Handwerker als Lieferfahrer? Stefan Korfhage hat in seinem Betrieb auch so genug zu tun – doch bei einem neuen Projekt „muss man erstmal die Kosten niedrig halten“.
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Handwerker als Lieferfahrer? Stefan Korfhage hat in seinem Betrieb auch so genug zu tun – doch bei einem neuen Projekt „muss man erstmal die Kosten niedrig halten“.

Strategie

„Früher haben wir wie blöde gearbeitet und nichts verdient“

Stefan Korfhage weiß genau, wie teuer unproduktive Stunden sind – und wie er sie in seinem Handwerksbetrieb senkt. Mit einem neuen Projekt hilft er dabei nun auch Kollegen.

  • In seinem eigenen Betrieb senkt Handwerker Stefan Korfhage seit einigen Jahren konsequent die unproduktiven Stunden – mit einer überraschenden finanziellen Erkenntnis.
  • Mit dem Lieferservice „Hansdampf“ für kurzfristig benötigte Teile hilft er nun sich selbst und anderen Betrieben, einen weiteren Kostenfresser in den Griff zu bekommen: zeitraubende Besorgungsfahrten. Er weiß aus eigener Erfahrung, warum sich das für die Kollegen rechnet.

Was ist los mit Stefan Korfhage? Laufen die Geschäfte so schlecht? Hat der Handwerker in seinem 22-Mann-Betrieb nicht genug zu tun? Korfhage lacht – seine Antwort auf diese Fragen lautet: „Nein!“ Warum also hat er jetzt einen Teile-Lieferservice für Handwerker gegründet und klemmt sich dafür sogar selbst hinters Steuer?

Lieferservice senkt unproduktive Zeiten

Der Reihe nach: Korfhage führt seit 22 Jahren einen SHK-Betrieb in Oldenburg. Das Unternehmen brummt, gerade sei die Nachfrage nach alternativen Energien noch einmal gestiegen, berichtet der Unternehmer.

Anfang April hat der 59-Jährige dennoch ein zweites Unternehmen ins Leben gerufen: die Hansdampf UG. Der Teileexpress beliefert Handwerker in und um Oldenburg mit kurzfristig benötigten Materialien. „Es geht darum, unproduktive Zeiten zu reduzieren, wenn Material fehlt“, sagt der Gründer und macht eine schnelle Rechnung auf: „Fährt ein Geselle oder der Meister los, um das Material zu besorgen, kostet das ein bis zwei Stunden Zeit – und noch mehr, wenn der Mitarbeiter dabei jemanden trifft und einen Kaffee trinkt. Diese Zeit kann der Betrieb niemandem in Rechnung stellen.“

Korfhages Alternative: Kurzfristig benötigtes Material bestellen die Handwerker bei ihren Großhändlern. Mit der Lieferung zur Baustelle beauftragen sie den Lieferservice – telefonisch, per Whatsapp oder auf der Website www.hans-dampf-ol.de. Hansdampf liefert innerhalb von 60 bis 90 Minuten. Kosten für den beauftragenden Handwerker: pauschal 39 Euro pro Tour. „Diese Zeit kann der Mitarbeiter auf der Baustelle für die Arbeitsvorbereitung oder für andere Aufgaben nutzen“, betont Korfhage. Multipliziere man die Zeitersparnis mit dem jeweiligen Stundenverrechnungssatz, rechne sich der Lieferservice sofort. Er selbst werde das Angebot für seinen SHK-Betrieb nutzen. „Ich habe Bedarf, aber einen Fahrer nur für mein Unternehmen einzustellen, würde sich nicht rechnen.“

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Hier fährt der Chef noch selbst aus – erst einmal zumindest

Den Lieferservice betreibt Korfhage mit zwei Freunden. In der Startphase teilen sich die drei die Touren, auch einige Freunde vom Stammtisch machen mit. Ist das nicht ein bisschen widersprüchlich, wenn der Geschäftsführer eines gut gehenden Handwerksbetriebs über Produktivität und Stundensätze spricht – und dann nebenbei als Lieferfahrer unterwegs ist? „Hansdampf ist ja eine Neugründung“ betont Korfhage. „Da muss man erst einmal mit anpacken und sehen, ob der Plan aufgeht – ob die erwartete Nachfrage da ist. So lange muss man die Kosten niedrig und den Personaleinsatz flexibel halten.“ Außerdem mache das ja auch einen Unternehmer aus: etwas Neues zu wagen.

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„Ich hatte nicht gewusst, dass man so viel Geld verdienen kann“

Die Erfolgsaussichten seines Lieferdienstes hält Korfhage für gut: „Unproduktive Zeiten sind eine der großen Herausforderungen im Handwerk – auch wegen des Fachkräftemangels.“

Das weiß der Unternehmer aus eigener, schmerzhafter Erfahrung. 2015 sei sein SHK-Betrieb in einer „Schieflage“ geraten. „Wir haben wie die Blöden gearbeitet, kein Geld verdient und sind in die Miesen gerutscht“, erinnert er sich. Den Turnaround habe er mit Hilfe eines betriebswirtschaftlichen Beraters der Handwerkskammer und eines Unternehmensberaters geschafft: „Wir haben innerhalb von einem Jahr alles geändert: die Kalkulation, die Preise, die Kundenstruktur, das Forderungsmanagement und die Prozesse.“ Das habe sich gelohnt: „Ich hatte nicht gewusst, dass man mit so einer Firma so viel Geld verdienen kann“, freut sich der Chef heute.

Dazu habe besonders der Abbau unproduktiver Stunden beigetragen, zum Beispiel bei den Materialbestellungen. Die habe bis 2015 jeder Monteur selbst erledigt. Heute planten die Teams einen halben Tag vorher, was sie am Folgetag benötigen. Die Bestellungen übernehme das Büro, der Großhandel liefere das Material zu den Baustellen. „Das spart bis zu 600 Monteurstunden im Jahr ein“, sagt Korfhage.

Aber auch mit noch so guter Planung lasse sich nicht jeder Materialbedarf im Tagesgeschäft vorhersehen. Da kommt der Lieferservice ins Spiel. Korfhage: „Hansdampf ist einfach eine Möglichkeit, eine unplanbare unproduktive Aufgabe kostengünstig zu delegieren und sich auf die eigentliche Arbeit zu konzentrieren – auf die, mit der man das Geld verdient.“

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