Von der Fachkräftesicherung bis zu nachhaltigen Produktionsprozessen gestalten diese Schreiner ihre Zukunft ganz aktiv. Auch für eine Verbesserung der Lehre setzen sie sich ein.
German Design Award, Thalhofer Innovationspreis, Handwerksunternehmen des Jahres – die Moser GmbH kann auf eine lange Reihe von Auszeichnungen blicken. Die Trophäen und Urkunden haben eine eigene Wand am Unternehmenssitz im baden-württembergischen Haslach im Kinzigtal. Die Schreiner zeigen sie mit Stolz, denn sie sind das Ergebnis harter Arbeit am Innungsbetrieb. Ihr Zweck: Den Erfolg des 130 Mitarbeiter großen Handwerksunternehmens dauerhaft sichern. So haben die Schwarzwälder in den letzten Jahren viel in ihre Attraktivität für Fachkräfte investiert und sich intensiv mit der Nachwuchsgewinnung in der Generation Z beschäftigt. Die Mühe zahlt sich aus. „Wir haben eine stetige Ausbildungsquote von zehn Prozent und können aus vielen guten Bewerbungen die besten auswählen“, berichtet Sarah Griesbaum, die das Unternehmen mit Florian Wölfle leitet.


Den nächsten strategischen Meilenstein hat sich das Duo im Bereich Nachhaltigkeit gesetzt. „Wir wollen CO2-neutral werden“, sagt Wölfle. Im letzten Jahr haben die Schreiner erfolgreich das Umweltaudit nach ISO 14001 durchlaufen und ihr Umweltmanagement zertifizieren lassen. Damit habe das Unternehmen seine Nachhaltigkeitsaktivitäten gebündelt und strategisch verankert. Das passe einerseits zu den Werten der Schreiner. „Es ist der richtige Weg, die Umwelt zu schonen und Ressourcen verantwortungsvoll einzusetzen“, sagt Sarah Griesbaum. Zudem sehen die Schreiner darin wachsende Wettbewerbsvorteile. „Wir sind überzeugt, dass Nachhaltigkeit bei der Auftragsvergabe künftig eine größere Rolle spielen wird“, sagt sie.
Große Unternehmen sind seit diesem Jahr im Rahmen der EU-Richtlinie CSRD – Corporate Sustainability Reporting Directive – zur Nachhaltigkeitsberichterstattung verpflichtet. Die Pflicht trifft die Schreiner nicht, aber viele ihrer Auftraggeber. „Unseren Auftraggebern erleichtern wir die Dokumentation, indem wir transparent nachweisen können, dass wir als Lieferant alle Nachhaltigkeitskriterien einhalten“, sagt Florian Wölfle.

Einfach haben sich die Schreiner das dazu nötige Umweltaudit nicht gemacht. „Mit einer großen Photovoltaik-Anlage allein ist es nicht getan“, erklärt der Schreiner. Die Schwarzwälder sind das Thema von mehreren Seiten angegangen. Der Prozess stetiger Verbesserungen werde so lange durchlaufen, bis das Ziel CO2-Neutralität erreicht ist. Konkrete Maßnahmen gab es bisher unter anderem in diesen Bereichen:


Auch die digitalen Weiterentwicklungen im Unternehmen nutzen letztlich der Nachhaltigkeit. „Wir haben in den letzten Jahren unseren Papierverbrauch durch digitale Prozesse sehr stark reduziert“, sagt Sarah Griesbaum. Von der Warenannahme bis zur Rechnungsstellung seien die Geschäftsprozesse digitalisiert und automatisiert worden. „In unserer Mitarbeiter-App verwalten wir zum Beispiel die Zeitwirtschaft und machen die Lohnabrechnung für die Mitarbeiter zugänglich. Auch den Bereich Personalverwaltung inklusive Bewerbermanagement bilden wir darin ab“, sagt die Betriebswirtin des Handwerks. Die App sei auf den Privatgeräten der Mitarbeitenden installiert und die Nutzung sei freiwillig. „Nur ein Teammitglied von 130 setzt aktuell noch auf Papier“, berichtet Griesbaum.
Handwerklich fußt das Geschäft der Moser GmbH auf drei Standbeinen: Der Innenausbau macht den größten Anteil aus, gefolgt vom Fensterbau und schließlich dem Bereich Mineralwerkstoffe, in dem Produkte wie Thekenanlagen, Küchenplatten und Waschtische hergestellt werden. „Wir bieten alles, was das Material hergibt: Sägen, Fräsen, fugenloses Verkleben und thermisches Verformen“, sagt Wölfle.



Die Auftragsvolumina des Unternehmens reichen vom Stammkunden, der Einzelmöbel im niedrigen vierstelligen bestellt, bis zum Großauftrag über eine Million Euro. „Die große Vielfalt der Auftraggeber macht ein Stück weit unsere wirtschaftliche Stabilität aus“, sagt Wölfle. Und sie zieht Fachkräfte unterschiedlicher Interessenschwerpunkte an. Denen bietet das Unternehmen einiges, vom angepassten Gehörschutz über ergonomische Arbeitsplätze, flexiblen Arbeitszeiten, einem bezuschussten Mittagstisch, bis zur betrieblichen Altersvorsorge.
Für die Fachkräftesicherung machen sich die Schreiner auch in der Innung stark. „Mein Vater war lange stellvertretender Obermeister unserer Schreinerinnung und ich war in der Geschäftsführung für Finanzen zuständig“, berichtet Griesbaum. Aktuell stellt das Unternehmen einen Meister im Ausbildungsausschuss. Darin versucht es auch politisch zu wirken, um die Lehre weiter zu verbessern. „Wir setzen uns dafür ein, dass Auszubildende zusammenhängend über längere Zeiträume im Betrieb sind und dafür zum Beispiel ganze Wochen im Block in der Berufsschule unterrichtet werden“, sagt Griesbaum. So hätten auch Lehrlinge die Chance, Kundenprojekte im Unternehmen von Anfang bis Ende zu begleiten, anstatt häufig nur Einblicke in Teilprozesse zu bekommen.