Dabei sollte die eigene Work-Life-Balance im Mittelpunkt stehen!
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Stress

Prioritäten: Wenn alle etwas wollen – wo bleibe ich?

Chefs setzen oft falsche Prioritäten: Erst kommen die anderen, dann der Betrieb und zum Schluss sie selbst. Warum das ein Fehler ist, erklärt handwerk.com-Autor Klaus Steinseifer.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • Wer sich als Chef zu wenig um sich selbst kümmert, setzt falsche Prioritäten – zu Lasten der eigenen Lebensqualität.
  • Eine der wichtigsten Chef-Aufgaben: Stellen Sie sich in den Mittelpunkt – und sorgen Sie dafür, dass Ihr Umfeld dazu passt!

Mit den Prioritäten ist das so eine Sache als Unternehmer: Wer sie falsch setzt, zahlt ständig nur drauf. Warum zum Beispiel sind Sie selbständiger Unternehmer im Handwerk geworden? Ganz sicher nicht, um einen 10- bis 12-Stunden-Tag, eine 60-bis 80-Stunden-Woche „in“ Ihrem Unternehmen zu arbeiten.

Wie viel Urlaub haben Sie zusammenhängend im letzten Jahr gemacht? Meist ist es weniger als der Urlaubsanspruch Ihrer Mitarbeiter! Sind Sie genau deshalb Unternehmerin/Unternehmer im Handwerk geworden? Ich glaube nicht. Ihr ursprüngliches Ziel war ein ganz anderes! Und wann haben Sie das letzte Mal „an“ Ihrem Unternehmen gearbeitet?

Falsche Prioritäten: Wer will alles etwas von mir?

Wenn ich die Seminarteilnehmer in meinen Chefseminaren frage: „Wer ist die wichtigste Person in Ihrem Leben?“, bekomme ich ganz viele Antworten: „Meine Frau, mein Mann, meine Kinder, mein/e …“. Alle Menschen um Sie herum wollen etwas von Ihnen! Nur die richtige Antwort fehlt immer: „ICH“. Setzen Sie die richtigen Prioritäten. Es ist Ihr Leben und Sie selbst tragen die Verantwortung dafür.

Mein Rat: Richten Sie Ihr Unternehmen nach Ihrem Leben und Ihren Bedürfnissen aus, damit es sich lohnt, "daran" zu arbeiten und Sie jeden Tag gerne in Ihr Unternehmen gehen.

Beispiel: So richtete ich mein Unternehmen an mir aus

Dazu erzähle ich Ihnen meine Geschichte aus meiner Zeit als handwerklicher Unternehmer: Kennen Sie „Nachtmenschen“? Genau so einer bin ich. Ich kann abends spät noch wunderbar einen Fachartikel schreiben. Es fällt mir aber unheimlich schwer, morgens zeitig schon große Dinge zu bewegen.

So war es auch in meinem Handwerksunternehmen, das ich von meinem Vater übernommen habe. Da wurde von mir erwartet, dass ich morgens, um 6.30 Uhr in der Werkstatt stehe – oder noch früher.

Mein erstes Ziel war es, einen Menschen in meinem Unternehmen zu haben, der das für mich gerne erledigt, einen „Tag-Menschen“. Zugegeben, es hat ein paar Jahre gedauert, bis dieser Mensch gefunden war. Irgendwann hat Beppo diese Aufgabe für mich erledigt – und ich sehe jetzt schon sein Lächeln, wenn er diese Zeilen liest.

Meist war es dann so, dass ich morgens, so gegen 10 Uhr, in meinem Büro erschienen bin. Dafür habe ich abends und nachts in meinem Büro, auch oft in meinem Home-Office, die Dinge erledigt, die erledigt werden mussten. Meist waren es Arbeiten "am" und nicht mehr "im" Unternehmen.

Das war nur ein Punkt, aber ein wichtiger, um mein Unternehmen nach mir auszurichten. Die meisten Unternehmerinnen und Unternehmer im Handwerk, mit denen ich spreche, „reagieren“ umgekehrt. Die richten sich nach den Bedürfnissen ihrer Unternehmen. Klar, dass dabei das Leben zu kurz kommt.

Tipp: Wie wichtig ist dieser Mensch für mich?

Und wo wir gerade dabei sind: Welche Prioritäten setzen Sie und wer kommt Ihnen dabei in die Quere? Ermitteln Sie doch einmal Ihre Zeitdiebe. Schreiben Sie sie auf und beginnen Sie damit, sie zu eliminieren.

Meist sind die Zeitdiebe ja Menschen und da hilft diese Fragestellung: Wie wichtig ist dieser Mensch für mich? Sehr wichtig, wichtig, weniger wichtig oder unwichtig. Alles klar?

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