Schornsteinfegermeister Ralf Heibrok.
Foto: Denny Gille

Glückstour-Reportage

„Glück ist kein Zufall“

1000 Kilometer voller Freude: Das ist die Glückstour. Mit ihren Rennrädern macht ein Pulk von Schornsteinfegern überall dort halt, wo Menschen krebskranken Kindern helfen.

Auf einen Blick:

  • 1000 Kilometer Radfahren für die gute Sache: Bei der Glückstour verteilen Schornsteinfeger Spenden für krebskranke Kinder.

  • Wie wichtig die Arbeit ist und wie dankbar die Empfänger, durften wir auf einer Tagesetappe live miterleben.

  • Das Handwerk hält zusammen: An den einzelnen Stationen werden die Glückstour-Radler von lokalen Schornsteinfegern in schwarzer Kluft abgeholt und begleitet.

Samstagfrüh, 07.45 Uhr, ein Hotel in Bad Salzuflen: Die radelnden Schornsteinfeger der Glückstour sitzen beim Frühstück. Nach 400 Rennradkilometern wirken sie entspannt und gut gelaunt. Wie geht es dem Hintern? „Der kennt das“, antwortet Schornsteinfegermeister Ralf Heibrok und nippt an seinem Kaffee. Für den Organisator der Glückstour ist der 1000-Kilometer-Trip das große Highlight, der Lohn für ein Jahr Arbeit. 208.350 Euro an Spendengeldern konnten die Schornsteinfeger zugunsten krebskranker Kinder sammeln. So viel wie nie zuvor. Auf ihrer Glückstour besuchen sie Menschen, die diesen Kindern helfen und überreichen ihre Spenden.

Ich darf die Truppe auf der Tagestour von Bad Salzuflen nach Nienburg begleiten. Erstmal gibt es ein standesgemäßes Outfit: Trikot, Fahrradhose, Regenjacke, Helm – eine Top-Ausstattung haben Heibrok und sein Team organisiert, bedruckt mit Glückstour-Label und den Sponsoren, die sie für ihre Sache gewinnen konnten. Das ist kein Selbstzweck. „Je besser unsere Außenwirkung ist, desto mehr Aufmerksamkeit, Spenden und Hilfe bekommen wir.“

Für kleine Glücksmomente

Ich höre aufmerksam zu – der wahre Wert der vielen Arbeit wird mir aber erst klar, als wir die erste Station des Tagestrips erreichen: Bad Oexen, eine Klinik im Grünen mit liebevoll erhaltenen historischen Fachwerkhäusern. Wir werden jubelnd von lokalen Schornsteinfegern in schwarzer Kluft, Klinikpersonal und angereisten Eltern empfangen. Zur Stärkung steht Kaffee bereit und es gibt frisches Wasser in hübschen Gläsern.

Der leitende Kinderarzt Konstantin Krauth nimmt eine Spende über 3.000 Euro entgegen. Die Aktion der Schornsteinfeger hat ihn sichtlich bewegt. „Glück ist kein Zufall“, sagt Krauth. „Ihr seid jetzt ein Teil unseres Teams.“ Die Klinik plant den Bau eines neuen Spielplatzes und den Aufbau einer Hundetherapie. „Wir machen beides, aber ihr dürft entscheiden, wofür wir euer Geld einsetzen“, sagt Krauth. Die Schnellabstimmung zeigt: Schornsteinfeger sind Hundetherapie-Fans.

Das Projekt Fruchtalarm ist auch vor Ort und wird mit Spenden bedacht. Fruchtalarm bringt eine mobile Kindercocktailbar in Kinderkrebsstationen. Dort können die kranken Kinder ihre Wunschfruchtcocktails mixen. Solche Glücksmomente bringen Abwechslung in den Klinikalltag.

Jeder Cent kommt an

Gut gelaunt geht es für die gut 30 Rennradler weiter. Rund 80 Prozent der Glückstourteilnehmer sind Schornsteinfegermeister. Auf Teilstrecken bekommt die Gruppe auch 2018 prominente Mitfahrer, darunter Radrennlegende Erik Zabel sowie Moderatorin Eva Brenner („Zuhause im Glück“, RTL2).

Die Schornsteinfeger kommen aus ganz Deutschland, einer aus Wien. Manche sind schon im Ruhestand, viele von ihnen sind von Anfang an dabei, erleben wie Ralf Heibrok gerade ihre 13te Tour. Jeder Glückstour-Teilnehmer zahlt ein Startgeld von 500 Euro. Übernachtung, Benzinkosten, Verwaltung – alle Aufwände tragen sie selbst. Für Schornsteinfegermeister Sebastian Hund macht das die Glückstour zu etwas wirklich Besonderem. „Jeder gespendete Cent kommt genau dort an, wo er gebraucht wird. Das ist für eine privat organisierte Aktion sehr selten“, sagt der 27-Jährige. Er fährt die Glückstour dieses Jahr zum ersten Mal komplett mit.

Handwerk hält zusammen

Kurz vor dem nächsten Halt in Minden treffen wir die nächste Gruppe lokaler Bezirksschornsteinfeger. Kein Zufall: Die Organisatoren der Tour schreiben die Innungen vorher an – und können sich auf ihre Kollegen verlassen. „Das Handwerk steht zusammen“, sagt Ralf Heibrok stolz. Schornsteinfegerehre. Der schwarz gekleidete Neuzugang führt uns zum nächsten Halt – dem Johannes Wesling Klinikum in Minden. Hier warten noch mehr Schornsteinfeger, viele Eltern und ihre Kinder auf die Glückstour-Radler. Bei ihrer Ankunft bricht Applaus los. Ich bekomme eine Gänsehaut.

Eine Elternvereinigung krebskranker Kinder freut sich hier über die Glückstour-Spende. „Braucht ihr sonst noch was?“, fragt Ralf Heibrock. Antwort: Zur Neugestaltung ihrer Küche für betroffene Kinder und deren Familien werden helfende Hände gesucht. Spontan bieten die lokalen Bezirksschornsteinfeger ihre Unterstützung an. So wie hier läuft das oft. „Wir hören uns an, wie wir helfen können und fragen, was fehlt“, sagt Heibrock.

Nach 100 Kilometern endet die Tagesetappe in Nienburg. Die Glückstourtruppe verabschiedet mich mit lautem Getöse. Ich habe hier viele herzliche Menschen kennengelernt. „Wenn sich was dreht, dann ums Herz“ ist das diesjährige Motto der Tour. Wie viel Tatkraft dahintersteckt, haben die Glückstourradler eindrucksvoll gezeigt. Und mir bleibt im Gedächtnis: Glück ist kein Zufall.

Übrigens: Mit der Glückstour nimmt Ralf Heibrok am diesjährigen Wettbewerb Goldener Bulli teil. Bewerben auch Sie sich! Volkswagen und die drei großen Handwerksverlage Holzmann Medien, Verlagsanstalt Handwerk und Schlütersche Verlagsgesellschaft suchen sozial engagierte Handwerker. Zeigen Sie, wie viel Glück im Handwerk steckt! Jedes Engagement zählt. www.der-goldene-bulli-2018.de

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