Foto: Denny Gille

Inhaltsverzeichnis

Praxisbeispiel Littwin

So gelingen Innovationen im kleinen Handwerksbetrieb

Ein Unternehmen, zehn Mitarbeiter, geballte Innovationskraft. Littwin Systemtechnik zeigt, wie kreative Produktentwicklungen mit kleiner Personalstärke glücken.

Auf einen Blick:

  • Das Elektrotechnik-Unternehmen Littwin Systemtechnik hat sich auf die Überwachung von Kommunikationstechnik spezialisiert.
  • Innovationen gehören fest ins Programm des Oldenburger Unternehmens. Das zahlt sich für das Unternehmen doppelt aus: Die gemeinsamen Entwicklungen sind gut für das Betriesbklima und verschaffen dem Betrieb auch schon mal einen kleinen Wettbewerbsvorteil.
  • Um die Projekte erfolgreich stemmen zu können, setzt Littwin Systemtechnik auf Fördermittel und nimmt die Beratung der Handwerkskammer in Anspruch.
  • Für eine Entwicklung zur Überwachung von Kommunikationskabeln wurde der Betrieb im November mit dem Innovationspreis des Niedersächsischen Handwerks ausgezeichnet.

Weitverkehrsnetze: Dieses Wort klingt so groß, wie es ist. Autobahnen, Gaspipelines und Schienenwege zählen zu diesen Netzen. Sie alle benötigen funktionierende Kommunikationswege für einen reibungslosen Betrieb. Nur so ist gewährleistet, dass Notrufsäulen funktionieren und wichtige Steuerungssignale ihr Ziel erreichen. Manch großer Weitverkehrsnetzbetreiber vertraut dafür auf die Dienste eines kleinen Handwerksunternehmens: Littwin Systemtechnik zählt aktuell zehn Mitarbeiter und hat sich auf die Überwachung von Kommunikationstechnik spezialisiert.

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Die Technik des Betriebes ist etwa entlang von Gaspipelines verbaut, wo sie Kabel überwacht, die zur Steuerung des Gasflusses notwendig sind. Doch auch Autofahrer sind schon den Stätten begegnet, in denen Technik von Littwin steckt. Man findet sie in Parkplatz-WCs, Pumpstationen und in sogenannten Kabelhäusern entlang der Autobahnen.

Die Kabelhäuser beherbergen Serverschränke und Notstromanlagen und sorgen dafür, dass zum Beispiel die Infrastruktur entlang der Autobahn inklusive der Notrufsäulen funktioniert. „In diesen Häusern sind unsere Anlagen verbaut“, erzählt Jörg Littwin, Mit-Inhaber von Littwin Systemtechnik. Die Störmelde- und Fernwirksysteme des Unternehmens gewährleisten eine schnelle Fehlererkennung in Dutzenden Kabelhäusern in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und anderen Bundesländern.

Innovationspreis für Kabelüberwachung

Die eingesetzte Technik entwickeln und produzieren die Elektrohandwerker am nördlichen Stadtrand von Oldenburg. Hier hat das Unternehmen mit seinem Team aus Meistern, Technikern und Ingenieuren ein Produkt entwickelt, für das es nun mit dem „Innovationspreis des Niedersächsischen Handwerks“ ausgezeichnet wurde.

KÜ705-FO heißt die preisgekrönte Entwicklung. Hinter dem Namen verbirgt sich ein Modul, das Aderbrüche in Kupfer-Kommunikationskabeln erkennen und den Ort der Bruchstelle verraten kann. „Bisher wurde das mit mobilen Messgeräten gemacht“, sagt Jörg Littwin. Das hatte mehrere Nachteile, etwa die hohen Anschaffungskosten oder die zu geringe Mess­reichweite von 15 Kilometern.

Denn entlang einer Autobahn lägen häufig 15 bis 20 Kilometer zwischen zwei Kabelhäusern. Gab es zwischen zwei Häusern einen Aderbruch, musste ein Techniker-Team bisher mit dem mobilen Messgerät zu einem der Häuser fahren und eine Messung machen. Lag der Aderbruch zufällig mehr als 15 Kilometer entfernt, mussten sie noch einmal das andere Haus ansteuern und von dort aus messen. So ging viel Zeit verloren.

System hilft, Leben zu retten

Vorteil des neuen Moduls, das im Kabelhaus fest verbaut wird: „Es kostet deutlich weniger als ein mobiles System, es hat bis zu 30 Kilometer Messreichweite und meldet den genauen Ort eines Aderbruchs an eine zentrale Leitstelle“, betont der Preisträger. Die aufwendige Fehlersuche vor Ort entfällt.

Das spart nicht nur Zeit und Geld, es ermöglicht auch die schnelle Behebung eines Fehlers, damit zum Beispiel Notrufsäulen im Notfall zur Verfügung stehen. „Über 50.000 Notrufe wurden über diese Säulen im letzten Jahr bundesweit abgesetzt“, erklärt Littwin, „unser System hilft so auch, Leben zu retten.“

Innovationen sind gut für das Betriebsklima

Innovationen wie das KÜ705-FO sind für den Elektrohandwerksbetrieb aus zwei Gründen wichtig. Der naheliegendste: „Kommt das Produkt im Markt gut an, haben wir einen kleinen Wettbewerbsvorteil“, sagt der Unternehmer. Doch auch wenn eine Idee kein Verkaufsschlager wird, könne sie den Weg für spätere Entwicklungen ebnen.

Zudem mache es Spaß, neue Produkt mit dem Team zu entwickeln. „Das ist auch klasse für das Betriebsklima“, erklärt Imke Littwin, die im Unternehmen für Personal und Controlling zuständig ist. Das Unternehmerpaar sieht seine Mitarbeiter als zentralen Erfolgsfaktor und es sorgt dafür, dass sie sich im Betrieb wohlfühlen. Auf flexible Arbeitszeiten, ein familiäres Miteinander und ergonomische Arbeitsplätze legt das Unternehmen daher wert. „Die Auszeichnung mit dem Innovationspreis ist für unser gesamtes Team ein großes Highlight“, betont Imke Littwin. „Diese Wertschätzung hat einen unheimlichen Motivationsschub gegeben.“

Wichtige Unterstützung: Förderung und Beratung

Um Produktinnovationen finanziell stemmen zu können, nutzt Littwin Systemtechnik die Niedrigschwellige Innovationsförderung der NBank. „Das mildert die Risiken so weit, dass wir es wagen können, neue Ideen auszuprobieren“, erläutert Imke Littwin. Zudem hat der Betrieb das Beratungsangebot der Handwerkskammer Oldenburg intensiv wahrgenommen. „Die Zusammenarbeit mit der Kammer war großartig, besonders mit unserem Innovationsberater Herrn Pakula“, lobt die Unternehmerfrau.

So darf man auch künftig mit Innovationen von den Oldenburgern rechnen. Eine davon wartet sogar schon in 30-facher Ausführung auf die Endmontage. Weil die Kabelhäuser entlang der Autobahnen inzwischen als sicherheitskritische Infrastruktur eingestuft wurden, reichen die mechanischen Schlösser als Zugangsschutz nicht mehr aus, erklärt Jörg Littwin. Sein Betrieb hat daher ein nachrüstbares digitales Zutrittskontrollsystem entwickelt, das sich an die eigens entwickelte Leitstellensoftware koppeln lässt. „Das ist das nächste Produkt, auf das wir wirklich stolz sind“, sagt Jörg Littwin.

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