Das Bundesarbeitsministerium will kleinere Unternehmen beim Arbeitsschutz entlasten: Wo künftig Sicherheitsbeauftragte wegfallen sollen und was noch geplant ist.
Laut Sozialgesetzbuch brauchen Betriebe mit mehr als 20 Beschäftigten aktuell mindestens einen Sicherheitsbeauftragten oder eine Sicherheitsbeauftragte. Doch das Bundesarbeitsministerium will die Zahl der Sicherheitsbeauftragten reduzieren. Das sieht ein Konzept vor, das das Ministerium jetzt vorgestellt hat. Demnach soll die Verpflichtung, einen Sicherheitsbeauftragten zu bestellen, für Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten entfallen. Zudem soll in Unternehmen mit bis zu 250 Beschäftigten künftig nur noch ein Beauftragter erforderlich sein. Insgesamt könnten dadurch rund 123.000 Sicherheitsbeauftragte wegfallen.
Das Konzept des Bundesarbeitsministeriums sieht insgesamt drei Reformschritte vor, mit denen insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) entlastet werden sollen. Ziel des Vorhabens sei es, Arbeitsschutzregelungen effizienter, digitaler und stärker an tatsächlichen Gefahrenlagen auszurichten. Das Schutzniveau solle dabei erhalten bleiben.
Laut dem Ministerium könnten die ersten beiden Reformpakete die Wirtschaft bereits um rund 200 Millionen Euro jährlich entlasten
Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), sieht bei der Reform bei den Sicherheitsbeauftragten einen spürbaren Beitrag zum Bürokratieabbau. „Die Sicherheit bleibt gewährleistet – entscheidend ist gelebter Arbeitsschutz mit Gefährdungsbeurteilung als zentrales Instrument. Das bringt viel mehr als ein bürokratisches Beauftragtenwesen“, so Kampeter. Positiv sieht er auch, dass das BMAS weniger starre Vorgaben und weniger Schriftform plant: Das sei „praxisnah und effizient“, so der BDA-Hauptgeschäftsführer.
Für Carsten Burckhardt, Stellvertretender Bundesvorsitzender der IG BAU, ist das Vorhaben des Bundesarbeitsministeriums ein „sehr, sehr schlechter Plan“. Wer Sicherheit abbaue, gefährde Menschenleben, warnt Burckhardt.
„Bürokratieabbau auf dem Rücken der Beschäftigten ist keine Reform – das ist Leichtsinn.“ Die Sicherheitsbeauftragten, seien die Personen, die hinschauen, wenn andere weggucken. „Wir brauchen mehr Schutz – nicht weniger“, betont der Bundesvorsitzende. „Wer mit seinen Händen und seinem Kopf am Bau arbeitet, verdient Schutz und Sicherheit – nicht politische Sparübungen auf Kosten der Gesundheit.“
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