuwied bis Köln und Mainz nicht mehr. Viele ihrer Mitarbeitenden seien in den Ruhestand gegangen – das Unternehmen verkleinere sich zwangsläufig mit den veränderten Aufgabenbereichen.
Alleinstellungsmerkmal Familienbetrieb
Heute werden Fenster in ihrem Betrieb angeliefert, gelagert und schließlich montiert. Ihr Unternehmen habe sich beim Thema Sanierung inzwischen breit aufgestellt. Als Alleinstellungsmerkmal und Kernkompetenz nennt die Inhaberin jedoch, dass sie einen Familienbetrieb habe. „Wir sind greifbar. Bei uns geht keine Künstliche Intelligenz ans Telefon.“ Ihre Kunden seien froh, in ihrem Unternehmen einen echten Ansprechpartner zu haben. Klein und flexibel zu sein, sei ebenfalls ein Vorteil: „Wir sind kurzfristig in der Lage, etwas zu ändern und beim Kunden vorbeizufahren“, sagt sie.
Pläne für die Zukunft
Mit Blick auf die vergangenen Jahre wünscht sich die Betriebsinhaberin, sie hätte mehr über ihr Angebot im Sonnenschutz, im Innenausbau und in der Möbelfertigung kommuniziert. Das wolle sie angehen. Tradition sei ihr wichtig – doch für ihren Betrieb kann sie sich eine Weiterentwicklung sehr gut vorstellen. „Der Möbelbau ist ein super schönes und kreatives Feld“, sagt Noss-Flohr. Das sei ihre Idee für die nächsten Jahre. „Ich stelle mir eine Entwicklung in diese Richtung vor.“
- Firmenname: Fensterbau Noss Neuwied e.K.
- Ort: Neuwied
- Mitarbeiterzahl: 3 (davon 0 Azubis)
- Gründung: 1965
- Fachverband: Tischler Rheinland-Pfalz
- Internet: https://www.fensterbau-noss.de/
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