„Eine 4-Tage-Woche ist in unserem Gewerk nicht so einfach umzusetzen“, sagt Michael Zierau. 
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„Eine 4-Tage-Woche ist in unserem Gewerk nicht so einfach umzusetzen“, sagt Michael Zierau. 

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4-Tage-Woche: „Wir wollen auch Stunden reduzieren“

Zwölf Mitarbeiter, viele Kundenbesuche, ein Notdienst – kann man in so einem Handwerksunternehmen eine 4-Tage-Woche einführen? Dieser Kollege probiert es.

Auf einen Blick:

  • Michael Zierau will in seinem Betrieb eine 4-Tage-Woche probieren.
  • Sein Modell: Ein Teil des Teams arbeitet 4 Tage, das andere 5; wochenweise wird dann gewechselt.
  • Läuft das Modell gut an, will er auch die Wochenstunden reduzieren. „Wir wollen schließlich einen Erholungseffekt erreichen.“

Wer den Fachkräftemangel besiegen will, muss selbst tätig werden. Da macht sich Handwerksunternehmer Michael Zierau keine Illusion. „Die Politik hat gezeigt: Sie bekommt es nicht in den Griff.“ So hat der Magdeburger SHK-Betrieb Heizungs-Service Michael Zierau GmbH eine eigene Strategie aufgebaut, um für Fachkräfte attraktiv zu sein. „Wir versuchen in den sozialen Medien das Handwerk von seiner coolen Seite zu zeigen“, sagt der Chef des zwölf Mitarbeiter starken Betriebs.

Dafür geht der Betrieb auch große Themen an. Zum Beispiel Work-Life-Balance. „Wir werden jetzt eine 4-Tage-Woche in unserem Unternehmen probieren“, sagt Zierau. Der Unternehmer hat sich genau überlegt, wie er dabei die Bedürfnisse von Kunden und Mitarbeitern unter einen Hut bekommt.

4-Tage-Woche wechselweise

„Eine 4-Tage-Woche ist in unserem Gewerk nicht so einfach umzusetzen“, sagt der Handwerksmeister. Und der Unternehmer will das Mehr an Work-Life-Balance nicht zu Lasten seiner Kunden etablieren. Beispiel Notdienstanfragen: Da hätten Kunden kein Verständnis, wenn am Freitag niemand für sie da wäre. Die Lösung des Meisters: „Wir wechseln wochenweise: Ein Teil des Teams hat eine 4-Tage-Woche, der andere eine 5-Tage-Woche. In der Woche darauf wird getauscht.“ 

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Für einen Probezeitraum von ein paar Monaten soll das Modell nun getestet werden. „Nach dieser Zeit sollen die Monteure sagen, wie es für sie gelaufen ist“, sagt Michael Zierau. Sind alle zufrieden, soll es fortgesetzt werden. Einen möglichen Mehrwert sieht der Meister auch für seine Kunden: Aufgeteilt in einen Früh- und einen Spätdienst könne ein Team an den längeren Arbeitstagen bis 18.00 Uhr arbeiten. So sei den Kunden geholfen, die von ihren Arbeitgebern kein Frei für einen Handwerkertermin bekommen.

Die Wochenarbeitszeit soll runter

Aktuell seien 80 Prozent seines Teams für die 4-Tage-Woche aufgeschlossen. Für den Unternehmer kein Problem. Die Übrigen könnten weiterhin fünf Tage arbeiten. Auch Zierau selbst hat noch Zweifel, ob das Modell tatsächlich zu mehr Erholung führt. „Wenn meine Mitarbeiter dafür freitags den Haushalt machen und den Großeinkauf erledigen – also alle Aufgaben übernehmen, die sie sich sonst in der Familie aufteilen, könnte der Erholungseffekt verpuffen.“

Und auf Erholung kommt es dem Unternehmer schließlich an. Daran lässt er keinen Zweifel. „Das große Ziel ist, auch mit den Stunden runterzugehen“, erklärt der Unternehmer. Konkret will Zierau die Wochenarbeitszeit von 40 auf 38 Stunden reduzieren – bei vollem Lohnausgleich. „Wir wollen mit der 4-Tage-Woche schließlich einen Erholungseffekt erreichen. Ich glaube, das erreichen wir nur, wenn wir auch die Arbeitsstunden reduzieren.“

Nachwuchssuche? Läuft!

Es ist nicht das erste Mal, dass der Betrieb sein Team bei der Arbeitszeit entlastet. Vor einiger Zeit hat Zierau den „Tag 4 You“ eingeführt – eine Art Sonderfreizeit an bis zu drei Tagen im Jahr. Auch hier war das Ziel bestmögliche Erholung. „An so einem Tag soll man einfach mal machen dürfen, was einem selbst gut tut“, erklärt der Unternehmer.

Bei den Fach- und Nachwuchskräften scheinen die Bemühungen gut anzukommen. „Früher haben wir zwei Schulnoten über unserem Wunschabschluss einstellen müssen“, sagt Zierau. Aktuell sei das ganz anders. „Wir haben jetzt das erste Mal seit 24 Jahren drei Lehrlinge auf einmal – und zwar richtig gute Leute.“

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