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Foto: Michael Rupp Bauunternehmung GmbH
Meister Fabian Rupp setzt in seinem Betrieb auf den 3D-Betondruck.

3D-Betondruck

Maurermeister druckt Mehrfamilienhäuser aus Beton

Meister Fabian Rupp setzt auf den 3D-Betondruck. Hier verrät er, was heute schon technisch möglich ist und warum die Technologie eine Chance für das Handwerk ist.

  • Maurermeister Fabian Rupp sammelte bei einem Projekt erste Erfahrungen mit dem 3D-Betondruck. Zusammen mit dem Projektpartner realisiert sein Betrieb in Bayern ein Mehrfamilienhaus mit der Technologie.
  • Durch die Arbeit an dem Projekt ist Rupp eine Geschäftsidee gekommen: Künftig will er sich mit seinem Betrieb auf gedruckte Gebäude spezialisieren.
  • Zu den Herausforderungen beim 3D-Betondruck gehören laut Rupp aber noch die hohen Materialkosten und die schwierigen Genehmigungsprozesse.
  • Mit Blick auf den herrschenden Fachkräftemangel sieht der Handwerker die 3D-Technologie als Chance für das Bauhandwerk.

Mit seinem Betrieb will Maurermeister Fabian Rupp erster Komplettanbieter für gedruckte 3D-Häuser werden. „Die Idee dazu kam durch ein Projekt, an dem wir seit 2019 mit dem Schalungs- und Gerüstsystem-Anbieter Peri arbeiten“, berichtet der Geschäftsführer der Michael Rupp Bauunternehmung. Ende 2020 startete im bayerischen Wallenhausen nun der Bau eines 5-Familienhauses mit rund 380 Quadratmetern Wohnfläche im 3D-Druck. „Den Wissensvorsprung, den wir durch dieses Projekt gewonnen haben, wollen wir künftig stärker nutzen“, erläutert der Meister die Geschäftsidee. Was technisch mit dem 3D-Betondruck möglich ist, wo noch Herausforderungen bestehen und was der Unternehmer für die Zukunft plant, hat er im Gespräch verraten.

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Der 3D-Betondrucker auf der Baustelle im bayerischen Wallenhausen im Einsatz: Schicht für Schicht werden die Mauern  hochgezogen.
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So entsteht ein 3-stöckiges Gebäude mit einer Wohnfläche von 380 Quadratmetern. Dem Schalungs- und Gerüstsystem-Anbieter Peri zufolge soll es das  bislang größte gedruckte Mehrfamilienhaus Europas werden.
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Maurermeister Fabian Rupp kam durch das Projekt auf eine neue Geschäftsidee: Er will sich künftig auf den 3D-Betondruck spezialisieren. Bis Mitte 2022 sollen weitere Bauprojekte mit der Technologie realisiert werden.

3D-Betondruck: Welches Wissen brauchen Handwerker?

Einfache PC-Kenntnisse reichen laut Rupp nicht aus, um die Technologie auf der Baustelle nutzen zu können. „Um den 3D-Drucker richtig bedienen zu können, ist eine Schulung an dem Gerät erforderlich“, sagt der Handwerker. Er rechnet damit, dass seine Mitarbeiter künftig eine vier- bis sechswöchige Schulung machen werden. Er selbst hat eine solche Schulung allerdings nicht absolviert. Rupp sagt: „Durch das Projekt habe ich auf der Baustelle Stück für Stück gelernt.“

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Was ist technisch heute möglich?

Fabian Rupp setzt auf einen sogenannten BOD2-Drucker. Dem Unternehmer zufolge lassen sich damit Gebäude mit einer Tiefe von bis zu 14,5 Metern realisieren. „In der Länge ist das Gerät individuell einsetzbar, weil der Drucker durch ein Schienensystem erweitert werden kann“, erläutert der Meister.. In der Höhe liege das Limit aktuell bei 9,5 Metern. Das entspreche drei Vollgeschossen. Der Handwerker ist aber davon überzeugt, dass künftig noch höhere Gebäude möglich sein werden.

Wie schlägt sich der 3D-Betondruck im Vergleich zum konventionellen Bauen?

Rupps Ziel ist, dass seine Kunden durch den Einsatz des 3D-Betondrucks Zeit und Geld sparen. „Heute gelingt das teilweise auch schon, es kommt aber noch sehr auf den Einsatzbereich an“, sagt der Maurermeister. Beim klassischen Einfamilienhaus sei der 3D-Druck noch teurer als bei der konventionellen Bauweise. Das liege vor allem daran, dass das Druckmaterial noch sehr teuer sei.

Und wie sieht es bei größeren Bauten, wie zum Beispiel Mehrfamilienhäusern aus? Da ist der 3D-Betondruck preislich mindestens gleich auf oder sogar günstiger, sagt Rupp. Denn je größer der Bau und je mehr Stockwerke, desto effektiver lasse sich die Technologie einsetzen.

Was sind die größten Vorteile des 3D-Betondrucks?

Neben der möglichen Zeit- und Kostenersparnis birgt die 3D-Technologie laut Fabian Rupp noch weitere Vorteile. Dazu gehören für ihn vor allem die folgenden drei:

  1. Mehrere Gewerke können in den Druckprozess integriert werden: Beim Druck können Elektroarbeiten gleich miterledigt werden, erläutert der Handwerker. Beispielsweise könne beim Druck schon für Aussparungen für Steckdosen oder Lüftungsöffnungen gesorgt werden.
  2. Ausführungsfehler können minimiert werden: „Voraussetzung ist eine saubere Planung“, sagt der Meister. „Gedruckt wird nur, was das BIM- beziehungsweise 3D-Modell vorgibt.“
  3. Architektonisch anspruchsvolle Arbeiten können einfach umgesetzt werden: Der 3D-Druck ermöglicht Formen, die mit konventioneller Handwerksarbeit nur schwer umzusetzen ist. Als Beispiel nennt Rupp Rundungen.

Was sind die größten Herausforderungen beim Bauen mit der 3D-Technologie?

Diese Herausforderungen bestehen dem Maurermeister zufolge beim 3D-Betondruck.

  1. Die schwierigen Genehmigungsprozesse: Bei Bauprojekten sind noch Einzelfallgenehmigungen erforderlich, so Rupp. Dabei würden Drucker und Materialien geprüft. Der Geschäftsführer sieht die Politik gefordert, die Genehmigungsprozesse schneller zu machen. „Wenn das gelingt, dann wird das Bauen mit dem 3D-Betondrucker schneller und günstiger.“
  2. Die hohen Materialkosten: Die Materialien für den Druck sind laut Rupp noch teuer, weil die aktuell noch in relativ kleinen Chargen hergestellt werden. Er geht aber davon aus, dass sich das bei steigender Nachfrage ändern wird.
  3. Die bestehenden Vorbehalte: Der 3D-Druck mit Beton ist eine relativ neue Technologie. Deshalb gibt es dem Handwerker zufolge zum Teil Vorbehalte, weil niemand mit Sicherheit wisse, wie sich die Baumaterialien in einigen Jahren verhalten werden. Doch Rupp ist überzeugt: „Wie bei jeder anderen neuen Technologie auch, werden sich die Vorbehalte mit der Zeit legen.“

3D-Betondruck: Eine Chance oder eine Bedrohung für das Handwerk?

Im 3D-Betondruck sieht Rupp keine Bedrohung für sein Handwerk sondern eine große Chance: „Der Fachkräfte- und Personalmangel ist groß und wird sich in den nächsten Jahren sicher noch verschärfen“, sagt der Meister. „Die Technologie kann da Abhilfe schaffen. Sonst können wir die geforderten Leistungen bald nicht mehr in ausreichendem Maße erbringen.“

Seitdem der Geschäftsführer auf den 3D-Betondruck setzt, habe er das Gefühl, dass sein Betrieb für Bewerber interessanter geworden ist. Er hofft, dass er nun auch leichter Azubis gewinnen kann: „Für die Azubis wird der 3D-Betondrucker hoffentlich genauso selbstverständlich wie das Smartphone heute.“

Was der Handwerksmeister genau plant

Nach dem Projekt in Wallenhausen hat der Meister schon weitere Pläne: „Bis Mitte 2022 wollen wir drei weitere Bauprojekte in Süddeutschland fertigstellen wollen“, sagt Rupp. Außerdem habe der Betrieb schon mehr als 300 Anfragen für Bauvorhaben in aller Welt – darunter zum Beispiel auch Anfragen aus Afrika und Australien. „Diese Projekte können wir gar nicht alle realisieren“, sagt der Maurermeister. Sein Ziel ist ohnehin ein anderes: Rupp will sich mit seinem Betrieb zunächst auf den süddeutschen Raum konzentrieren und das Geschäft dann nach und nach ausweiten.

Um das stemmen zu können, will er das Unternehmen künftig anders aufstellen: Dem Maurermeister zufolge laufen die Bauprojekte aktuell unter der Marke Rupp Gebäudedruck, die unter dem Dach des Familienunternehmens angesiedelt ist. „Im Laufe des Jahres wollen wir aber ausgründen“, sagt 27-Jährige. „Im neuen Betrieb wollen wir zunächst mit etwa fünf Mitarbeitern starten.“

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