Foto: Gisela Aulfes

4 Strategien

So trickst Ihr Schweinehund Sie aus

Nur noch schnell… das kennen Sie sicher, wenn Sie unbeliebte Vorhaben verschieben. Dahinter steckt Ihr innerer Schweinehund. 4 Strategien, mit denen er Sie austrickst – und warum Sie ihn dennoch brauchen.

Auf einen Blick:

  • Aufschieben oder ganz sein lassen: Viele unbeliebte Vorhaben packen wir nicht an. Dahinter steckt unser innerer Schweinehund - der innere Widerstand.
  • Marco von Münchhausen verrät Strategien, mit denen der innere Schweinehund uns jeden Tag versucht, auszutricksen.
  • Wenn Sie die Tricks kennen, können Sie mit Ihrem Schweinehund besser umgehen und ihn verstehen.
  • Klingt paradox, ist es aber nicht: Der innere Schweinehund will nichts Böses, er ist uns sogar in manchen Bereichen eine große Hilfe.

Alle Infos

von Martina Jahn

Kennen Sie den Kampf mit dem inneren Schweinehund? Diesen inneren Widerstand, den Sie wieder und wieder überwinden müssen, wenn Sie etwas verändern wollen – sei es im Betrieb oder privat. Der innere Schweinehund taucht immer dann auf, wenn wir uns eine Veränderung unserer Gewohnheiten vornehmen. Oder dann, wenn wir ein aufgeschobenes Projekt in Angriff nehmen wollen. Zwischendurch versucht er uns immer wieder von unseren Zielen abzubringen.

Wie geht er dabei vor? „Er hat banale, aber gleichzeitig geniale und verführerische Argumente“, sagt Marco von Münchhausen, Autor und Redner aus München. Sie sind deshalb so verführerisch, weil sie eine punktuelle Erleichterung bringen oder Abhilfe versprechen.

„Wenn Sie Ihre aufgeschobene Ziele endlich verwirklichen wollen, müssen Sie Ihren Schweinehund zähmen und seinen Einfluss mindern“, betont von Münchhausen. Denn der innere Schweinehund arbeitet mit vielen Tricks und legt sich immer wieder neue Taktiken bereit, um Sie an der Nase herumzuführen.

1. Ausgefeilte Strategien: So geht der Schweinehund vor

Er verhindert Veränderungen

  • Die Unmöglichkeitstaktik: „Ich kann das nicht“, „Das wird sowieso nichts“.
  • Die Verzögerungstaktik: „Ich kann noch nicht…“, „Ich muss erst noch…“
  • Die Unverbindlichkeitstaktik: müsste, könnte, sollte, dürfte, man…
  • Nutzung von Traditionsfloskeln: „Das war schon immer so“.
  • Durch Sicherheitsdenken: „Lieber nichts riskieren“.

Er plant das Scheitern mit ein

  • Nur versuchen: „Mal schauen, ob ich das schaffe“, Ich werde mal versuchen…“
  • Mit der Nebeltaktik: Verwendung von ungenauen Formulierungen, keine klaren Termine: bald, mal, irgendwann
  • Mit Herkulesvorhaben: Sie nehmen sich zu viel vor

Er durchkreuzt unsere Vorhaben

  • Ablenkung: noch nicht bereit sein, noch mal kurz dieses oder jenes tun (Tee kochen, aufräumen, E-Mails checken etc.)
  • Ausnahmefallen: dieses eine Mal fällt ja nicht auf, dieser eine „besondere“ Anlass
  • Tendenz zum Abbruch: „Das bringt nichts“, „Es ist viel zu anstrengend“

Er stellt das Ergebnis infrage

  • Sündenböcke finden: „Ich kann ja nicht dafür“: Sie machen jemanden anders dafür verantwortlich, wenn Sie Ihr Vorhaben nicht umgesetzt haben.
  • Versagen vortäuschen: „Ich schaff eh nichts“, „Das hat alles keinen Sinn“: Er hindert Sie daran, ein Vorhaben gleich mit einem positiven „Ich schaffe das“ anzugehen.

2. Beispiele: Der Schweinehund zielt auf Berufliches und Privates

Der Schweinhund zielt auf viele Bereiche im Leben ab, er mischt sich ein und lässt nicht locker. Unter anderem hat er es immer wieder auf diese Themen abgesehen:

Beruflich:

  • Regelmäßige Zeitplanung
  • Ablage abarbeiten
  • Ehrlichkeit und Integrität
  • Fortbildung
  • Umgang mit dem Computer oder Internet
  • Schreibtisch, Schubladen, Schränke aufräumen
  • System in Akten und Ordnern
  • Wichtige Briefe oder Telefonate
  • Fällige Einladungen oder Besuche
  • Engagement in Politik, Sozialem oder Umwelt

Privat:

  • Gesunde Ernährung/Abnehmen
  • Regelmäßige Bewegung
  • Gesundheitschecks beim Arzt
  • Verzicht aufs Autofahren
  • Ehrlichkeit in Familie oder im Freundeskreis
  • Theater- und Konzertbesuche
  • Innehalten und Ruhen
  • Auch mal „Nichts tun“

3. Darum brauchen Sie Ihren Schweinehund trotzdem

Der Schweinehund unterwandert zwar unsere Vorhaben. Aber: Er will gar nichts Böses, sondern legt es darauf an, uns beispielsweise vor Überarbeitung und zu viel Anstrengung warnen. Er zieht die Notbremse, wenn wir die Grenzen nicht erkennen.

Allerdings ist er auch kurzsichtig: Der Schweinehund will uns keinen Schaden zufügen, betont Marco von Münchhausen. Sein Ziel sei es vielmehr, im Hier und Jetzt Spaß zu haben und sich wohlzufühlen – und wenn dem etwas im Weg steht, versucht er dagegenzuhalten.

4. Drei Tipps zum Umgang mit dem Schweinehund

Geben Sie auf ihn Acht, wenn er Sie auf bestimmte Grenzüberschreitungen hinweisen will (z.B. wenn Sie dabei sind, sich mit Arbeit zu überfrachten).

Lernen Sie auch von ihm – Seien Sie ab und zu mal wieder Kind: Lassen Sie es sich im Hier und Jetzt gutgehen, entspannen Sie sich und nehmen sich Zeit für Dinge, die Ihnen Spaß und Freude bereiten. Lassen Sie den Schelm raus, wenn Sie Lust dazu haben, lachen oder weinen Sie, wenn ihnen danach ist.

Setzen Sie dem Schweinehund Grenzen: Nur dann können Sie Ihre Ziele auch sinnvoll verwirklichen – ohne dauerhaft auf seine Tricks reinzufallen. Denn am Ende geht es für Sie und Ihrem Schweinehund vor allem um eines: Raffen Sie sich immer wieder auf, überwinden Sie sich und halten Sie durch bis zum Ziel.

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