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Wegen kurzfristiger Preissteigerungen und Lieferengpässen bei Material haben Baubetriebe aktuell mehr Aufwand.

Stimmen aus der Praxis

Preissteigerungen und Lieferengpässe: So reagieren Kollegen

Kurzfristige Preissteigerungen, lange Lieferzeiten – für Baubetriebe sind das große Herausforderungen. Zwei Unternehmer berichten, wie sie mit der Situation umgehen und was aktuell besonders wichtig ist.

  • Aktuell werden Preise für Baumaterial zum Teil kurzfristig erhöht. Das Problem daran ist, dass Betriebe diese Kosten bei laufenden Verträgen nicht einfach an ihre Kunden weitergeben können.
  • Die Handwerksunternehmer Matthias Schöning und Ahmet Düman setzen deshalb auf Kommunikation, um mit ihren Kunden gemeinsam eine finanzielle Lösung zu finden.
  • Ein weiteres Problem für die Betriebe sind die langen Lieferzeiten. Die Handwerksunternehmer versuchen, Materialmangel auf der Baustelle durch eine vorausschauende Planung zu vermeiden.

Kurzfristige Preiserhöhungen von mehr als 10 Prozent sind aus Erfahrung von Bauunternehmer Matthias Schöning aktuell keine Seltenheit. Seine Lieferanten hätten ihm zum Monatswechsel zum Beispiel Preissteigerungen bei Kalksandstein (10 Prozent), Zement (15 Prozent) und Dachziegeln (16 Prozent) angekündigt.

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Umgang mit kurzfristigen Preissteigerungen

Das Problem daran sei, dass er diese spontanen Preiserhöhungen nicht ohne weiteres an seine Kunden weitergeben kann, weil diese Kosten bei unterzeichneten Verträgen schwer durchzusetzen sind. Schöning versucht deshalb, mit den Kunden zu reden und gemeinsam eine Lösung zu finden. „Wenn das nicht klappt, müssen wir in den sauren Apfel beißen und die Mehrkosten aus eigener Tasche zahlen“, sagt der Geschäftsführer der Theo Schöning GmbH in Bösel. Bislang hat er mit seiner Strategie gute Erfahrungen gemacht: „Die meisten Kunden haben Verständnis bei Lieferengpässen.“ Darüber ist Schöning sehr froh, denn er sagt: „Wir hatten im Handwerk schon ganz andere Zeiten.“

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Foto: Denny Gille Bauunternehmer Matthias Schöning machen aktuell vor allem die spontanen Preiserhöhungen zu schaffen. Die Mehrkosten seien bei unterzeichneten Verträgen schwer durchzusetzen, sagt der Geschäftsführer der Theo Schöning GmbH.

Auch Ahmet Düman von der Osterhues Haustechnik GmbH versucht bei Preissteigerungen gemeinsam mit seinen Kunden Lösungen zu finden. Der Geschäftsführer legt in solchen Fällen seine Kalkulation offen. „Mir ist Transparenz wichtig“, sagt er. „Es soll bei den Kunden nicht der Eindruck entstehen, dass wir unberechtigte Preisanpassungen vornehmen.“ In den meisten Fällen findet Düman eine Lösung, mit der beide Seiten finanziell leben können. Fehlt bei Kunden die Bereitschaft, sich an den Mehrkosten zu beteiligen, sind Vertragsrücktritte für ihn jedoch keine Option: „Das wäre für uns in den meisten Fällen noch teurer, weil Auftraggeber dann Rechtsansprüche haben.“

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Schwierige Situation für alle Baubeteiligten

Der Oldenburger findet die aktuelle Situation für alle Baubeteiligten schwierig. „Betrieben kann es das Genick brechen, wenn sie alleine auf den Preissteigerungen sitzen bleiben“, sagt er. Düman findet es aber auch nicht richtig, die kurzfristigen Preissteigerungen komplett auf die Kunden abzuwälzen: „Sie haben für ihr Bauvorhaben ein bestimmtes Budget eingeplant und das ist bei zusätzlichen Kosten nicht zu halten.“ Daher ist der Unternehmer überzeugt, dass ein partnerschaftliches Miteinander derzeit besonders wichtig ist: „Uns liegt etwas an langfristigen Kundenbeziehungen, daher müssen wir da jetzt mit unseren Kunden zusammen durch.“

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Foto: Denny Gille Laut Ahmet Düman von der Osterhues Haustechnik GmbH ist die aktuelle Situation für alle Baubeteiligten schwierig. Der Unternehmer versucht deshalb zusammen mit seinen Kunden Lösungen zu finden, mit der  beide Seiten finanziell leben können.

Laufende Baustellen dank guter Arbeitsvorbereitung

Neben den Materialpreissteigerungen sind die langen Lieferzeiten ein weiteres Problem für Betriebe. Laut Bauunternehmer Matthias Schöning hat sich die Situation beim Bauholz zwar mittlerweile entspannt, dafür sei die Verfügbarkeit von Dämmstoffen nun extrem kritisch.  Mit Lieferungen rechne er zum Teil erst für 2022. Ein Stillstand auf seinen Baustellen droht Schöning deshalb allerdings nicht. „Wir bestellen das Material mit großen Vorlaufzeiten, das hilft uns sehr.“ Eine sehr gute Arbeitsvorbereitung sowie gute, langjährige Lieferantenkontakte sind nach Einschätzung des Unternehmers momentan extrem wichtig, um die Situation gut meistern zu können. „Wer in den letzten Jahren nicht gut mit seinen Lieferanten umgegangen ist, bekommt nun die Quittung dafür“, meint der Bauunternehmer.

Verfügbarkeit ändert sich zum Teil von einem Tag auf den anderen

Mit langen Lieferzeiten hat auch Osterhues Haustechnik zu kämpfen: „Aktuell sind selbst Materialien schwer zu bekommen, die sonst eine Lieferzeit von maximal zwei Wochen haben, wie zum Beispiel Lüftungskanäle, Wickelfalzrohre und Lüftungsgeräte“, berichtet der Geschäftsführer. Seiner Erfahrung nach ändert sich die Verfügbarkeit einiger Materialien zum Teil von einem Tag auf den anderen. So komme es beispielweise vor, dass eine Bestellung, die nur einen Tag später aufgegeben werde, schon mal eine zwei Monate längere Lieferzeit zur Folge habe.

Ebenso wie Schöning setzt auch Düman deshalb auf frühzeitige Bestellungen. Zum Risikomanagement seines Betriebs gehört aber auch, dass er nach alternativen Lieferanten sucht. Und wenn auf der Baustelle Materialien fehlen, versucht der Unternehmer Arbeiten anderer Gewerke vorzuziehen: „Kurzarbeit und Baustopps sind für uns deshalb kein Thema.“

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