Entlastungsprämie: „Für viele Betriebe nicht finanzierbar“
1.000 Euro Entlastungsprämie für Beschäftigte, das will der Bund einführen. Arbeitgeber sollen das Geld freiwillig zahlen können. Von Handwerksverbänden gibt es massive Kritik.
Auf einen Blick
Wegen der anhaltend hohen Kraftstoffpreise plant die Bundesregierung mehrere Entlastungsmaßnahmen. Dazu gehört auch die Einführung einer Entlastungsprämie von 1.000 Euro, die Arbeitgeber steuer- und sozialabgabenfrei an ihre Mitarbeitenden zahlen können sollen.
Bundesvereinigung Bauwirtschaft: „Die Prämie ist für viele Betriebe realitätsfern“
Marcus Nachbauer, Vorsitzender der Bundesvereinigung Bauwirtschaft, bezeichnet die Pläne der Koalition als enttäuschend. Er kritisiert, dass die Regierung mit ihren Maßnahmen die Kosten einseitig auf die Unternehmen abwälze.
„Die geplante steuer- und abgabenfreie Entlastungsprämie für Beschäftigte mag politisch gut klingen – wirtschaftlich ist sie für viele Betriebe realitätsfern“, so Nachbauer. Er verweist auf die explodierenden Material- und Rohstoffkosten. Diese führten dazu, dass „zahlreiche Unternehmen längst an der Grenze der Wirtschaftlichkeit“ arbeiten, so Nachbauer. „Die steigenden Insolvenzzahlen zeigen unmissverständlich, wie ernst die Lage ist.“
Felix Pakleppa: „Betriebe haben auf eine Entlastung gewartet“
Ähnlich äußert sich Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB). Er kritisiert die geplante Entlastungprämie von 1.000 Euro in einem Linkedin-Post: „Für viele Betriebe ist eine solche Prämie schlicht nicht finanzierbar.“ Pakleppa weist darauf hin, dass die Betriebe selbst auf eine Entlastung gewartet haben. Stattdessen sollten sie nun die Entlastung für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer tragen.
„Die steigenden Material-, Energie- und Rohstoffkosten machen ein auskömmliches Wirtschaften immer schwieriger und viele Unternehmen tragen bei Festpreisen diese Kosten alleine“, so der ZDB-Hauptgeschäftsführer. Er fordert von der Regierung ein „ganzheitliches Konzept“. Laut Pakleppa gehöre dazu auch eine umfassende Reform des Sozialstaates: „Steuer, Abgaben, Energie- und Bürokratiekosten müssen dringend runter.“
Metallbau: „Die Prämie weckt Erwartungen, die viele Betriebe nicht erfüllen können“
Der Bundesverband Metall (BVM) kritisiert, dass geplante steuer- und abgabenfreien Entlastungsprämie in Höhe von 1.000 Euro bei den Mitarbeitenden Erwartungen weckt, die viele Betriebe nicht erfüllen könnten: „Kaum ein kleiner oder mittelständischer Betrieb im Metallhandwerk kann zurzeit aufgrund der wirtschaftlichen Lage und der ohnehin hohen Kostenstrukturen am Standort Deutschland zusätzlich Lohnkosten finanzieren“, sagt BVM-Präsident Willi Seiger. Er rechnet vor, dass bei einem Betrieb mit 55 Mitarbeitenden zusätzlich 55.000 Euro für die Prämie anfallen würden. Laut Seiger sei das eine Summe, die „durch die Einsparungen aus der reduzierten Spritsteuerreduzierung betrieblich nicht eingespart werden können“.
ZVDH: „Viele arbeiten bereits an der Grenze der Wirtschaftlichkeit“
Der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) kritisiert, dass mit der geplanten Prämie die Verantwortung für die Entlastung der Bürger einseitig auf die Unternehmen abgewälzt werde. Aus Sicht von ZVDH-Hauptgeschäftsführer Ulrich Marx ignoriert die Bundesregierung die Realität: „Viele Betriebe arbeiten bereits an der Grenze der Wirtschaftlichkeit.“
Der ZVDH fordert die Koalition auf, die geplante Entlastungsprämie zu überdenken und stattdessen mehr Kraft in eine echte Energiewende zu investieren. „Nur so können wir unabhängiger und weniger anfällig für externe Krisen werden“, so Marx.
Friseurhandwerk: „Eine Einmalprämie löst keine strukturellen Probleme“
Den Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks beschäftigt die geplante Prämie ebenfalls: „Die Idee klingt zunächst nach Hilfe für viele Beschäftigte“, schreibt der Verband bei Facebook. Doch in der Realität sähe es anders aus: „Viele Salons werden die Prämie nicht zahlen können.“
Der ZV kritisiert das Vorhaben der Regierung als kurzfristige Symbolpolitik: „Eine Einmalprämie löst keine strukturellen Probleme.“ Stattdessen seien „echte, strukturelle und nachhaltige Entlastung für alle“ nötig. Der Verband fordert, dass die Lohnnebenkosten reduziert werden müssten: „ Das stärkt Betriebe, sichert Arbeitsplätze und fördert neues Wachstum.“
ZVSHK: „Unternehmen sollen als verlängerter Arm staatlicher Entlastungspolitik fungieren“
Auch im SHK-Handwerk sorgen die Pläne der Regierung für Unmut: „Die geplante steuer- und abgabenfreie Prämie von bis zu 1.000 Euro ist eine Verlagerung staatlicher Verantwortung in die Betriebe“, kritisiert Michael Hilpert, Präsident des Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK). In der aktuellen wirtschaftlichen Lage sei das ein völlig falsches Signal. „Viele Unternehmen arbeiten am Limit und sollen nun zusätzlich als verlängerter Arm staatlicher Entlastungspolitik fungieren“, betont Hilpert. Das sei weder fair noch verantwortungsvoll.
ZVEH: „Gestiegene Energie- und Mobilitätskosten betreffen auch die Betriebe erheblich“
In der Debatte um die Entlastungsprämie weist der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) darauf hin, dass diegestiegenen Energie- und Mobilitätskosten nicht nur die Beschäftigten erheblich treffen sondern auch die Betriebe. „Die vorgeschlagene Entlastungsprämie ist kein tragfähiges Konzept“, kritisiert ZVEH-Präsident Stefan Ehinger.
Gerade im Elektrohandwerk, das überwiegend durch kleine und mittlere Betriebe geprägt sei, stoße eine solche Krisen-Prämie an klare wirtschaftliche Grenzen. Laut Ehinger ist angesichts der fragilen Wirtschaftslage fraglich, ob Betriebe zusätzliche Kosten einkalkulieren könnten. Er fordert, dass „erst die Betriebe eine spürbare Erleichterung erfahren“ müssten, bevor Beschäftigte entlastet werden können. „Notwendig sind strukturell wirksame Maßnahmen wie eine nachhaltige Senkung der Energiepreise, steuerliche Entlastungen sowie ein konsequent vorangetriebener Bürokratieabbau“, so der ZVEH-Präsident „Nur so lassen sich die wirtschaftlichen Voraussetzungen schaffen, von denen die Beschäftigten profitieren können.“
Beitrag vom 17. April 2026, aktualisiert am 20 April 2026.
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