Foto: Denny Gille

Fachkräfte

Erfolg mit Wertschätzung – dieser Betrieb ist ein Fachkräftemagnet

Fachkräftemangel ist für diesen Betrieb kein Thema. Und das liegt nicht am Standort. Bei Heideglas sollen sich einfach alle wohlfühlen. Das Konzept geht auf.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick:

  • 13 Mitarbeiter, darunter drei Auszubildende: Die Uelzener Glaserei Heideglas ist personell solide aufgestellt.
  • Tipps für glückliche Mitarbeiter: Heideglas hat ein paar einfache Maßnahmen umgesetzt, die das Team fit halten und gute Laune machen.
  • Mitarbeiterthema: Wertschätzung. Heideglas holt Feedback von seinem Team aktiv ein. Jeder wird gehört, vom Meister bis zum Azubi.
  • Mit guter regionaler Vernetzung, unter anderem über den Sport-Verein, beugt das Unternehmen Nachwuchssorgen effektiv vor.

Ankunft Uelzen, ein langer Flachbau, etwas abseits der Hauptstraßen. Die Türen der Glaserei Heideglas stehen mir schon offen. Zuerst aber muss ich an der Security vorbei: „Emmi“ schnuppert kurz an mir – und hat wohl keine Einwände gegen den unerwarteten Besuch – sie lässt mich passieren. Hund im Büro: Was in manchen Unternehmen undenkbar wäre, ist bei Heideglas eine Selbstverständlichkeit. Der Vierbeiner gehört zum Team. Und das ist bei Weitem nicht das Einzige, was hier eine Spur anders läuft als anderswo.

Viele Ideen zum Wohl der Mitarbeiter

Das Unternehmen tut einiges für das Wohl seiner Mitarbeiter. Oft sind das Kleinigkeiten, die keinen besonderen Aufwand verlangen. In der Summe führen sie aber dazu, dass der Betrieb ein Problem nicht hat, von dem viele im Handwerk klagen: Fachkräftemangel.

Der Glasereibetrieb ist solide auf Wachstumskurs. 13 Mitarbeiter zählt das Unternehmen. Drei Ausbildungsplätze gibt es. Alle drei sind mit vielversprechenden Nachwuchskräften besetzt. Und das, obwohl Uelzen mit seinen 33.000 Einwohnern, abseits des Autobahnnetzes zwischen Soltau und Salzwedel gelegen, kein ausgesprochener Fachkräftemagnet ist.

„Wir sind ein Familienbetrieb und wir wollen, dass sich alle wohlfühlen“, sagt Inhaber Torsten Neumann. Die passenden Ideen für mehr Mitarbeiterzufriedenheit liefert oft seine Frau, Glasermeisterin Tanja Neumann: „Mir macht das viel Spaß – und die Dinge zeigen Wirkung“, erzählt sie.

Steht an erster Stelle: Gesundheit

Zum Beispiel im Bereich Gesundheit: Da haben die Uelzener einige Ideen realisiert, die gesund halten und gute Laune machen:

  1. Kostenlose Energielieferanten: „Jeden Montag wird uns ein frischer Obstkorb geliefert, an dem sich alle Mitarbeiter bedienen können“, berichtet die Unternehmerfrau. Birne, Apfel, Banane und Co. versorgen das Team mit Energie und Vitaminen.
  2. Powernapping: Jeder kennt das Mittagstief. Da kann man sich durchschleppen oder – wie Heideglas – zwei Liegen anschaffen. Wer in der Mittagspause ein Turboschläfchen halten will, ist herzlich eingeladen. Das steigert die Leistungsfähigkeit und hebt die Stimmung. Der Chef geht mit gutem Beispiel voran. „Ich nutze das gerne, wenn mal eine Liege frei ist“, sagt Thorsten Neumann.
  3. Arbeitsplatzbesichtigungen: Hier nutzt der Betrieb ein Angebot der AOK. Ein Experte der Krankenkasse lässt sich von jedem Mitarbeiter Arbeitsplatz und typische Tätigkeiten zeigen und fragt nach der empfundenen Belastung. „Anschließend gibt es Tipps für bestimmte Bewegungsabläufe oder Tragehilfen, die wir anschaffen“, erklärt Tanja Neumann. Simple Ergonomiemaßnahme im Büro: Heideglas hat Funk-Tastaturen und -Mäuse angeschafft. „Das Kabel hindert einen oft daran, die Tastatur einfach zu sich heranzuziehen und in einer gesunden Sitzposition zu arbeiten.“

Darüber hinaus hat Heideglas viele andere Angebote ausprobiert. „Nicht alles wird sofort angenommen“, sagt die Meisterin, „aber auch das gehört dazu, da darf man nicht beleidigt sein.“

Kommunikation: Schlüssel zur Wertschätzung

Damit im Unternehmen erst keine Konflikte schwelen können, setzt Heideglas auf eine offene Kommunikationskultur.

  • Mitarbeiterbesprechungen: Die Geschäftsführung hört ihren Mitarbeitern zu – mit System. „Jeden Freitag machen wir eine Mitarbeiterbesprechung“, sagt Tanja Neumann. Dabei geht ein Ball herum. Wer den fängt, bekommt das Rederecht. „Jeder soll offen sagen, was in der Woche gut lief, was schlecht war, was genervt hat“, erklärt Neumann. Die Inhalte werden in einem kurzen Protokoll als PDF festgehalten. Und das wird mit allen Mitarbeitern in der Whatsapp-Gruppe geteilt. Donnerstags gibt es zudem eine Azubi-Besprechung.
  • Rollentausch: „Probleme und Verzögerungen können auf der Baustelle immer entstehen. Aber wer aus dem Büro das nie selbst erlebt hat, kann dafür nur schwer Verständnis aufbringen“, sagt Tanja Neumann. Um das Verständnis zu fördern, schickt das Unternehmen hin und wieder Büromitarbeiter mit auf die Baustelle.
  • Wertschätzung zeigen: „Für uns bedeutet Kommunikation, Wertschätzung zu zeigen“, sagt Tanja Neumann. Jeder Mitarbeiter soll wissen, dass er wichtig für den Betrieb ist. „Und wenn der Azubi etwas zu sagen hat, dann hören wir ihm auch zu.“

So dürfte es dem Uelzener Handwerksbetrieb auch künftig nicht schwerfallen, gutes Personal zu finden. Aber wo finden die Glaser überhaupt ihren Nachwuchs? „Wir sind regional super vernetzt“, verrät Inhaber Thorsten Neumann. „Fast jeder von uns ist im Fußball-Verein und über die persönliche Schiene passiert ganz viel.“

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